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15. April 2015, 13:29 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Zündeln am Pulverfass

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Ohne politische und ökonomische Diversifikation bleiben der Nahe und Mittlere Osten ein Krisenfeld – unabhängig von der Iran-Frage.

Nach zwölf Jahren schließt sich im omanischen Maskat ein Kreis. Hier haben Abgesandte aus Teheran und Washington 2003 die Verhandlungen zum iranischen Atomabkommen angebahnt. Hier residiert Sultan Qabus ibn Said al-Said, der Mann, der 2015 als Mediator wesentlich dazu beigetragen hat, den nächsten Schritt möglich zu machen: die Beschränkung der iranischen Urananreicherung auf zivile Nutzung.

In Oman laufen viele Fäden zusammen, wenn es darum geht, zwischen den schwer divergierenden Interessenlagen im Nahen und Mittleren Osten zu vermitteln oder – wieder einmal – gegenzusteuern, wenn Konflikte zu eskalieren drohen. Das Land mit Grenzen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Jemen hat kaum eine andere Wahl: Was immer in der Region geschieht, betrifft seine Zukunft. Als Mitglied des Golf-Kooperationsrats ist Oman eine Schweiz des Orients: stets um Interessenausgleich bemüht.

Politisch und ökonomisch streiten seit Langem zwei Golfstaaten um die Vorherrschaft in der Region: Iran und Saudi-Arabien. Sollte der Atomdeal des Westens mit Iran nun gelingen, fallen die Sanktionen gegen das Land. Oman könnte sich als Handelszentrum zwischen Iran und anderen Ländern profilieren. Es wäre eine sehr lukrative Achse des Ausgleichs.

Die Hoffnungen in das Nuklearabkommen mit Iran sind also groß. So groß, dass sie fast nur enttäuscht werden können. Sicher, wenn die Aushandlung der „technischen Details“ durch die Diplomaten, wie US-Präsident Barack Obama sie nun angekündigt hat, gelingen sollte, ist wirklich etwas erreicht. Wenn der Deal nicht vor Abschluss am Widerstand Israels scheitert. Wenn Iran sich wirklich an die Vorgaben hält. Das sind viele Wenns für die Lösung nur eines einzigen Problems in einer Weltregion, die reich an Problemen ist.

Der Nahe und Mittlere Osten bleiben ein Pulverfass, auf dessen Kante größere Teile der Welt hocken und dessen Explosion die Zentren der Weltwirtschaft treffen würde.

Da die meisten Länder der Region von einzelnen Herrschern und Familienclans gesteuert werden und eine Trennung von Staat und Religion vermissen lassen, sind die Voraussetzungen für den notwendigen Wandel schlecht. Vor allem die Auseinandersetzung zwischen Schiiten und Sunniten sorgt für Spannungen. Im Jemen köchelt seit mehr als 20 Jahren der Konflikt zwischen sunnitischen Fundamentalisten und schiitischen Zaiditen, aus denen sich die Huthis formiert haben. Inzwischen ist daraus ein Krieg geworden, an dem sich Saudi-Arabien beteiligt, um seine Machtstellung in der Region zu behaupten und die USA im Kampf gegen die verhassten Schiiten zu unterstützen. Der schiitische Iran hingegen unterhält eine Luftbrücke nach Sanaa, um die Huthis zu unterstützen, und schickt nun auch Kriegsschiffe in den Golf von Aden.

Die Staaten der Golfregion leben fast alle von einem Geschäftsmodell, und das heißt: Öl. Solange das Rohöl zu 100 Dollar oder mehr pro Barrel gehandelt wurde, hat das blendend funktioniert. Seit der Ölpreis drastisch gefallen ist, bröckeln die Einnahmen. Auch Oman schreibt im laufenden Jahr mit 6,5 Milliarden Dollar das größte Defizit in der Geschichte des Landes.

So wie Anleger in der Finanzkrise haben lernen müssen, dass nur Diversifikation vor dem Totalausfall schützt, werden dies die Staaten des Mittleren Ostens lernen müssen. Oman macht seit dem Jahr 2000 zarte Versuche, aus der Petrochemie neue Industrien zu entwickeln, um Einnahmequellen, Arbeitsmarkt und Handelsbeziehungen breiter aufzustellen.

Die Vermittlerrolle des Sultans in der Region passt zu dieser Strategie. Sollte das Nuklearabkommen im Juni final unterzeichnet werden, hat er geholfen, eine Zeitbombe in der Region zu entschärfen. Eine zweite Bombe aber liegt in Oman selbst: Der Sultan ist schwer krank, und es gibt keinen designierten Nachfolger. Diversifikation heißt auch, zugunsten von Stabilität frühzeitig Macht zu teilen.

wiwo.de

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