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	<title>Miriam Meckel &#187; Allgemein</title>
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	<description>Hier habt Ihr die Gelegenheit, Eure Gedanken loszuwerden und neue Ideen in den Webdiskurs einzuspeisen. Für meine Studentinnen und Studenten soll dieser Blog die Gelegenheit bieten, sich untereinander und mit mir auch außerhalb von Vorlesungen und Seminaren auszutauschen. Aber er ist auch eine offene Plattform für alle, die gerne mitreden und dabei auch etwas zu sagen haben.</description>
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		<title>Meinungsfreiheit als Zumutung?</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 15:03:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Foto Freiheit ist eine Zumutung. Sie ist kompliziert und keineswegs selbstverst&#228;ndlich, und sie bleibt auch nicht von selbst, wenn einst erreicht. Das gilt f&#252;r das digitale ebenso wie das analoge Leben. Und ganz besonders f&#252;r die Meinungsfreiheit. Von der ist auch gedeckt, dass sich Politiker mit von Kenntnis weitgehend ungetr&#252;bten Ansichten in martialischer Sprache &#252;ber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/02/iStock_000002980229Small.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-1768" title="iStock_000002980229Small" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/02/iStock_000002980229Small-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a></p>
<p><a href="http://tinyurl.com/7y3m4v8" target="_blank">Foto</a></p>
<p>Freiheit ist eine Zumutung. Sie ist kompliziert und keineswegs selbstverst&#228;ndlich, und sie bleibt auch nicht von selbst, wenn einst erreicht. Das gilt f&#252;r das digitale ebenso wie das analoge Leben. Und ganz besonders f&#252;r die Meinungsfreiheit. Von der ist auch gedeckt, dass sich Politiker mit von Kenntnis weitgehend ungetr&#252;bten Ansichten in martialischer Sprache &#252;ber mediale Schlachtordnungen &#228;u&#223;ern und dar&#252;ber, wie das Netz die b&#252;rgerliche Gesellschaft bedrohe. Auch das muss gesagt werden d&#252;rfen, ganz im Sinne des immer noch eindrucksvollen Satzes von Rosa Luxemburg: &#8220;Freiheit nur f&#252;r die Anh&#228;nger der Regierung, nur f&#252;r Mitglieder einer Partei - m&#246;gen sie noch so zahlreich sein &#8211; ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“</p>
<p>In Sachen Internet hat man gelegentlich den Eindruck, der Satz gelte nicht mehr. Er sei abgel&#246;st worden durch eine Bush-Doktrin 2.0 f&#252;rs Web: Mach keinen Unterschied zwischen einem verirrten Einzelnen und seiner Partei. Mach auch keinen zwischen einer &#196;u&#223;erung und der Plattform auf der sie stattfindet. Bek&#228;mpfe immer beides. Der gelassene Umgang mit geistigem Unsinn wird zur verbissenen Schlammschlacht, der Austausch von Argumenten zur bin&#228;ren Konfrontation. 0 oder 1. Ich kann nur f&#252;r oder gegen das Internet sein. F&#252;r das Internet zu sein, reicht als politisches Programm.</p>
<p>Die Parteien, die sich in dieser Konfrontation gegen&#252;berstehen, sind klar abgegrenzt: Auf der einen Seite die Politiker der alten analogen Welt mit ihren Regulierungsw&#252;nschen und -ans&#228;tzen. Auf der anderen Seite die Netzgemeinde, deren Glaubenss&#228;tze f&#252;r die neue digitale Welt inzwischen zuweilen im Wortsinne religi&#246;se Z&#252;ge annehmen. Das hat durchaus Tradition. John Perry Barlow, einer der fr&#252;hen Internetaktivisten, hat schon auf dem World Economic Forum in Davos 1996 gesagt: „Regierungen der industrialisierten Welt, ihr m&#252;den Giganten aus Fleisch und Stahl, lasst uns allein. Ich erkl&#228;re den weltweiten Gesellschaftsraum, den wir aufbauen, als unabh&#228;ngig von der Tyrannei, die ihr uns auferlegen wollt.“</p>
<p>Heute haben wir den weltweiten Gesellschaftsraum, von dem Barlow sprach. Die Regierungen der industrialisierten Welt haben dort wenig zu melden, es sei denn, sie engagieren sich, wie die Volksrepublik China, in der Zensur der Inhalte, um ihre B&#252;rger zu unterdr&#252;cken. Das Fundament f&#252;r diesen Raum sind die Server von Google, Facebook, Amazon. Der weltweite Gesellschaftsraum ist eine US location base. Seine virtuelle Infrastruktur, die unser aller Leben bestimmt, wird in den USA angelegt und betrieben. Von der „Tyrannei“ einiger weniger globaler Konzerne aus den USA, die uns ihre Bedingungen f&#252;r ein Leben im weltweiten Gesellschaftsraum aufdr&#252;cken, ist bislang kein historisches Zitat &#252;berliefert.</p>
<p>Es g&#228;be also Themen, die unter dem Schutz der Meinungsfreiheit kontrovers diskutiert werden m&#252;ssten – analog wie digital. Und es g&#228;be viele Argumente, die eine politische Auseinandersetzung lohnten. Dazu br&#228;uchte es eine echte politische Debatte, der zwischen Netzgemeinde und externer Welt stattf&#228;nden, nicht zwei selbstreferentielle Diskurse, die sich zur Verst&#228;rkung der eigenen &#220;berzeugungen in Angriffen auf die Aliens der jeweils anderen Welt ersch&#246;pfen.</p>
<p>Die Protestwelle um die US-Regulierungen SOPA und PIPA zum Schutz geistigen Eigentums hat gezeigt, wie stark die Netzcommunity geworden ist und wie einflussreich sie agieren kann. So sieht sie aus, die Weiterentwicklung der Demokratie in Zeiten von Social Media und Crowdsourcing. Niemand wird dieses Rad zur&#252;ckdrehen, und das ist gut so. Wenn Menschen ohne technische und rechtliche Zugangsh&#252;rden ihre Meinung zu politischen Fragen kundtun k&#246;nnen, ist immer etwas Gutes f&#252;r die Demokratie erreicht. Mit Einschr&#228;nkungen dieser M&#246;glichkeit und der mit ihr verbundenen fundamentalen Rechte m&#252;ssen wir vorsichtig umgehen. Wenn eine Ma&#223;nahme nicht notwendig und angemessen ist, darf es keine Regulierung geben. Zensurla l&#228;sst gr&#252;&#223;en.</p>
<p>Das bedeutet aber nicht, dass es gar keine Diskussion &#252;ber Regulierung mehr geben darf. Wer glaubt, dass Freiheit im Internet sich allein aus den Marktkr&#228;ften ergibt, glaubt an die Freiheit von Google, Facebook und Amazon. Er glaubt nicht an die Freiheit des Einzelnen und sein Recht auf Meinungs&#228;u&#223;erung, Pers&#246;nlichkeitsschutz, Privatsph&#228;re und Eigentum. Wir m&#252;ssen uns fragen, wie die digitale Infrastruktur unseres Leben aussehen soll, damit alle Freiheiten gesichert werden, von denen der Einzelne ebenso profitiert wie die Gesellschaft im Ganzen. Sich den Detailfragen der Sicherung von Freiheit im und f&#252;r das Netz zu widmen, ist schon Zumutung genug. Es lohnt nicht, sich im Angriff Andersdenkender zu ersch&#246;pfen.</p>
<p>[Handelsblatt vom 2. Februar 2012]</p>
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		<title>Der theoretische Pr&#228;sident</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 09:26:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Foto, Text siehe auch taz, 7. Januar 2012 Seit Tagen kursiert im Netz ein Video des Komikers Oliver Kalkofe, in dem er die „wahre Presseerkl&#228;rung“ des Bundespr&#228;sidenten abgibt. Das kleine vorweihnachtliche Kabarettst&#252;ckchen greift typische Formulierungen Christian Wulffs auf und macht aus ihnen mit kleinen Ver&#228;nderungen eine Lachnummer. Doch ein Satz ist programmatisch. Er lautet: „Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/01/wulff_charakterlos630x354.jpg"><img class="size-medium wp-image-1750 alignnone" title="wulff_charakterlos630x354" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/01/wulff_charakterlos630x354-300x168.jpg" alt="" width="300" height="168" /></a></p>
