MM_Lasalle
Zu den Kommentaren
23. Dezember 2009, 8:45 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Advent (23) Dunkelheit

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Die Literaturkritik mochte das Buch nicht so sehr. Ich schon. Ich mag den Autor überhaupt sehr gerne, fast egal, was er schreibt. In das Werk Haruki Murakamis bin ich mit dem kleinen Bändchen „Gefährliche Geliebte“ eingestiegen (dass Sigrid Löffler die erotischen Szenen in dem Buch im Literarischen Quartett vom 30. Juli 2000 als „hirnerweichendes Vögeln“ bezeichnet hat, empfand ich damals schon als Empfehlung für das Buch). Auch „Naokos Lächeln“ habe ich begeistert gelesen und ebenso das Marathon-Buch Murakamis.

Dieses ist anders. Es flechtet verschiedene Handlungsstränge einer einzigen Nacht ineinander und erzählt vom Warten, auf das was kommt, von der Suche und Enttäuschung, von Oberflächlichkeit und Gewalt. Da ist die Geschäftsführerin eines Love Hotels, in dem gerade ein brutaler Mann eine chinesische Prostituierte misshandelt hat. Da ist die junge Frau, die in einem Schnellrestaurant ganz langsam liest und einfach wartet, bis ein junger Posaunist an ihren Tisch tritt, sich niederlässt und ein Gespräch beginnt.

Es sind Miniaturen der Globalisierung, die das Buch vor uns ausbreitet, und bei denen der Autor doch sehr genau hingeschaut hat, um das erzählen zu können, was manch ein Kritiker als oberflächlich, leichtgewichtig oder als „hedonistische Egozentrik“ empfand.

Vielleicht stimmt es, dass dieser Roman überall spielen könnte, aber er spielt in Tokio. Vielleicht stimmt es, dass Menschen auf der Welt noch immer verschiedene Worte sprechen, aber die Sprache der Liebe, des Begehrens, der Gewalt und der Verzweiflung ist überall auf der Welt ähnlich, wenn nicht gleich.

Wer diese Nacht durchlesen und überstanden hat, ist irgendwie froh, dass nach der Dunkelheit das Helle kommt. Aber er weiß auch, dass die nächste Nacht bevorsteht. Und wäre das nicht so, es bliebe ein Funken Sehnsucht nach der Dunkelheit.

Haruki Murakami: Afterdark.

Köln: Dumont, 2005.


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31 Reaktionen

  1. 23. Dezember 2009, 9:02 Uhr, von lizz Gefällt einem Leser
    01

    Was ist denn auf dem Photo? Wo ist das entstanden?
    Könnte hier mal das Prinzip der Caption oder der Bildunterschrift eingeführt werden, bitte?

    Antworten
    • 23. Dezember 2009, 11:40 Uhr, von Walter
      01.1

      Garage mit Kronleuchter? After dark.

      Der dunkelste Tag ist vorüber. Seit gestern geht es wieder zum Licht, ganz langsam, doch kontinuierlich.
      Zum Licht gehört der Schatten, den die Dinge und die Menschen werfen. In uns ist Licht und Dunkelheit zugleich. Daran hat auch die Aufklärung nichts geändert, sie hat uns die Gegensätze und Widersprüche nur umso bewusster werden lassen und uns klar gemacht, dass wir alle gleich sind, wenn auch alle anders.
      Alle anders, alle gleich.(alleandersallegleich.at)

      PS:
      Japaner sind schon anders: Konventionell und hadernd mit der Konvention.
      Ein japanischer Freund meinte selbstironisch er sei anders als die meisten seiner Landsleute, denn er habe seinen Nabel nicht in der Mitte.
      Wie Haruki Murakami?

      Antworten
  2. 23. Dezember 2009, 9:45 Uhr, von Noisa Gefällt 4 Lesern
    02

    Mit Poesie habe ich heute am 23. gerechnet. Und dann sowas. :))

    Antworten
    • 23. Dezember 2009, 10:23 Uhr, von Urs Bürgi Gefällt 6 Lesern
      02.1

      @ Noisalein,keep silent,wait until the Holy Night comes, dann wirst Du sehen: es ist ein sowohl, als auch, ein up and down, und medienerfahren, wie Sie ist, weiss Sie, how to handle it. “Morgen Kinder, wird’s was geben…”, ach’, zwei Seelen sind in meiner Brust, vielleicht auch mehr?, nein, die 24 Tage sind ein Spiegel von “black and white” und morgen wird alles gut. Wetten? Und vergiss’ nicht: das sollte kein “Wohlfühlkalender” sein, das schrieb Sie mir ja ins Poesiealbum, da hätten wir dann Lindt&Sprüngli nehmen sollen, oder den Whiskey-Kalender, den ich empfahl, hicks. Also: nimm’s leicht und morgen sind wir beide happy. Schliesslich wollte Sie für alle etwas haben und geben, und das ist Ihr doch gut gelungen, oder?

