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17. März 2017, 10:01 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Der nächste Maschinensturm

Roboter werden nicht massenhaft Arbeitsplätze in den Industrieländern vernichten. Die Ungleichheit könnten sie dennoch befördern.

Gleiches muss gleich behandelt werden. Das ist die Maßgabe, die gute Wirtschaftspolitik leiten sollte, um allen dieselben Entwicklungs- und Aufstiegschancen zu eröffnen. Vielleicht war es dieser Gedanke, der Microsoft-Gründer Bill Gates zu der Forderung veranlasst hat, Roboter müssten besteuert werden. „Wenn der Roboter das Gleiche macht wie ein Mensch, muss er auch genauso besteuert werden“, sagte Gates in einem Interview. In Deutschland wurde er dafür gefeiert und erntete ansonsten eine Welle des Widerstands.

Es ist gängige Meinung, dass Roboter bald Millionen von Arbeitsplätzen weltweit verschwinden lassen werden. Das selbstfahrende Auto macht Lkw-, Taxi- und Lieferdienstfahrer arbeitslos, der operierende Roboter den Arzt und der Bot den Mitarbeiter im Callcenter. Die Annahme ist eingängig und doch grundfalsch. Mit dem technologischen Fortschritt werden sich Tätigkeiten und Berufsbilder verändern, aber sie werden nicht gleich verschwinden. Ist es denn ein Traumberuf, tagelang am Steuer zu sitzen und auf die Straße zu starren, stundenlang mit nörgeligen Kunden am Telefon über Gebrauchsanweisungen zu diskutieren? Kaum auszudenken, was man alles erledigen könnte, wenn diese Tätigkeiten weitgehend automatisiert vonstatten gingen.

In jedem Fall kann intelligente Technik menschliche Arbeitsbedingungen verbessern. Besteuern wir sie, geschieht das langsamer oder gar nicht. Längst gibt es auf der Welt ein Überangebot an Arbeitskraft. Werden die Roboter besteuert, beginnt damit ein Rattenrennen zwischen Mensch und Maschine, das sich langfristig negativ auf die Entlohnung menschlicher Arbeit auswirken wird.

Technologische Innovation ist kein Nullsummenspiel. Nicht jeder Job wird erhalten werden oder sich gleichermaßen weiterentwickeln. Aber kann denn das überhaupt das Ziel sein? Dann säßen wir heute noch an Webstuhl und Dampfmaschine. Deutschland setzt dreimal so viele Roboter pro Arbeitsstunde ein wie die USA. Und dennoch hat Deutschland in 15 Jahren nur 19 Prozent seiner Industriearbeitsplätze verloren, die USA hingegen 33 Prozent. Die Gleichung mehr Roboter gleich weniger Industriearbeitsplätze geht also nicht auf.

Zugegeben: Hier spielen viele Faktoren hinein, die Kurzschlüsse verbieten. Es gibt beispielsweise gute Gründe für die Befürchtung, durch Roboter könnte die Ungleichheit wachsen. Das geschieht, wenn – kurz gesagt – durch billige Arbeitskraft der Automaten die Lohnquote sinkt und die Kapitalquote steigt. Will man dagegen etwas tun, muss man Kapitaleinkünfte höher, Lohneinkünfte niedriger besteuern. Roboter sollen uns nicht ersetzen, sondern die menschlichen Fähigkeiten unterstützen und erweitern. Sie sind Hilfsmittel zur Verbesserung menschlicher Arbeitskraft und können so für den lang ersehnten Produktivitätszuwachs sorgen. Als Mittel, nicht als Zweck. Ungleiches muss also ungleich behandelt werden. Menschen sollten Roboter steuern, nicht besteuern.

wiwo.de

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