<p><em><a href="http://fakten-fiktionen.net/wp-content/uploads/2012/01/wulff_charakterlos630x354.jpg" target="_blank">Foto</a>, Text siehe auch <a href="http://www.taz.de/Essay-zu-Christian-Wulff/!85163/" target="_blank">taz, 7. Januar 2012</a></em></p>
<p>Seit Tagen kursiert im Netz ein Video des Komikers <a href="http://www.youtube.com/watch?v=dL2T30O2NQs" target="_blank">Oliver Kalkofe</a>, in dem er die „wahre Presseerkl&#228;rung“ des Bundespr&#228;sidenten abgibt. Das kleine vorweihnachtliche Kabarettst&#252;ckchen greift typische Formulierungen Christian Wulffs auf und macht aus ihnen mit kleinen Ver&#228;nderungen eine Lachnummer. Doch ein Satz ist programmatisch. Er lautet: „Ich respektiere die Pressefreiheit. Sie ist ein hohes und – theoretisch – wichtiges Gut.“ Mit diesem einen Satz erfasst Kalkofe das Grundproblem des Bundespr&#228;sidenten Christian Wulff. Wulff wei&#223; – theoretisch – um die Anforderungen an sein Amt und seine Amtsf&#252;hrung. Wulff h&#228;tte – theoretisch – zu Beginn der Kreditaff&#228;re aufkl&#228;ren und damit den ganzen Zauber beenden k&#246;nnen. Wulff h&#228;tte – theoretisch – ein guter Bundespr&#228;sident werden k&#246;nnen.</p>
<p>Angela Merkel wollte einen Berufspolitiker im Bundespr&#228;sidialamt. Nach dem R&#252;cktritt  Horst K&#246;hlers schien das die einzig erfolgversprechende Alternative, um eine Wiederholung zu vermeiden. So kam Christian Wulff ins Amt. Er hat einiges an politischer Erfahrung vorzuweisen. CDU-Mitglied seit seinem 16. Lebensjahr, 16 Jahre Landtagsabgeordneter, 14 Jahre CDU-Vorsitzender in Niedersachsen, sieben Jahre Ministerpr&#228;sident des Bundeslandes. Das sollte reichen. Sogar f&#252;rs Bundespr&#228;sidialamt.</p>
<p>Vielleicht reicht es nicht. Vielleicht reicht die Idee des heutigen Berufspolitikers von seinen Aufgaben und Pflichten nicht mehr aus, um ein Amt auszuf&#252;llen, wie das des Bundespr&#228;sidenten einmal gedacht war. Vielleicht hat SPD-Chef <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1213864/" target="_blank">Sigmar Gabriel</a> das Problem auf den Punkt gebracht als er stichelte, Wulff bringe nur „eine politische Laufbahn“ mit, sein Gegenkandidat Gauck hingegen habe „ein Leben“ vorzuweisen.</p>
<p>Max Weber spricht in seinem ber&#252;hmten Vortrag zu <a href="http://de.wikisource.org/wiki/Politik_als_Beruf" target="_blank">„Politik als Beruf“</a> aus dem Jahr 1919 von zwei Arten, Politik zu machen: „Entweder man lebt ‚f&#252;r’ die Politik – oder aber: ‚von’ der Politik.“ Christian Wulff hat lange von der Politik gelebt. Ob er f&#252;r sie lebt, steht derzeit wieder einmal in Frage.</p>
<p>Es mag f&#252;r die Bundeskanzlerin bequem sein, einen Berufspolitiker ins Amt zu hieben. Nur ist das Amt des Bundespr&#228;sidenten ja eben keines der Berufspolitik, sondern eines das nahezu &#252;ber den drei Staatsgewalten schwebend betrachtet wird. Als g&#228;nzlich freischwebend ist es allerdings nicht gedacht. Die Anforderungen an moralische Integrit&#228;t, politische Autorit&#228;t und Unabh&#228;ngigkeit sind beim Bundespr&#228;sidenten hoch. W&#228;ren sie es nicht, br&#228;uchten wir dieses Amt nicht mehr.</p>
<p>Christian Wulff wei&#223; das. Theoretisch. Er spricht es bei vielen seiner Auftritte und &#246;ffentlichen Reden an. Und es wirkt immer, als habe da jemand etwas einge&#252;bt, das er aufgenommen, aber doch nicht in seinem Wesenskern begriffen hat. Bei Christian Wulff geht es im gesamten vermeintlichen Aufkl&#228;rungsprozess der Kreditaff&#228;re theoretisch um die Sache. Praktisch geht es um ihn selbst. Christian Wulff fordert Respekt vor dem Amt ein und l&#228;sst diesen doch selbst vermissen. Er will nicht das Amt vor Besch&#228;digung sch&#252;tzen, sondern das, was dieses Amt ihm und seiner Familie erm&#246;glicht. Er ist der engagierteste Personensch&#252;tzer in eigener Sache, den ein Bundespr&#228;sident jemals hatte. In dieser Hinsicht war das <a href="http://www.spiegel.de/video/video-1170428.html" target="_blank">Fernsehinterview</a> am Mittwochabend eine Selbstoffenbarung.</p>
<p>Max Weber sieht drei Voraussetzungen f&#252;r einen guten Politiker. Die leidenschaftliche Hingabe an die Sache, die Verantwortlichkeit gegen&#252;ber der Sache und das Augenma&#223; und Distanz zu den Dingen. Das passt noch heute gut, insbesondere zu den Vorstellungen, die mit dem Amtstr&#228;ger im Bundespr&#228;sidialamt verbunden sind. Soweit die Theorie. Aber was ist mit der Praxis?</p>
<p>Christian Wulffs Umgang mit der Wahrheit ist ein taktischer. Das hat sich selbst mit dem <a href="http://www.n-tv.de/politik/Wulff-Interview-im-Wortlaut-article5138936.html" target="_blank">Fernsehinterview </a>nicht ge&#228;ndert, nach dem die <a href="http://www.tagesschau.de/inland/wulff748.html" target="_blank">BW Bank</a> bereits wieder der Darstellung des Bundespr&#228;sidenten widersprochen hat. Wahrheit ist kein Selbstwert in diesem vermeintlichen Aufkl&#228;rungsprozess. Wahrheit ist ein Instrument, das portioniert zum Einsatz kommt, wenn es nicht mehr anders geht. Selbst die notwendige faktische Aufkl&#228;rung versucht der Bundespr&#228;sident zu seinen Gunsten zu instrumentalisieren und macht daraus eine Transparenz-Offensive, die „unsere Republik offenkundig auch zu mehr Transparenz positiv ver&#228;ndern“ soll. So wird die versp&#228;tete Reaktion in Verteidigung zum proaktiven Impuls f&#252;r unsere politische Kultur umgedeutet.</p>
<p>Es setzt schon eine gewisse Portion Dreistigkeit voraus zu glauben, so einfach k&#246;nne man sich zum politischen Erneuerer stilisieren. Die leidenschaftliche Hingabe an Transparenz (eigentlich nur: das selbstverst&#228;ndliche Ma&#223;) h&#228;tte Wulff in der Landtagssitzung, in der es um seine gesch&#228;ftlichen Beziehungen zu Egon Geerkens ging, und auch bei den ersten Recherchen diverser Medien zu seinem Haus in Hannover beweisen k&#246;nnen. Aber das hat er nicht getan.</p>
<p>Christian Wulff denkt das Amt als seine Errungenschaft, die er so schnell nicht aufgeben will. Er will im Amt bleiben und sich darin sch&#252;tzen. Seine Leidenschaft richtet sich auf die eigene Person, nicht auf das Amt. Damit das nicht noch offenkundiger wird, kann er nicht ‚ich’ sagen kann, wo es n&#246;tig w&#228;re. „Man wird ein bisschen dem&#252;tiger, man wird lebenskl&#252;ger“, mit solchen S&#228;tzen spricht Wulff von sich in der dritten Person, so als ginge es gar nicht um ihn, sondern um irgendeinen bedauernswerten Menschen, den es zu verteidigen gilt. Er h&#228;tte es auch passivisch sagen k&#246;nnen, wie Karl Theodor zu Guttenberg es im Februar 2011 vorgemacht hat: „<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,746436,00.html" target="_blank">Es wurde zu keinem Zeitpunkt bewusst get&#228;uscht.</a>“</p>
<p>Welche Verantwortlichkeit gegen&#252;ber der Sache m&#246;gen wir einem Bundespr&#228;sidenten zugestehen, der es bei Kritik an seinem Finanz- und Informationsgebaren nicht unterhalb der Kategorie der Menschenrechte macht? Wulff hat Recht mit dem Satz „Es gibt auch Menschenrechte selbst f&#252;r Bundespr&#228;sidenten.“ Offenbar reicht diese allgemeine Annahme aus seiner Sicht aus, missliebige Berichterstattung unterbinden zu k&#246;nnen. Wie schwierig aber die <a href="http://cmiskp.echr.coe.int/tkp197/view.asp?action=html&amp;documentId=699729&amp;portal=hbkm&amp;source=externalbydocnumber&amp;table=F69A27FD8FB86142BF01C1166DEA398649" target="_blank">Abw&#228;gung</a> zwischen Pers&#246;nlichkeitsrecht und dem Grundrecht der Pressefreiheit ist, k&#246;nnte der Bundespr&#228;sident, der auch Jurist ist, wissen.</p>
