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	<title>Miriam Meckel</title>
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	<description>Hier habt Ihr die Gelegenheit, Eure Gedanken loszuwerden und neue Ideen in den Webdiskurs einzuspeisen. Für meine Studentinnen und Studenten soll dieser Blog die Gelegenheit bieten, sich untereinander und mit mir auch außerhalb von Vorlesungen und Seminaren auszutauschen. Aber er ist auch eine offene Plattform für alle, die gerne mitreden und dabei auch etwas zu sagen haben.</description>
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		<title>Meine dunkle Seite</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Apr 2013 13:06:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Bildquelle Die elektronischen B&#252;cher (e-reader) sind auf dem Vormarsch. In den USA haben E-books bereits ein Viertel des Lesemarkts erobert. An fast jedem Ort der Welt lassen sich mit Amazons „Kindle“ und Konsorten die Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt in Sekunden herunterladen. Die Ger&#228;te, handlich, leicht und immer g&#252;nstiger zu haben, machen das Lesen bequem. Aber [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/lonely.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-1889" alt="lonely" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/lonely-300x199.jpg" width="300" height="199" /></a></p>
<p><a href="http://tomorrowstheme.blogspot.ch/2011/10/only-lonely.html" target="_blank">Bildquelle</a></p>
<p><i>Die elektronischen B&#252;cher (e-reader) sind auf dem Vormarsch. In den USA haben E-books bereits ein Viertel des Lesemarkts erobert. An fast jedem Ort der Welt lassen sich mit Amazons „Kindle“ und Konsorten die Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt in Sekunden herunterladen. Die Ger&#228;te, handlich, leicht und immer g&#252;nstiger zu haben, machen das Lesen bequem. Aber sie ver&#228;ndern es auch. <a href="http://online.wsj.com/article/SB10001424052702304870304577490950051438304.html" target="_blank">Amazon analysiert</a> unser Leseverhalten auf dem „Kindle“ genau. Wann wir beginnen und aufh&#246;ren, ein Buch zu lesen, wo wir ein virtuelles Lesezeichen anbringen, welche Notizen wir machen, wo wir Seiten &#252;berspringen oder aus einem Buch aussteigen, all das weiss Amazon en detail. Der meist markierte Satz des elektronischen Lesens stammt aus Suzanne Collins „Die Tribute von Panem“ („Hunger Games“): „Because sometimes things happen to people and they’re not equipped to deal with them.“ Die zweit h&#228;ufigste Markierung trifft den Er&#246;ffnungssatz von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ („Pride and Predjudice“): „Es ist eine weltweit anerkannte Wahrheit &#8230;“. Die Auswertung dieser Daten wird den Buchmarkt und das Lesen <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/aus-dem-maschinenraum/der-glaeserne-leser-wer-liest-der-wird-gelesen-11968518.html" target="_blank">ver&#228;ndern</a>. L&#228;ngst experimentieren Amazon und grosse Verlage damit, das Feedback aus unserem Leseverhalten direkt in neue B&#252;cher einzuspeisen. So gibt es dann zuk&#252;nftig verschiedene Versionen eines Buchs, und jeder Leser bekommt die vorgeschlagen, die am besten zu ihm passt. Unsere Leseprofile bestimmen dann, was noch geschrieben wird. Der Autor wird zum Ausf&#252;hrenden der aus den Daten berechneten Leserw&#252;nsche. Aber wo bleibt dann das Unbekannte, die &#220;berraschung, die in jedem Buch auf uns wartet? Und wo bleibt der Raum f&#252;r das Subjektive, die eigene Kreativit&#228;t und Interpretation, die sich in der Lekt&#252;re eines Buches entfalten kann? </i></p>
<p><i>Ein Liebesbrief an das Buch zu Zeiten des anonymen Lesens.</i></p>