      Antworten
      • 23. Dezember 2009, 11:06 Uhr, von Noisa Gefällt 3 Lesern
        02.1.1

        Das ist ihr gelungen. :)) Ursula, Dein schöner Kommentar ist wieder was für mein Poesiealbum. ;) Liebe Ursula, entschuldige, ich bin heute etwas schreibfaul, muss den Hörer schwingen, mich für diverse Aufmerksamkeiten bedanken…

        In diesem Sinne sage ich auch Dank an all diejenigen lieben Menschen, die hier originelle, niveauvolle Kommentare posten (damit meine ich auch die Postings selbst :)), im virtuellen Austausch stehen, auch wenn es mitunter zu Reibungen kommt (@Fabien etc.), macht nix. Ich wünsche fröhliche Weihnachtsfeiertage, @allen!! :))

      • 23. Dezember 2009, 11:57 Uhr, von Urs Bürgi Gefällt 4 Lesern
        02.1.2

        Ach Noisa, was bisch wieder für e Verwöhnerli, hesch e liebs Härz, un nit nur an Wihnachtn. Bis morn, ciao.

    • 23. Dezember 2009, 13:05 Uhr, von Gabi Gefällt 4 Lesern
      02.2

      Poesie gibt` s erst morgen ; )

      Antworten
  3. 23. Dezember 2009, 9:53 Uhr, von Sarah
    03

    Durch die Diskussion im literarischen Quartett bin ich ebenso auf “gefährliche Geliebte” aufmerksam geworden. Seitdem genießt er einen “geliebt” Status. Murakami lässt eintauchen, die Phantasie beflügeln und schafft eindeutig inspirierende Gedankengänge. Zumindest bei mir.

    Eine tolle Buchempfehlung.

    Antworten
  4. 23. Dezember 2009, 11:04 Uhr, von heinzlfrau Gefällt einem Leser
    04

    “…..murakamis texte: so dunkel und schön, lustig und charmant..”
    zeitgenössische literatur mit ganz eigenem stil…brillant.

    Antworten
  5. 23. Dezember 2009, 11:20 Uhr, von Antje Gefällt 4 Lesern
    05

    Ganz zeitlos. “Globalisierung” vor 400 Jahren:

    All the World’s a Stage

    All the world’s a stage,
    And all the men and women merely players;
    They have their exits and their entrances,
    And one man in his time plays many parts,
    His acts being seven ages. At first, the infant,
    Mewling and puking in the nurse’s arms.
    Then the whining schoolboy, with his satchel
    And shining morning face, creeping like snail
    Unwillingly to school. And then the lover,
    Sighing like furnace, with a woeful ballad
    Made to his mistress’ eyebrow. Then a soldier,
    Full of strange oaths and bearded like the pard,
    Jealous in honor, sudden and quick in quarrel,
    Seeking the bubble reputation
    Even in the cannon’s mouth. And then the justice,
    In fair round belly with good capon lined,
    With eyes severe and beard of formal cut,
    Full of wise saws and modern instances;
    And so he plays his part. The sixth age shifts
    Into the lean and slippered pantaloon,
    With spectacles on nose and pouch on side;
    His youthful hose, well saved, a world too wide
    For his shrunk shank, and his big manly voice,
    Turning again toward childish treble, pipes
    And whistles in his sound. Last scene of all,
    That ends this strange eventful history,
    Is second childishness and mere oblivion,
    Sans teeth, sans eyes, sans taste, sans everything.