<p>Theoretisch wei&#223; der Bundespr&#228;sident sicher, dass Pressefreiheit ein hohes Gut ist. Praktisch kann diese Erkenntnis sich bei ihm nicht wirklich durchgesetzt haben. Sonst w&#228;re es schlicht unvorstellbar, dass er unmittelbar nach ein paar allgemeinen Worten zur Pressefreiheit als <a href="http://www.stern.de/politik/zitate-wulff-und-die-pressefreiheit-1769397.html" target="_blank">„beste Grundlage f&#252;r eine erfolgreiche gesellschaftliche Entwicklung“</a> in Kuweit zum Telefon greift und einige Drohungen auf der Mailbox des Bild-Chefredakteurs hinterl&#228;sst. Ist der Mann schizophren? Lebt er in zwei Wirklichkeiten? Nein, er lebt in der Wirklichkeit des Christian Wulff, die Rechte und Anspr&#252;che vor allem in der Verantwortlichkeit f&#252;r die eigene Person und die ihr Nahestehenden kennt. Dieser Wirklichkeit der Wulffs war die Berichterstattung der Bildzeitung &#252;ber das glamour&#246;se Leben des jungen Pr&#228;sidentenpaares lange dienlich. Das ist nun anders. Und dass der Bundespr&#228;sident in dem bizarren &#246;ffentlichen Streit um Mailboxwortlaute nun gerade die Bildzeitung als Retter der Pressefreiheit auf das Schild bef&#246;rdert, ist nur ein weiterer Treppenwitz in seltsamen Zeiten.</p>
<p>Christian Wulff will jetzt lernen, ein guter Bundespr&#228;sident zu sein. Lernen am lebenden Objekt sozusagen. Er kann nicht alle Bundesb&#252;rger einzeln anrufen, um ihnen eine Statusnachricht auf der Mailbox zu hinterlassen. Diesmal nicht „bin auf dem Weg zum Emir“, sondern:„bin auf dem Weg zu mir.“ Aber er will im Umgang mit seinen Fehlern „Lernfortschritte unter Beweis stellen“. Stellt er sich k&#252;nftig selbst ein Halbjahreszeugnis &#252;ber diese Fortschritte aus? Und wo soll der Lernprozess enden? In der Perfektion eines Pr&#228;sidentendarstellers, dem es immer besser gelingt, die Rolle der obersten politischen Autorit&#228;t in Deutschland zu spielen? Theoretisch ist Wulff sicher in der Lage, praktisch dazuzulernen. Ob er dadurch an Augenma&#223; und Distanz zu den Dingen, vor allem zu sich selbst gewinnt, wei&#223; keiner.</p>
<p>Ist es spie&#223;ig, altmodisch oder weltfremd, sich einen Bundespr&#228;sidenten zu w&#252;nschen, der die Lernprozesse f&#252;r das Amt vor Amtsantritt durchlaufen hat? Der als moralische Autorit&#228;t gilt und zu wichtigen Fragen der Zeit Stellung nehmen kann, ohne st&#228;ndig durch die eigenen Vorbelastungen schon bei Begriffen wie „rechtens“, „Kredit“ oder „Pressefreiheit“ stumm bleiben zu m&#252;ssen? Der das Amt als Gabe und sich selbst als zeitlich begrenzten Amtstr&#228;ger sieht? Wenn das spie&#223;ig, altmodisch oder weltfremd ist, dann gilt das auch f&#252;r Amt des Bundespr&#228;sidenten. Dann brauchen wir es nicht mehr.</p>
<p>Ganz unabh&#228;ngig von diesem speziellen Amt aber gilt: Politiker wie Christian Wulff, die ein Amt vor allem als Karriereplattform, Wahrheit als taktisches Instrument und Pressefreiheit als theoretische Herausforderung ansehen, schaden dem Berufsstand der Politiker, vor allem aber der politischen Kultur, denn sie lassen das Vertrauen der B&#252;rger in die Politik weiter degenerieren. Wenn nicht mal der erste Mann im Staate beispielgebend daf&#252;r ist, dass er nicht nur ‚von’, sondern vor allem ‚f&#252;r’ die Politik, sprich das politische Wohlergehen eines Landes lebt, dann d&#252;rfen wir uns &#252;ber die vielen anderen, die Amts- und pers&#246;nliche Interessen locker vermischen, nicht wundern. Dann wird die politische Ich-AG zum Normalfall. Dann sch&#252;tzt uns nichts mehr vor den politischen Personensch&#252;tzern in eigener Sache.</p>
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		<title>Was frei sein will &#8230;</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 10:31:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[So k&#246;nnte es auch im Moment Null nach dem Armageddon aussehen. Weite Fl&#228;chen mit Flecken von verbranntem Gras, mittendrin die H&#252;lle eines gelben Schulbusses und ein paar weitere Autowracks. Im Hintergrund die Berge in milchig-glei&#223;endem Licht. Hier wohnt kein Mensch, hier ist nur Stille. Ich stapfe in br&#252;llender Hitze durch die Landschaft und frage mich: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2011/12/Terlingua_Landscape.jpg"><img class="size-medium wp-image-1745 alignnone" title="SONY DSC" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2011/12/Terlingua_Landscape-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a></p>
<p>So k&#246;nnte es auch im Moment Null nach dem Armageddon aussehen. Weite Fl&#228;chen mit Flecken von verbranntem Gras, mittendrin die H&#252;lle eines gelben Schulbusses und ein paar weitere Autowracks. Im Hintergrund die Berge in milchig-glei&#223;endem Licht. Hier wohnt kein Mensch, hier ist nur Stille.</p>
<p>Ich stapfe in br&#252;llender Hitze durch die Landschaft und frage mich: Was kommt hier noch. Das Auto habe ich mitten im Big Bend Park abgestellt, am Abzweig zu einer Stadt, die keine ist: Terlingua, Texas. Hier kann kein Mensch leben. Nach gut einer Stunde scheinen doch ein paar H&#228;user am Horizont auf, H&#252;tten eher aus Holz und Wellblech, dazwischen ein paar bunt bemalte Caravans, die Jahrzehnte nicht mehr bewegt wurden. Das sind die Ausl&#228;ufer von Terlingua, dem Bergbau- und Quecksilberst&#228;dtchen an der Wende zum 20. Jahrhundert. Heute ist es eine Geisterstadt.</p>
<p>Terlingua hat ein Zentrum, in dem ein Rest des wilden und mond&#228;nen Lebens der Goldgr&#228;berzeit zu finden ist – das Starlight Theater. Ein alter, inzwischen modernisierter Schuppen, in dem jeden Abend irgendein verr&#252;ckter, einsamer Musiker seine Countrysongs zum Besten gibt. Dabei sitzt die &#252;berschaubare Zahl an G&#228;sten an der Theke und schl&#252;rft Margaritas f&#252;r zwei Dollar w&#228;hrend einer nie endenden „Happy Hour“.</p>
<p>Meinen Thekennachbarn stellt sich als britischer Musiker heraus. Er lebt seit zw&#246;lf Jahren in Terlingua, einer von 40 Anwohnern in dieser endlosen Ein&#246;de. „Was machst du hier so?“, frage ich ihn. Denkpause. „Ich stehe auf und gehe ein bisschen herum.“ Er kratzt sich am Kopf, um das Denken anzuregen. „Dann trinke ich meinen Kaffee und lese ein bisschen.“ Eine weitere Denkpause. „Und manchmal komponiere ich nachmittags einen Song“, schiebt er nach. „Manchmal aber auch nicht.“</p>
<p>Seit zwei Stunden sitzen wir nun an dieser Bar, trinken eine Margarita nach der anderen. Ich bin wie festgewachsen, w&#252;rde gerne f&#252;r immer bleiben. Diese Ruhe. Nichts Getriebenes ist hier. Einsamkeit und Weltenferne. Dann zieht mein Nachbar sein Handy aus der Tasche und checkt seine Emails. In diesem Laden am Ende der Welt gibt es bestes Breitband-Wifi. „Information wants to be free“, hat Stewart Brand 1984 auf der Hackers Konferenz in Kalifornien gesagt. Hier ist der Beweis: sie reist sogar bis in diese Geisterstadt.</p>