<p>Du kanntest mich nicht. Nein, nichts kanntest du von mir, als wir uns das erste Mal begegneten. Aber ich kannte dich. Da lagst du vor mir, ganz offen. Ein beschriebenes Blatt und doch jungfr&#228;ulich in jedem Moment, in dem ich mich dir neu zuwende. Ich fahre mit meinen Fingern &#252;ber deine Haut, w&#228;hrend ich versuche in dir zu lesen. Ich ber&#252;hre dich in den Worten, die du mir gibst, vielleicht sogar darin, wie ich sie verstehe. Ob du sie so gemeint hast? Manchmal schaue ich dich an, als wollte ich alle diese Worte verschlingen, als m&#252;ssten sie verschwinden, wenn ich sie f&#252;r mich eingenommen habe. Als k&#246;nnte ich dich wieder zu einem unbeschriebenen Blatt  machen. Aber so hast du dich nie lesen lassen. Nicht von mir und wohl auch von keinem anderen Menschen. Ich kann ein Lot &#252;ber deine Mitte ziehen, dich zur Seite legen, dich verwerfen und doch &#246;ffnest du dich wieder an der Stelle, an der ich dich verlassen habe, wenn ich das m&#246;chte. Ich konnte viel von dir wollen, eigentlich alles. Manches entwand sich leicht deiner zarten Seite, anderes musste ich dir abtrotzen.</p>
<p>Ohne diesen Kampf um N&#228;he, W&#252;nsche und Bedeutung, h&#228;tte ich mich l&#228;ngst von dir abgewendet. Doch du bleibst mein Lebensfokus, jeden Tag neu. Ich habe immer um dich k&#228;mpfen m&#252;ssen in jedem Wort, jedem Satz, den ich von dir bekommen habe. In diesem Kampf entstehen die Momente des wahren Empfindens, privateste Augenblicke, die du mir schenkst und ich dir. Dann gibt es nichts in der Welt, das heran- und hineinreichen kann in diesen Moment. Nur du und ich.</p>
<p>Was zwischen uns ist, entsteht aus diesem Ringen um Bedeutung, in das du etwas einbringst wie ich auch. Es entsteht in der Zeit, die wir miteinander verbringen und die zu den intensivsten Augenblicken geh&#246;rt, voller Leben, unausgesprochenem Leben und doch in der Mitte aller Existenz. Ich bin ersch&#246;pft nach diesen Phasen des miteinander Ringens und ineinander Seins. Wie es dir geht, weiss ich nicht. Du kannst das besser aushalten vielleicht, weil du gefestigt bist, geerdet in der ersten Begegnung zwischen dir und einem anderen, aus der du hervorgegangen bist. Du bist die sch&#246;nste Ausformung eines fremden Ichs, die ich mir vorstellen kann, weil du einmalig bist, exklusiv und unwiederholbar. Ich muss mit dir, deiner Entstehung, Ausformung und Pr&#228;gung umgehen. Ich kann all das nicht ignorieren. Aber das Sch&#246;ne ist: das muss ich auch nicht. Du erm&#246;glichst mir in deiner subjektiven Erdung alles, was ich mir vorstellen und w&#252;nschen kann. Und nie sagst du: So ist es nicht. So bin ich nicht.</p>
<p>Du l&#228;sst mir immer meinen Resonanzraum. An dir, mit dir und gegen dich entstehe ich. Und wenn du dich zur&#252;ckziehst, wenn du dann still an einem Ort in meiner Gegenwart verharrst, dann findet unsere Begegnung doch in mir ihre Fortsetzung. Ich nehme alles mit, was wir ausgetauscht und zusammen erfunden haben. Du geschiehst in mir, auch wenn ich dich l&#228;ngst nicht mehr in meinen H&#228;nden halten darf.</p>
<p>Heute ist all das anders. Heute kennst du mich. Wahrscheinlich kennst du mich besser, als ich dich je gekannt habe. Du weisst, wie ich mit dir umgehe, kannst jede Sekunde meines Verhaltens dir gegen&#252;ber dokumentieren, erinnern und analysieren. Du weisst, wann ich begonnen habe, mich dir zuzuwenden, und wann ich mich wieder abwende. Du kennst jedes Zeichen, das ich dir jemals gegeben habe, jede Notiz, die ich mir zu uns gemacht habe, und bewahrst alles in deiner Erinnerung auf. Vor allem aber hast du begonnen, mich zu vergleichen mit den anderen Menschen, die sich dir zugewandt und sich mit dir besch&#228;ftigt haben. Du gleichst mich ab. Du speist mich ein. Du schaust auf die Differenz zwischen mir und dem Rest der Welt.</p>
