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7. März 2015, 10:13 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Macht der Moneten

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Frauen erzielen höhere Renditen und bessere Ergebnisse. In Führungspositionen fehlen sie weiterhin. Deshalb ist die Quote richtig.

Der Satz sitzt. „Wir können es uns nicht leisten, auf die Kompetenz der Frauen zu verzichten.“ So begründete Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Deutschen Bundestag die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote. Vermutlich spielte die Kanzlerin mit ihren Worten in erster Linie auf die gesellschaftliche Situation an: Ein Land wie Deutschland sollte sich im Spiegel der internationalen Konkurrenz schämen, wenn Frauen im Jahr 2015 nur 18,9 Prozent der Aufsichtsratsposten oder gar nur 5,7 Prozent der Vorstandsposten in Unternehmen haben.

Deutschland hat nicht nur viele Weltmarktführer. Die soeben veröffentlichte Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton zeigt auf Basis einer Befragung von 5400 Führungskräften mittelständischer Unternehmen in 35 Ländern: Deutschland ist auch Weltmarktführer, und zwar in mangelnder Chancengleichheit für Frauen in der Wirtschaft. Bei der Diskriminierung in Unternehmen liegt Deutschland auf Platz eins. 47 Prozent der Befragten finden, dass Frauen im jeweiligen Unternehmen diskriminiert werden. Bei den Aufstiegshürden für Frauen in Unternehmen konkurrieren wir übrigens mit Nigeria.

Es gibt noch immer Manager, Führungskräfte und Politiker, die glauben, sich das leisten zu können. Spätestens ein Blick auf die Zahlen sollte sie eines Besseren belehren. Bereits vor Jahren hat eine Auswertung der Unternehmensberatung McKinsey gezeigt: Auf die Frauen kommt es an. Unternehmen mit hohem Frauenanteil in den Top-Positionen erzielen im Vergleich zum Branchensektor eine höhere Kapitalrendite, ein besseres Betriebsergebnis und einen besseren Aktienkurs. Doch die Beharrungskräfte, in Deutschland oft als Erfolgsrezept des Wirtschaftsstandorts gelobt, lassen sich offenbar auch vom Blick in die Kasse nicht irritieren.

Lieber eine schlechtere Performance als mehr Frauen in Führungspositionen? Das mag eine besonders trickreiche Raffinesse antizyklischer Strategie sein. Verständlich ist es nicht. Akzeptabel auch nicht.

Es ist daher gut, dass börsennotierte Unternehmen dem Einfluss und Druck ihrer Anteilseigner ausgesetzt sind. Die wollen nämlich ohne Einschränkung zwei Dinge sehen: Erfolg und Geld. Auch für die Finanzbranche zeigt sich der Trend zum weiblichen Rendite- und Dividendenplus inzwischen deutlich. Frauengeführte Unternehmen schneiden besser ab. Je mehr Frauen ins Top-Management einziehen, desto höher die Eigenkapitalrendite.

Ein Grund: Frauen sind weniger risikofreudig. Was in der Halligalli-Zeit der Zweitausenderjahre an der Wall Street und in der Londoner City den Herren lediglich ein müdes Lächeln auf die Lippen zauberte, bringt Anleger heute zum Strahlen. Indem Frauen beim Aktienhandel weniger Risiken eingehen, verhindern oder mäßigen sie Preisblasen.

Wir können es uns nicht leisten, auf die Kompetenz der Frauen zu verzichten. Da hat Angela Merkel recht. Gesellschaftlich nicht, aber vor allem auch ökonomisch nicht. Bei aller Aufregung um die Frauenquote ist doch eines interessant: Es gibt genügend Hinweise aus den Märkten, dass Frauen zur Diversität in der Unternehmensführung dazugehören, ja, dass diese Diversität ein Gebot ökonomischer Vernunft ist. Trotzdem tut sich fast nichts. Schlägt die Angst vor Machtverlust gar die Aussicht auf mehr Gewinn? Macht statt Moneten?

Adam Smith hat auf die Kräfte des freien Marktes vertraut. In der Frauenfrage steckt die unsichtbare Hand leider schon zu lange geballt in der Hosentasche der Anzugträger und hält manchmal auch die Türen zur Chefetage von innen zu. Jetzt kommt die Regulierung.

Die Frauenquote ist – wie jede Quote – ordnungspolitisch fragwürdig. Trotzdem ist sie – zeitlich begrenzt – richtig. Alles andere können wir uns nämlich nicht leisten.

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