<p>Bewegt von dem Gef&#252;hl, meinen noch freien Platz in der Welt gefunden zu haben, versuche ich mich im Smalltalk, rede &#252;ber die wunderbare Landschaft, die Berge, den Rio Grande, der m&#228;chtig durch diese Gegend flie&#223;t. Mein Thekennachbar h&#246;rt stoisch zu, ohne ein Wort zu sagen. „Es ist Wahnsinn, am Rio Grande entlangzufahren. Man k&#246;nnte glatt r&#252;berschwimmen, und schon w&#228;r man in Mexiko“, plaudere ich vor mich hin. Pause. Der Mann nimmt den letzten Schluck seiner Margarita und dreht sich nochmal halb zu mir um. „Wag nicht mal, dran zu denken“, sagt er und geht.</p>
<p><a href="http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,805355-2,00.html" target="_blank">Spiegel Online</a></p>
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		<title>Weltbesuch</title>
		<link>http://www.miriammeckel.de/2011/12/24/weltbesuch/</link>
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		<pubDate>Sat, 24 Dec 2011 12:32:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Acht Mal klingelt es an der T&#252;r, acht Mal ein leicht gezogenes &#8216;riiing&#8217;. Entnervt durch die penetrante Bel&#228;stigung rei&#223;e ich die T&#252;r auf und starre feindselig auf den Menschen, der da steht. Ein junger Mann, ganz in wei&#223; gekleidet mit weichen Z&#252;gen und lockigem Haar, oder ist es ein M&#228;dchen? &#8216;Ja bitte&#8217;, sage ich und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2011/12/20111224-133347.jpg"><img src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2011/12/20111224-133347.jpg" alt="20111224-133347.jpg" class="alignnone size-full" /></a></p>
<p>Acht Mal klingelt es an der T&#252;r, acht Mal ein leicht gezogenes &#8216;riiing&#8217;.<br />
Entnervt durch die penetrante Bel&#228;stigung rei&#223;e ich die T&#252;r auf und starre feindselig auf den Menschen, der da steht. Ein junger Mann, ganz in wei&#223; gekleidet mit weichen Z&#252;gen und lockigem Haar, oder ist es ein M&#228;dchen?<br />
&#8216;Ja bitte&#8217;, sage ich und meine &#8216;bitte nein&#8217;.<br />
&#8216;Ich bringe Euch gute Nachrichten&#8217;, sagt der junge Mann.<br />
&#8216;Was f&#252;r gute Nachrichten?&#8217; frage ich skeptisch.<br />
&#8216;Umf&#228;ngliche&#8217;, antwortet der junge Mann mit offenem Blick.<br />
&#8216;Gute Nachrichten werden nicht spontan &#252;berbracht&#8217;, wende ich ein, &#8216;und schon gar nicht in gro&#223;en Mengen&#8217;.<br />
Wir stehen uns gegen&#252;ber. Einen kurzen Augenblick sieht es aus, als w&#252;rde sein Gesicht durchsichtig, das des jungen Mannes oder M&#228;dchens, und die Welt schiene hindurch. Dann hebt sich der Kopf ein wenig an.<br />
&#8216;Der Zufall kehrt ins Leben zur&#252;ck&#8217;, sagt er langsam und getragen.<br />
&#8216;Oh Gott&#8217;, rufe ich und schlage ihm die T&#252;r vor der Nase zu.<br />
Ich lehne meinen Kopf an das undurchsichtige Glas der Haust&#252;r und atme einige Male tief durch. Ein einzelner Schwei&#223;tropfen l&#228;uft mit den R&#252;cken herunter zwischen den Schulterbl&#228;ttern hindurch. Und meine Stirn klebt am Glas.<br />
Eine Stunde lang wandere ich durch die Wohnung wie ein gefangenes Tier, erst dann traue ich mich wieder zur Haust&#252;r. Ich &#246;ffne sie einen Spalt breit und luge hinaus. Da ist niemand mehr,<br />
Als ich die T&#252;r wieder schlie&#223;en will, f&#228;llt ein Lichtschein aus der Wohnung auf die oberste Treppenstufe. Auf einen Fu&#223;abdruck im Schnee.<br />
Dabei hat es gar nicht geschneit.<br />
Es ist sowieso viel zu warm, f&#252;r die Jahreszeit.</p>
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		<title>Bring die Zeit zum Stillstand</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Nov 2011 19:15:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine fiktive Commencement Address (jetzt-magazin v. 21.11.2011) Vor einigen Tagen hatte ich ein P&#228;ckchen in meinem Briefkasten. Eine Freundin aus Berlin hatte es geschickt und drin war ein Kinderbuch &#252;ber die Gegens&#228;tze des menschlichen Lebens: „Freiheit und Notwendigkeit“, „Das Ich und der Andere“, „Ursache und Wirkung“. Oder auch „Sein und Schein“. Ist es nicht etwas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2011/11/DSC01499.jpg"><img class="size-medium wp-image-1732 alignnone" title="SONY DSC" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2011/11/DSC01499-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a></p>
<p><em>Eine fiktive Commencement Address (<a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/533073/Bring-die-Zeit-zum-Stillstand" target="_blank">jetzt-magazin v. 21.11.2011</a>)</em></p>
<p>Vor einigen Tagen hatte ich ein P&#228;ckchen in meinem Briefkasten. Eine Freundin aus Berlin hatte es geschickt und drin war ein Kinderbuch &#252;ber die Gegens&#228;tze des menschlichen Lebens: „Freiheit und Notwendigkeit“, „Das Ich und der Andere“, „Ursache und Wirkung“. Oder auch „Sein und Schein“. Ist es nicht etwas fr&#252;h, so dachte ich erst, schon Kindern zu erkl&#228;ren, dass diese Welt nicht linear, nicht logisch, nicht endlos ist und sich auch nicht nur um einen selbst dreht. Und dann habe ich angefangen zu lesen und gemerkt, es ist andersrum. Denn wer als Kind schon versteht, dass wir alle immer  Mittelpunkt unseres Lebens und Lot unserer Welt sind, dass wir uns selbst verorten m&#252;ssen zwischen den gegens&#228;tzlichen Leitplanken dieser Welt, der hat es als Erwachsener leichter. Und da wusste ich, warum meine Freundin das Buch nicht nur ihrer kleinen Tochter, sondern auch mir gegeben hat.</p>
<p>„Was, wenn es nur so aussieht, als w&#228;re ich da?“ So hei&#223;t dieses Kinderbuch. Eine sch&#246;ne Frage, die wir uns immer wieder stellen k&#246;nnen – vor der ersten Partnerschaft, vor der Heirat, vor der Entscheidung f&#252;r oder gegen einen Karriereschritt. Ja, was w&#228;re dann, wenn es nur so auss&#228;he, als w&#228;re ich da? Nichts w&#228;re. Nichts weil ich nicht da w&#228;re. Aber auch nichts, weil das  niemanden interessieren w&#252;rde. Die Welt dreht sich ohne uns. Das Leben geht weiter – mit und ohne uns. Gelegentlich kann es helfen, sich das klar zu machen.</p>
<p>Bevor wir jetzt so richtig sch&#246;n schlechte Laune kriegen, nehmen wir doch die Kurve zum Kern des Buchs. Wie sagt das sch&#246;ne kleine B&#252;chlein zum Gegensatz von „Zeit und Ewigkeit“: „Wir werden geboren, wir wachsen auf, wir sterben. Unser Leben w&#228;hrt also eine bestimmte Zeitspanne. Doch wenn wir etwas tun, was uns wirklich gef&#228;llt, scheint die Zeit stillzustehen.“ Und darum geht es: Bringen Sie die Zeit zum Stillstand! Tun Sie das, was Ihnen wirklich gef&#228;llt. Und tun Sie es nicht erst, wenn es fast zu sp&#228;t ist.</p>
<p>Wenn Ihnen das gelingen soll, m&#252;ssen Sie die Gegens&#228;tze Ihres Lebens ausloten. Es gibt nie nur ein Ziel oder einen Zweck, sondern immer einen Weg dahin. Und dieser Weg macht den gr&#246;&#223;eren und substanzielleren Teil des Ganzen aus. Denn wenn Sie angekommen sind, sind Sie da. Was nun? Es gibt manchmal nichts Schrecklicheres als die Vollendung. Angekommen zu sein in dem Job, der Lebensform, der gesellschaftlichen Anerkennung, die man sich immer gew&#252;nscht hat. Der Weg liegt dann hinter uns. Aber was liegt noch vor uns?</p>