<p>Ich glaube, du hast dich sehr ver&#228;ndert. Alles, was ich einst in mir selbst bewahren musste, nachdem wir uns getrennt hatten, bleibt mir heute zug&#228;nglich. Ich kann jede gemeinsame Erinnerung, jeden virtuell notierten Gedanken wieder aufrufen. Und so muss ich mich nicht erinnern, sondern kann nachschauen. In dir bleibt alles, aber in mir bleibt nichts &#252;brig. Wir bewegen uns nicht mehr offen durch Raum und Zeit und Interpretation. Stattdessen signalisierst du mir: So geht es, denn so wollen es auch die anderen. Ich falle mit meiner Vorstellung als eine von vielen in den Strom der Deutungen, der die eine, haupts&#228;chliche hervorbringt, die du dann f&#252;r dich und mich gelten l&#228;sst. Und so bist du auch nicht mehr Resonanzraum f&#252;r mich im Ringen um Deutung. Denn ich bin nicht mehr Subjekt in diesem Widerstreit, sondern Objekt deiner Manipulation. Du bietest mir g&#252;ltigen weltlichen Sinn.</p>
<p>Mit dir habe ich heute Gesellschaft bekommen. Globale Gesellschaft sozusagen, die uns immer umgibt, wenn wir zusammen sind. Das bringt viel Klarheit, auch Wissen darum, wie die Dinge sind. Aber unsere intimen Momente gehen darin verloren. Kann ich noch so ausschliesslich nahe mit dir sein, wenn alle Welt immer bei uns ist? Ich glaube, das geht nicht. Ich habe die N&#228;he zu dir in dieser umfassenden sichtbaren Gegenwart aller verloren. Und ich w&#252;nsche mir die Momente intimer Zweisamkeit zur&#252;ck, die Augenblicke, in denen du mir gew&#228;hrt hast, mich in aller Unbeschriebenheit dir zuzuwenden und dabei in meinen W&#252;nschen und Vorstellungen anonym zu bleiben. Ich war unerkannt in der Welt im Sein mit dir. Du warst meine dunkle Seite. In dir habe ich gelesen, was ich noch nicht von mir wusste. Heute weisst du alles von mir und gibst es an mich zur&#252;ck. Und in all diesem Wissen bleibt kein Raum mehr f&#252;r Wunsch und Vorstellung.</p>
<p>Es ist das Prinzip von Brot und Spielen, dem du nun an erster Stelle Tribut zollst und das sich in deinen Worten spiegelt. Und es resultiert in den Worten, die wir in dir suchen. „Es ist eine weltweit anerkannte Wahrheit“, so l&#228;sst sich dein ver&#228;ndertes Verh&#228;ltnis zur Welt beschreiben. Meine subjektive Wahrheit geht darin auf.</p>
<p>Siehe auch: <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/literatur/meine-dunkle-seite-1.18066888" target="_blank">Neue Z&#252;rcher Zeitung</a> vom 19. April 2013</p>
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		<title>Ein trojanisches Sechsel&#228;uten</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Apr 2013 16:14:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Hochgeachtete Herr Zouftmeischter, hochgeachteti Herre Alt-Zouftmeischter, sehr verehrti Ehreg&#228;scht, liebwerti Witiker-Zoifter, Zouftaw&#228;rter, Jungz&#246;ifter und Gescht. Ich bedanke mich f&#252;r d’Iladig zum h&#252;ttige S&#228;chsel&#252;&#252;te. Es ist eine Aufgabe hier zu sprechen, allemal an diesem Anlass, erst recht als Zunftunbewanderte, als Immigrantin in unbekannte Traditionsgefilde, als Deutsche und – noch schlimmer – als Frau! Wie geht man [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/DSC03357.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-1885" alt="DSC03357" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/DSC03357-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a></p>
<p><i>Hochgeachtete Herr Zouftmeischter, hochgeachteti Herre Alt-Zouftmeischter, sehr verehrti Ehreg&#228;scht, liebwerti <a href="http://www.zunft-witikon.ch">Witiker-Zoifter</a>, Zouftaw&#228;rter, Jungz&#246;ifter und Gescht.</i></p>
