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6. Mai 2017, 18:52 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Business Feminismus?

Gruppenselfie mit (von links unten im Uhrzeigersinn) Kanadas Außenministerin Crystia Freeland, Familienministerin Manuela Schwesig, IWF-Chefin Christine Lagarde, Königin Maxima der Niederlande, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Nicola Leibinger-Kammüller (Trumpf), Ivanka Trump, Anne Finucane (Bank of America), MM

Wer Feminismus über wirtschaftlichen Erfolg definiert, nimmt angeblich die Gleichberechtigung nicht so ernst. So ein Quatsch.

Das war ein Moment für die Ewigkeit. Der Augenblick, als Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Bühne eines Berliner Hotels vor Hunderten Gästen des W20-Gipfels ins Stocken geriet. Auslöser war die Frage, ob sie sich selbst als Feministin bezeichnen würde. Es hat dann ein paar Wortrunden gedauert, bis eine Annäherung stattfand zwischen der Bundeskanzlerin und dem Begriff. Es war der Beginn einer Freundschaft, gespickt mit Resten an Misstrauen. Zumindest wollte die Kanzlerin die Frage mit nach Hause nehmen „ob ich Feministin bin oder nicht“.

Diese Frage muss jede Frau und jeder Mann für sich beantworten. Wer für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Frau eintritt und diese Überzeugung nicht vor der Umwelt verheimlicht, darf sich so nennen. Dass manch eine(r) davor zurückschreckt, hat wenig mit dem Wort, aber viel mit den Schubladen zu tun, in denen Gedachtes manchmal gerne abgelegt wird. Kleinliche Auslegeordnungen aber haben noch nie weit geführt.

Es war richtig, dass sich die Runde mit Kanzlerin, IWF-Chefin Christine Lagarde, Ivanka Trump und anderen auf Frauen und Unternehmertum konzentriert hat. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Nur jedes zehnte Start-up in Deutschland wird von einer Frau gegründet. Weltweit sind 70 Prozent der von Frauen gegründeten Unternehmen unterfinanziert, weil die Gründerinnen keinen Zugang zu Krediten und anderen Finanzierungsmöglichkeiten haben. Und wären Frauen endlich im gleichen Umfang wie Männer erwerbstätig, unser weltweites Bruttosozialprodukt könnte bis 2025 um 28 Billionen Dollar wachsen. Wenn aus der W20- Runde nun also ein Fonds zur Förderung von Unternehmerinnen in Entwicklungsländern hervorgehen soll, dann ist das zumindest schon mal ein konkreter Ansatz.

Es ist aber aus der Runde mit der Kanzlerin flugs ein neuer Begriff entstanden, mit dem wir jetzt offenbar zwischen dem guten, richtigen und dem falschen, bösen Feminismus unterscheiden lernen sollen. Business-Feminismus heißt das neue Schmähwort, und es trifft alle, die Frauen auch zum Wachstumsmotor der Wirtschaft machen wollen. Da könnte ich dann doch ein bisschen sauer werden: Wie sonst, bitte, soll es gelingen, Frauen die gleichen Chancen und Möglichkeiten zu bieten, als dadurch, ihnen Rahmenbedingungen für Unternehmertum zu schaffen. Und zwar alles, was dazugehört: Bildung, Kinderbetreuung, Kapital und so weiter. Das bringt Wachstum, volkswirtschaftlich und ganz individuell.

Am eigenen unternehmerischen Tun wächst ein Mensch ungemein. Um das zu erkennen, muss man keine Feministin sein. Das schafft man als Realistin. Als solche erkennt man auch leicht, dass Begriffe, wie Menschen, mit der Zeit gehen. Der Feminismus hat mal mit „mein Bauch gehört mir“ angefangen. Wir dürfen den Bedeutungsraum getrost ergänzen. „Mein Unternehmen gehört mir“ zählt heute zum Repertoire derer, die sich Feministinnen nennen.

 

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