<p>Ich habe gut 40 Jahre gebraucht, um das selbst zu begreifen. Um zu begreifen, dass ich in manchem nur eine Rolle spiele, dass ich mein Leben nach den Vorgaben anderer ausrichte, nach der Gesellschaft, in der ich lebe – und das mich das ziemlich ungl&#252;cklich gemacht hat. Ich habe viel Zeit gebraucht, um zu f&#252;hlen, was mich wirklich gl&#252;cklich macht: intensives Denken und Schreiben. Und zwar au&#223;erhalb der Standards, in die uns die Politik, die Wirtschaft, ja leider auch die Wissenschaft zwingt. Ich wei&#223; nicht, ob ich von dieser Leidenschaft h&#228;tte leben k&#246;nnen, die ein deutsches Finanzamt vermutlich unter „Liebhaberei“ abtun w&#252;rde. Ich h&#228;tte nicht so viel gesellschaftliche Anerkennung genossen wie als Staatssekret&#228;rin oder Professorin. H&#228;tte und w&#228;re. Wei&#223; ich das? Ich wei&#223; es nicht. Und ich w&#228;re heute froh, dieser Konjunktiv w&#228;re mir schon fr&#252;her gleichg&#252;ltig gewesen. Denn mit intensivem Denken und Schreiben bin ich gl&#252;cklich.</p>
<p>Wir leben in einer Gesellschaft, die ich als sehr angepasst empfinde. Die von den Gegens&#228;tzen des Lebens nur eine Seite sehen will. In der nur der Erfolg z&#228;hlt, und der Misserfolg ein Schandmal ist, das man verstecken muss. In der nur der Starke, Gesunde vorankommt und Krankheit als Sprache des K&#246;rpers nicht mehr geh&#246;rt und verstanden wird. In der Sie Zielvereinbarungen, aber keine Wegvereinbarungen treffen, immer im Dienst, aber nie privat oder in Entspannung sein sollen, oft multitasken, aber nichts mehr in Ruhe durchdenken d&#252;rfen. Damit ignoriert diese Gesellschaft, dass es nicht geradlinig, leicht und eindimensional zugehen kann in dieser Welt, und damit zwingt sie manchen, die Gef&#252;hle zu sich selbst und zu dem, was wir sind und tun m&#246;chten, hintanzustellen. Und so bleibt nur ein Teil des Satzes aus dem wunderbaren Kinderbuch &#252;brig. „Wir werden geboren, wir wachsen auf, wir sterben.“</p>
<p>Nat&#252;rlich tun wir so, als w&#228;r das anders. Als h&#228;tten wir Optionen. Als w&#228;re jede Entscheidung f&#252;r die Gradlinigkeit, Leichtigkeit und Eindimensionalit&#228;t frei und selbstbestimmt getroffen. Und dann f&#252;gt es sich doch sch&#246;n, dass die Lebenslinie, die der Erfolgreiche f&#252;r sich zieht, gerade, direkt und bruchlos ist. Zumindest bis zu einem Punkt. Bis zu dem Bruchpunkt, an dem die Gegens&#228;tze ihr Recht einfordern. An dem wir mit unserer Vereinfachung an der Welt in ihrer Komplexit&#228;t scheitern. Und dann tut es weh. Nicht nur k&#246;rperlich. Es tut auch in der Seele weh. Weil wir pl&#246;tzlich sagen m&#252;ssen: Das bin nicht ich.</p>
<p>Dabei sind die Menschen, die im Wortsinne einmal aus der Rolle gefallen sind, diejenigen, die wirklich faszinieren k&#246;nnen. Mit denen man n&#228;chtelang reden und sich betrinken kann, weil sie nicht um sechs joggen und um sieben am Schreibtisch sitzen m&#252;ssen. Weil sie nicht jeden Tag die makrobiotische Di&#228;t sklavisch durchziehen. Weil sie nicht mit Ende zwanzig schon im Loft im Prenzelberg wohnen, biologisch kochen, ihre Kinder in den mehrsprachigen Kindergarten schicken, regelm&#228;&#223;ig f&#252;r Amnesty spenden und gr&#252;n w&#228;hlen. Damit keine Missverst&#228;ndnisse aufkommen: Ich spende auch f&#252;r Amnesty. Aber ich habe meine Erfahrungen gemacht mit einem drop out. Ich habe lange ein Leben gef&#252;hrt, das fremdbestimmt war, angepasst an das, was andere richtig fanden, nicht aber ich. Ein Leben auf der &#220;berholspur, in dem alles nur noch an einem vorbeizieht. Und dann gab es die Vollbremsung als Burnout. Ich bin heute froh dar&#252;ber, auch wenn es schwierige Zeiten waren. An dem Punkt bin ich aufgewacht. Seitdem bin ich wieder w&#252;tend &#252;ber die Gl&#228;ttung der Gegens&#228;tze, den Mainstream, der immer alles richtig macht. Auch Wut ist ein Gef&#252;hl.</p>
<p>„Was, wenn es nur so aussieht, als w&#228;r ich da?“ Eine gute Frage. Was, wenn es nur so aussieht, als w&#228;r alles so? Noch bessere Frage. Sie kann einen aus der Bahn werfen. Und das kann heilsam sein. Ist ein geplatzter Luftballon noch ein Luftballon? Nat&#252;rlich ist er das, wenn wir das so wollen. Das ist unsere Macht &#252;ber die Wirklichkeit: Wir k&#246;nnen sie denken, kreativ entwerfen, handeln nach unseren Gef&#252;hlen und Gedanken, etwas machen aus unserem Leben. Das kann anstrengend sein. Das fordert die Menschen. Das provoziert Gegenwind und Widerstand. Aber wenn mir der Wind ins Gesicht weht und ich sp&#252;re, dass mich jemand an den Schultern packt und in eine Richtung schieben will, in die ich nicht will, dann sp&#252;re ich, dass ich lebe. Dann merke ich, warum ich mich widersetze. Dann wei&#223; ich, wo ich hin will und wo nicht. Ganz im Sinne des von mir verehrten Anthropologen Gregory Bateson: „Es sind Unterschiede, die den Unterschied machen.“</p>
<p>Machen Sie einen Unterschied – f&#252;r ihr Leben, das vor Ihnen liegt, f&#252;r sich selbst, nur dann k&#246;nnen sie auch f&#252;r die Gesellschaft, in der Sie leben, einen Unterschied machen. Lassen Sie die Gegens&#228;tze zu, die unser Leben bestimmen und lebenswert machen. Lassen Sie sich nicht funktionalisieren f&#252;r das, was angeblich unser aller Ziel ist. Was ist unser aller Ziel? Mehr Arbeitspl&#228;tze? Wirtschaftswachstum? Die Rettung des Euro? Weltfrieden? Machen Sie einen Unterschied da, wo sie sind, wo sie leben, bei den Menschen, die mit ihnen leben. Und auch bei sich selbst. Sie leben das ganze Leben mit sich! Sie k&#246;nnen sich nicht von sich trennen, scheiden lassen, sich verlassen und ein neues Ich suchen. Und an welchen entferntesten Ort dieser Welt Sie auch fliegen: Sie holen sich immer selbst am Flughafen ab. In so einem Moment kann es sehr sch&#246;n sein, zu sich zu sagen: ich mag, wer da kommt. Weil Sie nicht nur <em>tun</em>, was Ihnen gef&#228;llt, und die Zeit bleibt stehen. Sie <em>sind</em> sogar, was Ihnen gef&#228;llt. Sie sind sie selbst. Wenn das so ist, dann ist das Leben mehr als der Zeitabstand zwischen geboren werden und sterben.</p>
<p>Stellen Sie sich vor – in Anlehnung der Geschichte, die der Philosoph Amartya Sen in seinem Buch „Die Identit&#228;tsfalle“ zu Beginn erz&#228;hlt – Sie w&#228;ren ein Land, in das Sie selbst einreisen w&#252;rden. Ein Herr an der Passkontrolle fragt Sie, ob Ihnen das Land, in das Sie da gerade einreisen, sehr vertraut ist und ob Sie es m&#246;gen. Dann w&#228;re es sch&#246;n, wenn Sie sagen k&#246;nnten: Ja, das ist so. Trotz aller Wirrnisse, durch die das Land gegangen ist, komme ich immer gerne zur&#252;ck. Trotz aller D&#252;rrezeiten wei&#223; ich, dass ich noch immer eine neue Quelle finden werde, um mich daran zu laben. Trotz der unwirtlichen Landschaften, erinnere ich, dass ich gerne auf H&#246;henz&#252;gen gewandert, aber auch gerne in den T&#228;lern gezeltet habe, weil jeder Ort seinen eigenen Reiz und seine eigenen Erfahrungen dargeboten hat.</p>
<p>Wenn Sie also in dieses Land, das Sie selbst sind, eingereist sind, dann sp&#252;ren Sie doch der Frage nochmal nach: „Was, wenn es nur so aussieht, als w&#228;re ich da?“ Es w&#228;re doch sch&#246;n, wenn Sie dann sagen k&#246;nnten: Das sieht nicht nur so aus, ich bin da. Und das bin ich! Ich habe Spuren hinterlassen auf diesem Land. Solche, die nicht nur den ausgetrampelten Pfaden gefolgt sind, sondern die vieles erkundet haben, auch das Unwegsame und Steinige. Und die Reisen, die ich durch dieses Land gemacht habe, sind mir in Erinnerung geblieben und f&#252;hlen sich gut und richtig an.</p>
