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25. September 2016, 22:46 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

90 Jahre WirtschaftsWoche

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Es hat Vorteile, älter zu werden. Ehrlich. Nicht alles geschieht mehr zum ersten Mal. Und das, was geschieht, lässt sich ein – ordnen, einbetten in einen Fundus an Erfahrung. Wer mit dem Älterwerden nicht dem Starrsinn zum Opfer fällt, der ist ein wunderbarer und inspirierender Gesprächspartner für andere. Er kennt die Fakten und Positionen, kann erfrischende und entlarvende Anekdoten beitragen. Wenn es gut läuft, fördert Zeit die Urteilskraft.

Als unsere Leserinnen und Leser dürfen Sie also Ansprüche an uns stellen. Denn die WirtschaftsWoche, in die Welt gekommen als „Der deutsche Volkswirt“ am 1. Oktober 1926, feiert nun ihren 90. Geburtstag. Zugegeben: Nicht jeder von uns in der Redaktion war von Anfang an dabei. Genau genommen keiner. Aber von allen, die mal an Bord waren, ist etwas geblieben: eine Geschichte, ein Kommentar, ein Stück Arbeit daran, die Welt der Wirtschaft verständlicher und damit uns alle ein bisschen klüger zu machen.

Unser Leitsatz heute lautet: „So verstehen wir Wirtschaft.“ Und in dem „so“ steckt eine echte Aufgabe. Denn „so“ einfach ist das alles nicht. Kann man das Zusammenspiel der Weltwirtschaft in drei Sätzen erklären? Wohl kaum. Ist es einsichtig, dass wir neuerdings dafür zahlen sollen, Geld auf die Bank zu legen? Schwerlich. Wer weiß, nach welchen Regeln die Algorithmen im Internet den Marktplatz der Meinungen bestücken? Nur wer die neue globale Sprache der Programmiercodes gelernt hat. Wir ringen Woche für Woche in der Redaktion um die richtigen Antworten, die verständlichen Einordnungen und die relevanten Themen der Zukunft. Und weil kaum jemand Lust und Zeit hat, sich das alles selbst zusammenzusuchen, sind wir überzeugt, dass nicht nur viele Jahrzehnte hinter, sondern auch ebenso viele vor uns liegen.

Wirtschaftsjournalismus, das ist die Gebrauchsanleitung für alle diejenigen, die unternehmerisch denken und leben. Für diese Ausgabe haben wir viele herausragende Persönlichkeiten gewinnen können, einmal anders auf die Wirtschaft zu schauen. So diskutieren Bundeskanzlerin Angela Merkel und Trumpf-Chefin Nicola Leibinger- Kammüller die Werte des Unternehmertums. Die Exminister Peer Steinbrück, Rainer Brüderle und Karl-Theodor zu Guttenberg streiten über Managerboni und was eigentlich vom Amt des Wirtschaftsministers übrig blieb. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Seriengründer Oliver Samwer entdecken sogar Gemeinsamkeiten.

Unser 90. Geburtstag ist gleichzeitig Geburtsstunde des WirtschaftsWoche Clubs – eine unserer Antworten darauf, wohin die Reise für ein bewegliches Medium und seine Nutzer in den nächsten Jahren geht. Im Club treffen Sie die Menschen, über die Sie sonst bei uns lesen, machen sich live und in Farbe ein Bild von der Arbeit der Redaktion und diskutieren mit über die wichtigsten wirtschaftlichen Themen unserer Zeit. Früher war übrigens nicht alles besser. Um sich den „Volkswirt“ leisten zu können, musste der Durchschnittsdeutsche 1926 noch eine Stunde und 16 Minuten arbeiten, heute sind es für eine Ausgabe WiWo nur noch 19 Minuten.

Danke für die Zeit, die Sie uns schenken. Und wenn Sie mit uns zusammen noch ein bisschen älter werden wollen: Wir wären dabei.

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