    William Shakespeare

    Antworten
  6. 23. Dezember 2009, 11:30 Uhr, von Anja Gefällt einem Leser
    06

    Ja, toller Autor! Naokos Lächeln ist eins meiner Lieblingsbücher

    Antworten
  7. 23. Dezember 2009, 12:15 Uhr, von Miranda Gefällt 3 Lesern
    07

    Die Nacht kann Schatten werfen, besonders wenn man den Schlaf sucht ihn aber nicht findet.
    Die Nacht kann aber auch magisch sein, und so schnell vegehen wenn man in einem spannenden Dialog beim Schreiben, Schneiden, kommunizieren,tanzen oder lieben ist.
    Zur Zeit leider verschlafe ich dann aber doch meist die spannendeste Zeit, ganz traditionell und gediegen…
    Habe neulich auf die New Yorker Web Cam bei TC Fridays geschaut, dort war es 4.00 Uhr morgens und in mir entstand auch ein kurzer Film über Leute die um 4.00 Uhr NY Zeit am Broadway herumlaufen…
    Fnde den Aspekt so spannend dass sich die Nacht nur ablöst und man ihr quasi hinterherreisen könnte…
    Wenn man doch dann besser bei Kasse wäre, wie ich ein Tag vor dem Fest…
    Tannenbäume sind inzwischen auch teuer, wie alles…
    Dass Bild finde ich auch klasse, will diesen Krtonleuchter für mein Weihnachtsdinner!

    Antworten
    • 23. Dezember 2009, 15:16 Uhr, von Katja Owl
      07.1

      @ Miranda “Finde den Aspekt so spannend dass sich die Nacht nur ablöst und man ihr quasi hinterherreisen könnte…”

      Genau damit spielt auch Jim Jarmusch in seinem sehenswerten Film “Night On Earth”, in dem er episodenhaft Geschichten erzählt, die sich in einer Nacht während Taxifahrten in Los Angeles, New York, Paris, Rom und Helsinki ereignen. Teils heiter, teils schräg, teils melanchonisch, sehr atmosphärisch.

      Und jetzt habe ich mich wieder nicht mit dem vorgestellten Buch auseinandergesetzt…aiaiai…mal sehen, vielleicht spricht mich die Empfehlung morgen an…;-)

      Antworten
  8. 23. Dezember 2009, 12:48 Uhr, von Ramona Gefällt 3 Lesern
    08

    Ich hab von Haruki Murakami bisher noch nichts gelesen, aber diese Buchempfehlung macht Appetit auf mehr.

    Ich möchte gleich die Gelegenheit nutzen und Euch ein schönes Weihnachtsfest wünschen.
    Ein Dankeschön an @alle, die hier im vergangenen Jahr tapfer mitdiskutiert haben und freue mich schon auf das, was im nächsten Jahr kommt.
    MM,vielen Dank für die tollen Postings, die für uns immer eine Herausforderung sind.:-))
    Ihnen und Ihrer Frau schöne und vor allem entspannende Feiertage.

    Antworten
  9. 23. Dezember 2009, 14:50 Uhr, von Nicole
    09

    Ich habe auch noch nichts von Haruki Murakami gehört. Deshalb habe ich ein wenig über diesen Schriftsteller gegoogelt und eine inoffizielle HP gefunden, eine Hommage an ihn. http://www.haruki-murakami.info/

    Antworten
    • 23. Dezember 2009, 14:51 Uhr, von Nicole
      09.1

      …den Link habe ich übrigens wieder nicht eingegeben, wenn man auf meinen Namen klickt. Nicht dass es wieder einen riesen Aufschrei gibt…

      Antworten
  10. 23. Dezember 2009, 16:34 Uhr, von Anja V Gefällt einem Leser
    010

    Hab ich auch gelesen. Aber seit “Kafka am Strand” hat mich von ihm nichts mehr so sehr beeindruck wie ebend das.
    Zu “after dark passend” ist Banana Yoshimoto “Kitchen” (englisch sprachige Ausgabe!).

    Antworten
  11. 23. Dezember 2009, 17:45 Uhr, von Cate
    011

    Super, die Besitzerin des Zimmers, in dem ich gerade zur Zwischenmiete wohne, hat das ganze Bücherregal voll Murakami. :o)
    (Überhaupt fand ich in ihrem Bücherregal Einiges hier schon vorgestelltes, z.B. Paul Coelho – wirklich tolles Buch! – Wie praktisch ist das denn?!)

    Antworten
  12. 23. Dezember 2009, 18:53 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
    012

    Nacht – schon immer eine magische Zeit. Dann, wenn die Strukturen des Tages verschwimmen und Konturen der Menschen zum Vorschein kommen. Wenn das Korsett, das im (Schein-Werfer)Licht angelegt wird sich löst. Wenn Sein den Schein ablöst. Manchmal grell-brutal in Neon.