<p>Steve Jobs hat einmal gesagt, was er hinterlassen wolle, sei ein „ding in the universe“, ein Kratzer im Universum. Es muss nicht <em>das</em> Universum sein. Es reicht, wenn es Ihnen gelingt, gelegentlich einen Kratzer in Ihrem eigenen Universum zuzulassen. Schon damit machen Sie einen Unterschied.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>A tribute to Siri &#8211; love in the digital age</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 14:46:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<title>SOS &#8211; Save Our Serendipity</title>
		<link>http://www.miriammeckel.de/2011/10/11/sos-save-our-serendipity/</link>
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		<pubDate>Tue, 11 Oct 2011 18:52:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[German version here Serendipity is our soul. Serendipity sustains us, it occasionally gives our lives directions neither planned nor anticipated, and serendipity opens up different avenues of looking at this world. As I will argue, without serendipity, life would not just be predictable, it would be excruciatingly boring. We, the creators of the Internet, are [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2011/10/FreeHugs.jpg"><img class="size-medium wp-image-1709 alignnone" title="FreeHugs" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2011/10/FreeHugs-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a></p>
<p><a href="http://digitalserendipity.org/" target="_blank">German version here</a></p>
<p>Serendipity is our soul. Serendipity sustains us, it occasionally gives our lives directions neither planned nor anticipated, and serendipity opens up different avenues of looking at this world. As I will argue, without serendipity, life would not just be predictable, it would be excruciatingly boring.</p>
<p>We, the creators of the Internet, are on our best way to banishing serendipity from our lives. But how high is the price we are paying? Are we exchanging a challenging but exciting life for a predictable but dull one? Our revolution against serendipity is a silent one, as it is our mere usage of the Internet that gives the algorithms of Google, Facebook &amp; Co. the opportunity to calculate our preferences, interests, desires and our next steps, thus gradually banishing everything unexpected from our digital lifestyle.</p>
<p>Consider the books Amazon recommends us to read &#8211; they are surprisingly close to our taste. Likewise, Genius offers music that matches our preferences quite well. Foursquare suggests bars where we can meet our friends, NewsMe proposes news stories that we should read or watch, and paarship recommends people that we could fall in love with. This is all very convenient and it sure makes life easier. But it is a different life than the one we knew until now.</p>
<p>It’s a life in the rear view mirror. The algorithms which compute all these recommendations and suggestions for us are forever stuck in the past, as they base their calculations on our actions in times foregone. Through the analysis and evaluation of  this data, the algorithm creates a more or less linear projection into the future of all we ever did, desired and loved. This projection may be quite accurate, since man is a creature of habit. What we once took a liking to, we will probably like all our lives. Without serendipity’s intervention, the algorithms we created may force us into a never-ending time-warp, dwelling forever in the status quo of our own preferences and desires.</p>
<p>And this &#8220;future&#8221; is beginning right now. By the end of 2009, Google had its <a href="http://googleblog.blogspot.com/2009/12/personalized-search-for-everyone.html" target="_blank">search algorithm </a>changed from general to personalized. So, whoever enters a search term today, receives highly individualized results. Thereby, Google analyzes, weighs and applies not only previous decisions and search terms but also consults other personal data that may be retrieved from the Internet. My personal Google hits will thus be the ones that most likely match my recent preferences.</p>
<p>There is a beautiful term in the English language for all that is lost in this custom-tailored world: &#8220;<a href="http://livingheritage.org/serendipity.htm" target="_blank">serendipity</a>&#8220;. It describes an unexpected discovery that is brought to light by sheer coincidence or by a chance encounter.  Serendipity is involved when we enter a book store and stumble on a random book that we would have never read, had it not been in the right place at the perfect time. It is serendipity, when we browse through a newspaper report and suddenly find ourselves riveted by its content even though we were neither interested nor familiar with its topic only minutes ago. Serendipity is at play when we meet a person who we fall in love with, even though he or she may not meet our ideal conception. And finally, serendipity may lie in the chance encounter with a new topic that seems important and hence sparks a heartfelt wish to become (politically) active.</p>
<p>At first sight, the loss of serendipity seems to be a mere technical issue, a peculiarity tied to software-dependent environments only. But with time, our loss may lead to wider ranging consequences, which we should at least understand, if not counteract. An overly personalized Internet has the potential to change our world views and &#8211; as a last consequence &#8211; ourselves.</p>
<ol>
<li>Over-personalization gradually eliminates <a href="http://ko-kr.facebook.com/note.php?note_id=126238457422039" target="_blank">commonalities</a> among individuals as in minutely tailored information environments, common interests and topics become rare. There is, however, a strong argument to be made that we need a foundation of common topics and a collective attention span devoted to certain issues. This holds especially true for our democratic processes that are critically dependent on these common informational foundations.</li>
<li>Algorithmic personalization may reduce our plural personas to one singular digital <a href="http://www.britannica.com/blogs/2010/05/facebooks-identity-lock-in/" target="_blank">identity</a>. Consider Mark Zuckerberg, founder and CEO of Facebook, who claims: &#8220;You have one identity […]. Having two identities for yourself is an example for a lack of integrity.&#8221; However, quite the opposite may hold true: This reduction may not be desirable and – to borrow the words of Amartya Sen – may sooner or later put us in an &#8220;Identity Trap&#8221;, denying us the plurality of identity-conceptions and the ability to opt for more than one group.</li>
<li>The Internet is just as little <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Free-software_movement" target="_blank">neutral</a> as is software. And this not only concerns access to the net, but maybe even more so the influence that large Internet Corporations such as Google, Facebook &amp; Co. may have on our perception of the world, on our political opinion making and on our participation in social life. &#8220;Code is law&#8221;, as the American journalist and Internet expert Lawrence Lessing observed years ago. We are gradually becoming the mere instruments of our online-tools. In consequence, we no longer have the opportunity to be neutral, but become pawns in the ambitions of Internet corporations or in the world-views of interest groups.</li>
