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14. Juli 2017, 14:17 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Inszenierung der Zerstörung

Die Gewalt bei G20 ist mit nichts zu rechtfertigen. Sie gehört geahndet. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Oder doch?

Wer einmal live erleben wollte, wie sich Bürgerkrieg anfühlt, wurde am Wochenende in Hamburg gut bedient. Und darum ging es den menschlichen Steinschleudern und Brandbeschleunigern.

Kapitalismuskritik? Lächerlich. Da wird ein Apple-Store geplündert, und die Randalierer verticken die iPhones auf Ebay. Wie hieß es auf der linksradikalen Website Indymedia am 29. Juni 2016: „Wir träumen nicht, das Bestehende zu verändern, uns genügt, wenn wir es brennen sehen.“ Gewalt um der Zerstörung willen. Von politischen Konzepten hat sich dieser „Widerstand“ seit Langem verabschiedet. Es geht nicht um Weltverbesserung, sondern um Zerstörung und deren Inszenierung.

Und dabei haben die Randalierer mit manch einem G20-Gast etwas gemein. Die Show, die der türkische Präsident Erdogan, der russische Präsident Putin und US-Präsident Trump in Hamburg abgezogen haben, spottet einem modernen politischen Selbstverständnis. Protzerei, Machtgehabe und unerträglicher Narzissmus prägten das Bild. Der türkische Präsident kassiert mal eben in einer letzten Pressekonferenz den hart errungenen Minimalkompromiss beim Klimaschutz, den er zuvor selbst unterzeichnet hat.

Wladimir Putin räumt nach einem Geheimtreffen mit Donald Trump locker die Vermutung ab, Russland habe die amerikanischen Wahlen zu manipulieren versucht, derweil zeitgleich in den USA neue Belege fürs Gegenteil auftauchen. Und Donald Trump? Der mäandert durch diesen Gipfel wie eine mit Helium gefüllte Persiflage von Ludwig XIV. Zu den Errungenschaften des Gipfels fällt diesem Mann im Nachgang nichts ein. Stattdessen twittert er ein schlecht zusammengehacktes Video mit Bildern, auf denen immer nur einer zu sehen ist: er selbst.

Das ist übelste Form der Symbolpolitik. Sie steht dafür, wie Politik sich wandelt in ihrem Selbstverständnis. Weg von Modernität, Offenheit und Marktorientierung, hin zu Nepotismus, politischem Durchgriff und Protektionismus. Inszenierung um der Zerstörung willen.

Auf der Strecke bleibt, was die Bundesregierung in langfristigem Bemühen als zivilgesellschaftlichen Begleitprozess der G20 organisiert hat. Europas Idee vom politischen und wirtschaftlichen Multilateralismus wird zum Sidekick für die große Show der neuen Nationalisten degradiert. Und dafür bietet die G20-Inszenierung leider auch noch die richtige Bühne. Damit muss nun Schluss sein. Wer als Staatschef, wie der chinesische Präsident, nicht ohne eine 1000-Mann-Delegation verhandeln kann, soll zu Hause bleiben.

Vielleicht muss sich die Politik an der Stelle mal die Wirtschaft zum Vorbild nehmen: Die großen Deals entstehen nie aus großer Inszenierung, sondern durch lange, dezente, bilaterale Verhandlungen auf höchster Ebene. G20 als Prozess hat Sinn. Die Bilder eines inhaltlich mageren Gipfels haben Hunderte Millionen gekostet. Sie zeigen die neue Normalität: Stein um Stein auf der Straße. Zahn um Zahn am Verhandlungstisch.

wiwo.de

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