    Liebe, Begehren, Gewalt, Verzweiflung pur. Auch Inspiration, Kreativität, Phantasie. Wer weiß nicht um die Stunden zwischen 2 und 4? Und dann die Stunde zwischen 5 und 6, wenn der neue Tag bewußt wird…

    Hommage an die Nacht:

    http://www.dailymotion.com/video/x7y1m_jean-jaques-goldman-nuit

    Nacht ist nicht romantisch. Sie hat scharfe Ränder. Wie eine gute Freundin sie hat.

    Antworten
    • 23. Dezember 2009, 18:59 Uhr, von Mafalda
      012.1

      P.s.: “Am I free or forsaken? Cheated or awakend? Does it matter anyway?” ist eine meiner Lieblingstexzeilen des Liedes.

      P.p.s.: Und die Antworten sind immer wieder anders ;-)

      Antworten
  13. 23. Dezember 2009, 20:44 Uhr, von Larah Gefällt einem Leser
    013

    Ich hoffe das Christkind bringt mir die erwünschte Zeit, die man zum lesen braucht .. :-)

    Allen ein frohes Weihnachtsfest, mache mich mich jetzt auf zu den Bayern, um die Familie mal wieder zu sehen.

    Antworten
  14. 23. Dezember 2009, 21:15 Uhr, von PP Gefällt einem Leser
    014

    noch eine musikalische Beigabe zum Thema

    “Kein Tag ist sicher vor der Nacht”

    http://www.youtube.com/watch?v=dixDu4nTPgc

    Antworten
  15. 23. Dezember 2009, 21:32 Uhr, von Tanja
    015

    Liebe Frau Meckel,

    vielen Dank für die tollen Buch-Tipps.
    Das Christkind hat mir und meiner Partnerin ein tolle Reise in die weite Ferne geschenkt,dass ein oder andere Buch ist schon eingepackt.

    Werden uns vieeeel Zeit für die 3 LLL nehmen…

    Leben,lieben und lesen.

    Ihnen und Ihrer Partnerin eine besinnliche Weihnachtszeit und ein “liebenswertes” 2010….

    Hasta Pronto…..

    Antworten
  16. 23. Dezember 2009, 21:48 Uhr, von Siegmund
    016

    @ Cate: Das ist sehr praktisch :nicken:

    Antworten
  17. 23. Dezember 2009, 23:43 Uhr, von Alex
    017

    “even in the darkness”

    “All of us live in our own world. But if you look at the starred sky, you will see that all these different worlds get together, forming constellations, solar systems, galaxies.” Paulo Coelho

    to the Christmas of all!!

    You are a love. You are a hope. You are a faith.
    You are a happiness.
    You are a beginning of Redemption.
    You are a stage of our history of Salvation.
    You are a meeting with Christ, Child.
    You are a conversion and renewal.
    You are an interior peace.
    You are a new life.
    You are a way that is opened for the time
    and for the eternity.
    You are true that it feeds on the Love.
    You are a life that comes to fruition and matures,
    without always stopping being born.

    Happy Christmas!
    your friend

    Antworten
  18. 24. Dezember 2009, 1:44 Uhr, von Fran Gefällt 2 Lesern
    018

    Frau Meckel, ich wollte vor Weihnachten noch schnell danken, dass Sie sich die Mühe machen. Ich lese Ihren Blog unheimlich gern und finde die Adventskalenderidee ganz reizend!
    herzlich -

    Antworten
  19. 24. Dezember 2009, 3:45 Uhr, von stefan
    019

    will mich fran anschließen ,http://www.youtube.com/watch?v=FJPm2S05zek

    Antworten
  20. 18. März 2010, 19:18 Uhr, von Christina
    020

    Sehr schöne kritik, frau meckel.
    wird dem buch und dem autor gerechter als 15 minuten unsägliches gelaber im literarischen quartett. sie sollten darüber nachdenken, öfter kritiken zu schreiben!

    Herzliche Grüße!

    Antworten
  21. 18. März 2010, 19:28 Uhr, von Christina
    021

    Noch ein wort zum “hirnerweichenden vögeln”.
    Soweit ich mich erinnere, entspann sich der eklat um frau löffler daran, dass diese nicht einsehen wollte, warum das buch nach meinung von ranicki “hocherotisch” sein sollte. Sie zitierte eben diese Stelle und konnte daran nicht viel erotisches finden.
    Ich halte das schlicht für geschmacksache, ob “hirnerweichendes vögeln” nun hocherotisch ist ober eben einfach animalisch. den roman als ganzes halte ich jedoch weniger für erotisch, eher schon für romantisch in einem ganz spezifischen sinn.

    Antworten


© Miriam Meckel 2002 bis 2010