<li>As odd as it may sound, personalization may transform citizens and customers into mere <a href="http://english.aljazeera.net/indepth/opinion/2011/07/201171254914892161.html" target="_blank">products</a>. It&#8217;s not about offering the best, the most relevant and the most interesting to us anymore. It&#8217;s about how we can be instrumentalised to become efficient but individualized market outlets for economically or politically motivated information offerings. Today, we are being sold and brokered in the form of variable data sets between Internet corporations and their business partners.</li>
<li>Without unexpected information, insights and encounters, we unlearn how to <a href="http://journals.lww.com/hcmrjournal/Abstract/2003/07000/Surprise,_Surprise,_Surprise__A_Complexity_Science.8.aspx" target="_blank">learn</a>. In order to evolve as human beings, we need coincidences and random encounters with the unknown to inspire us to take new perspectives. It is the characteristic of a democracy and the obligation of a citizen to deal with things that are outside his or her own world-view and that surpass the own and often narrow areas of interest.</li>
<li>Algorithms have the tendency to counteract this, as they work like funnels that progressively narrow our view on reality, constantly offering us what we already know, like and desire.  In this way, existing <a href="http://socialmediacollective.org/2011/09/12/guilt-through-algorithmic-association/" target="_blank">stereotypes and prejudices</a> are being reinforced and amplified. If I once &#8220;like&#8221; the Facebook page &#8220;Islam is dangerous&#8221;, I will receive ever more information with a similar political orientation and attitude. Do we really want this in a society where intolerance more and more prevails over tolerance?</li>
<li>Personalization leads to an uneven distribution of information and thus promotes a self-perpetuating <a href="http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704679204575646704100959546.html" target="_blank">segmentation</a> into various social groups. If you purchase expensive products online, you will be offered expensive products in the future. If you check out a theatre program, you will be henceforth supplied with theatre related information. If you look for the website of an Ivy-league college, chances are good that you will suddenly be provided with a lot of news on elite education. On the flipside, however, you are not even given the chance anymore to find other information &#8211; you will not even know that it exists.</li>
<li>It may be argued that the debate on <a href="http://www.nytimes.com/2010/07/04/weekinreview/04markoff.html" target="_blank">anonymity</a> in the net goes in the wrong direction. Of course anonymous online communication can be abused and there are indeed various examples of this. But the anonymity is in many places necessary, rendering opportunities for the participants to talk about their issues and wishes. The former Associate Justice of the U.S. Supreme Court, John Paul Stevens said: &#8220;Anonymity is a shield from the tyranny of the majority. It thus exemplifies the purpose behind the Bill of Rights […]: to protect unpopular individuals from retaliation—and their ideas from suppression—at the hand of an intolerant society. &#8221; Against this background, personalization is problematic: Not only does it lift the veil of anonymity, but it also reveals a person&#8217;s entire personality with all its interests, preferences, attitudes. Thus forever reducing us to the status quo.</li>
</ol>
<p>It would be naïve to think that we could reverse or even stop personalization in the Internet. This is not the issue here. In many respects, personalized offerings do have advantages. Therefore, it makes little sense to curse them in a culture-pessimist, technophobe polemic. But the increasing personalization has consequences that might be worth reconsidering. There are three approaches to culture criticism that are of importance:</p>
<ul>
<li>We need a public discourse! It is time to have an in-depth discussion about what is happening. If even most politicians have no clue what this debate is about, and if they are not able to lead the debate, we have to rely on a grass-roots movement. The core-questions will be: (a) How can algorithm-based personalization strategies be revealed, so that every user can decide for himself, whether or not he or she wants to expose him- or herself to them; (b) Could there be a choice between personalized and non-personalized search and communication in the Internet &#8211; one that enables individuals to exclude themselves voluntarily from the total calculation of their personality? And finally (c) How could there be more elements of serendipity built into the algorithms that calculate our information environment?</li>
</ul>
<ul>
<li>We need uncertainty and we need doubts. An algorithm knows no falsifiability of our conceptions of reality. It neither doubts nor errs. This alters our world view and our idea of man paradigmatically. Everything is precisely how it is calculated to be. Life in such a positivist world will change us. Whoever refuses to live in this digital panopticon, will have to insist on doubts and uncertainty as a prerequisite of freedom.</li>
</ul>
<ul>
<li>We need media that are edited and produced by humans. Only they can counterbalance algorithmically calculated services like &#8220;Demand Media&#8221;, which deliver precisely what we thought of looking for by aggregating Google search terms and producing news on demand &#8211; and nothing more. What these services are neglecting is the fact that we also need what we haven&#8217;t thought of looking for yet, the surprising piece of information that sparks an &#8220;uncalculated&#8221; interest in us.</li>
</ul>
<p>A world entirely calculated by algorithms is not only a <a href="http://www.nybooks.com/articles/archives/2010/nov/25/generation-why/?page=2" target="_blank">dull and boring</a> one. It is also the anti-social draft of a perfectly individualized commercial society. Victor Hugo wrote in &#8220;Les Miserables&#8221;: &#8220;Great coincidences are the law. The order of things cannot do without them.&#8221;  Today, coincidences are not the law anymore &#8211; not even the small ones. But we cannot do without these coincidences, without serendipity &#8211; not even in the Internet. By saving serendipity, we are saving our very souls, saving what distinguishes us humans from machines. So: Let&#8217;s save our serendipity!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Further Reading:</em></p>
<p>John Brockman (ed.): <em>Is the Internet Changing the Way You Think? The Net’s Impact on our Minds and Future</em>. New York 2011.</p>
<p>Michael Chorost: World Wide Mind. The Coming Integration of Humanity, Machines and the Internet. New York 2011.</p>
<p>Cyrus Farivar: <em>The Internet of Elsewhere. The Emergent Effects of a Wired World</em>. New Brunswick et al. 29011.</p>
<p>Miriam Meckel: <em>Next – Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns</em>. Reinbek bei Hamburg 2011.</p>
<p>Robert Merton &amp; Elinor Barbar: <em>The Travels and Adventures of Serendipity</em>. Princeton 2004.</p>
<p>Oliver M&#252;ller: <em>Zwischen Mensch und Maschine. Vom Gl&#252;ck und Ungl&#252;ck des Homo faber</em>. Berlin 2010.</p>
<p>Eli Pariser: <em>The Filter Bubble. What the Internet Is Hiding from You</em>. New York 2011.</p>
<p>Amartya Sen: <em>Identity and Violence. The Illusion of Destiny</em>. New York 2006.</p>
<p>Raymond Tallis: <em>Aping Mankind. Neuromania, Darwinitis and the Misrepresentation of Humanity</em>. Durham 2011.</p>
<p>Ethan Zuckerman: <em>Desperately seeking serendipity</em>. CHI-Keynote, 12/05/2011. Retrieved from: http://www.ethanzuckerman.com/blog/2011/05/12/chi-keynote-desperately-seeking-serendipity/</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die digitale Lebenslinie</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Oct 2011 07:16:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[(www.gamerzneeds.net) Wer sich fr&#252;her einmal seines Lebens vergewissern oder auch sich durch die Zukunft &#252;berraschen lassen wollte, der ging zur Wahrsagerin. Der Blick in die Hand offenbarte die Lebenslinie, die, je nach L&#228;nge, Farbe und Verzweigungen, von der Wahrsagerin interpretiert wurde. Dabei konnte es positive wie negative &#220;berraschungen geben, und es blieb immer ein Rest [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2011/10/lifestream.jpg"><img class="size-medium wp-image-1701 alignnone" title="lifestream" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2011/10/lifestream-300x187.jpg" alt="" width="300" height="187" /></a></p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.gamerzneeds.net/forums/members/business+man-albums-me++ma+stuff-picture2354-lifestream-wallpaper-black-assassin00.html">(www.gamerzneeds.net)</a></p>
<p>Wer sich fr&#252;her einmal seines Lebens vergewissern oder auch sich durch die Zukunft &#252;berraschen lassen wollte, der ging zur Wahrsagerin. Der Blick in die Hand offenbarte die <a href="http://horoskop.t-online.de/handlesen/" target="_blank">Lebenslinie</a>, die, je nach L&#228;nge, Farbe und Verzweigungen, von der Wahrsagerin interpretiert wurde. Dabei konnte es positive wie negative &#220;berraschungen geben, und es blieb immer ein Rest Geheimnis. K&#252;nftig reicht ein Mausklick zum Eintritt ins soziale Netzwerk Facebook, und wir sehen unser aller Lebenslinie.</p>
<p>„<a href="http://www.facebook.com/about/timeline" target="_blank">Timeline</a>“ nennt Facebook die neue Ordnung der Dinge, die unser Leben von der Geburt bis zum Tod auf Facebook dokumentieren soll. Und diese „Timeline“, die die bisherige „Pinnwand“ ersetzen wird, hat es in sich. Wenn sie so verl&#228;uft, wie Facebook es will, dokumentiert sie k&#252;nftig schlicht alles, was wir tun. Dazu m&#252;ssen die Nutzer gar nicht mehr durchg&#228;ngig selbst aktiv werden. Unsere Aufenthaltsorte und T&#228;tigkeiten werden nicht mehr nur durch unsere eigenh&#228;ndig eingestellten Informationen und Fotos nachgef&#252;hrt, sondern auch halbautomatisch mithilfe von Apps, die mitzeichnen, welche Musik wir h&#246;ren, welche Filme wir schauen, was wir gerade lesen, um unsere Facebook Freunde daran teilhaben zu lassen.</p>
<p>Die neue „Timeline“ setzt um, was der Informatiker und K&#252;nstler <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/digitales-denken/die-zukunft-des-internet-wie-wir-mit-unserem-leben-in-verbindung-bleiben-1577906.html" target="_blank">David Gelernter</a> als unsere digitale Zukunft entwirft – den „Lifestream“, in dem alle je verf&#252;gbaren Informationen gesammelt und zu einem stetigen Strom der Daten, Bilder, Videos zusammengefasst werden. Nach Mark Zuckerberg, Gr&#252;nder und CEO von Facebook, versetzt er uns in die Lage, unser ganzes Leben auf einer Seite zu erz&#228;hlen. Die Frage ist nur: wollen wir das? Es gibt drei Gr&#252;nde, warum man diese Frag mit ‚nein’ beantworten kann.</p>
<p>Zun&#228;chst gilt f&#252;r das menschliche Leben der alte Satz &#252;ber das Ganze, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Ich bin nicht nur das digitale Abbild meiner selbst, und sei das noch so sekundengenau dokumentiert. Facebook wei&#223; nicht, was ich denke und f&#252;hle, tut aber so, als w&#252;sste es das. Mit der Zeit werden wir lernen, unsere digitalen Abbilder als uns selbst zu begreifen. Die unbekannte Seite eines Menschen? Die gibt es nicht mehr, wenn sie nicht im „Lifestream“ aufscheint. Ich bin mein digitales Profil. Nie mehr, aber auch nie weniger.</p>
<p>Die Phasen unseres Lebens, die wir nicht gerne dokumentiert h&#228;tten, werden ganz sicher auch dort verzeichnet sein. Selbst wenn wir selbst sorgsam darauf geachtet haben, keine Informationen &#252;ber unsere Ausschweifungen bei Facebook zu posten, andere werden schon daf&#252;r Sorge tragen, dass es geschieht. Soziale Netzwerke sind transitiv. Wenn A mit B und B mit C verbunden ist, dann ist auch A mit C verbunden. Informationen, die ich f&#252;r meinen Facebook-Freundeskreis zur Verf&#252;gung stelle, bleiben also mitnichten sicher in diesem Kreis. Sie ziehen weiter durchs Netzwerk. Das wird sich allumfassend und unbeschr&#228;nkt an mich erinnern, ob ich will oder nicht. W&#228;hrend wir seit Jahren dar&#252;ber r&#228;tseln, wie wir das digitale Vergessen m&#246;glich machen k&#246;nnen, um einen Rest an Privatheit zu sichern, geht es bei der „Timeline“ um lebenslanges Erinnern. W&#228;hrend Internetexperten gar &#252;ber die digitale Reputationsinsolvenz nachdenken, um Nachsicht und die Chance auf den Neustart auch ins digitale Leben hin&#252;berzuretten, schaltet Facebook um auf die totale Transparenz. Lebe so, dass jeder Schritt deines Lebens, alles was du konsumierst, jeder Gedanke, den du hast, jederzeit f&#252;r alle sichtbar sein kann, so lautet das Motto. Sch&#246;ne neue Welt eines Lebens mit der digitalen Schere im Kopf.</p>
<p>Mark Zuckerberg hat im vergangenen Jahr in einem Interview einen verr&#228;terischen Satz gesagt. „<a href="http://michaelzimmer.org/2010/05/14/facebooks-zuckerberg-having-two-identities-for-yourself-is-an-example-of-a-lack-of-integrity/" target="_blank">Du hast <em>eine</em> Identit&#228;t</a>“, betonte er mehrfach, „zwei Identit&#228;ten zu haben zeugt von einem Mangel an Integrit&#228;t.“ Das ist ein programmatischer Satz. Facebook spiegelt k&#252;nftig nicht nur eine Facette unserer Identit&#228;t, es wird unsere Identit&#228;t. Abweichungen von dieser digitalen Lebenslinie sind dann nicht mehr vorgesehen.</p>
<p>Die Algorithmen von Facebook versorgen uns fortlaufend auf Basis dessen, was wir gepostet, geliked, kommentiert, bestellt und medial genutzt haben, und berechnen daraus, wer wir sind und was wir zuk&#252;nftig brauchen, m&#246;gen und tun sollten. In diesem algorithmischen Egoloop k&#246;nnen wir es uns leicht bequem machen, weil die bewusste oder zuf&#228;llige Auseinandersetzung mit andersartigen oder Themen, Angeboten und Menschen immer seltener notwendig wird. Wir werden zu dem, was eine Software f&#252;r uns errechnet hat.</p>
<p>Wann wird das so kommen? Vermutlich dann wenn es Facebook gelingt, die junge Generation an sich zu binden und sie in die „Timeline“ einzuschleusen. Dann werden sich die gerade Geborenen irgendwann die Frage stellen, ob sie sich noch aus Facebook ausloggend k&#246;nnen, ohne sich aus ihrem Leben abzumelden.</p>
<p>(siehe auch Handelsblatt v. 5.10.2011)</p>
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		<title>Technodizee</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Sep 2011 12:58:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<title>Sunday, sunny Sunday</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Aug 2011 10:43:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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