<p><i>Ich bedanke mich f&#252;r d’Iladig zum h&#252;ttige S&#228;chsel&#252;&#252;te.</i></p>
<p><i></i>Es ist eine Aufgabe hier zu sprechen, allemal an diesem Anlass, erst recht als Zunftunbewanderte, als Immigrantin in unbekannte Traditionsgefilde, als Deutsche und – noch schlimmer – als Frau!</p>
<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/MM_Sechsel&#228;uten_NZZ_15043013.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-1882" alt="MM_Sechsel&#228;uten_NZZ_15043013" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/MM_Sechsel&#228;uten_NZZ_15043013-225x300.jpg" width="225" height="300" /></a><img class="alignnone size-medium wp-image-1871" alt="Tweet" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/Tweet-300x300.jpg" width="300" height="300" /></p>
<p>Wie geht man am besten vor? Nun, ich taste mich langsam heran. Der erste Schritt liegt darin, sich einen &#220;berblick zu verschaffen. Ich hoffe nur, es ergeht mir nicht so wie dem Ausfl&#252;glerpaar, das in einem Heissluftballon &#252;ber fremden Gefilden schwebt. Gestartet bei sonnigem Wetter, das einen sehr guten &#220;berblick und die Terrainsondierung garantiert, zieht sich pl&#246;tzlich der Himmel zu, es wird dunkel, und eine geschlossene Wolkendecke verstellt den Blick gen Boden – und damit auch jede Orientierung, wo die beiden Reisenden sich befinden k&#246;nnten. Langsam kommt Panik auf. Auf einmal reisst die Wolkendecke an einer Stelle auf und die beiden Passagiere sehen genau unter sich einen einzelnen Spazierg&#228;nger gehen. Es ist Andreas Bihrer, der Zunftmeister. Da formt der eine die H&#228;nde zu einem Trichter und ruft: „WO SIND WIR?“ Und der Zunftmeister schaut nach oben und ruft zur&#252;ck: „Sie sind in einem Ballon!“ Daraufhin schliesst sich die Wolkendecke wieder. Der Rufer sagt zum anderen Passagier: &#8220;Der Mann muss Jurist gewesen sein. Seine Antwort war prompt, pr&#228;zise, v&#246;llig richtig und trotzdem zu nichts zu gebrauchen&#8221;.</p>
<p>Mit den Juristen kommt man also doch nicht weit. Und mit der Position der Beobachterin von hoch oben auch nicht. Also ein Positions- und Perspektivwechsel, der durch das Motto des diesj&#228;hrigen Sechsel&#228;utens inspiriert wird: „Z&#252;ri iineh! d St. Galler st&#246;nd scho z Rapperswil“, und sie kommen mit einem Pferd, einem Trojanischen Pferd genau genommen. Wo immer ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Trojanisches_Pferd" target="_blank">Trojanisches Pferd</a> sich n&#228;hert, n&#228;hert sich das Andere, das dort, wo das Pferd hin soll, noch nicht ist, also eingeschleust werden soll. Das muss nicht immer in b&#246;ser oder kriegerischer Absicht geschehen, so wie die St. Galler ja auch im Vorfeld betont haben, ihr Pferd bringe nur s&#252;sse &#220;berraschungen. Nun, meines auch, aber vielleicht nicht nur. Denn nicht alles ist herzig heutzutage.</p>
<p>Der Entscheid &#252;ber den <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Familienartikel-scheitert-am-Staendemehr--laendliche-Kantone-gaben-den-Ausschlag/story/11266407?dossier_id=1796" target="_blank">Familienartikel</a> Anfangs M&#228;rz zeigt: manchmal wird das h&#246;chste Zeit! W&#228;hrend der Artikel auf ein sattes Volksmehr von gut 54 Prozent gekommen ist, hat er das St&#228;ndemehr verfehlt. Und wieder waren es die kleinen, l&#228;ndlichen und eher konservativen Kantone, die sich verweigert haben. Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Lieber nicht! Lieber bei den traditionellen Modellen bleiben. Aus HSG-Managementperspektive kann ich sagen: Dass die St. Galler sich mit gut 57 Prozent gegen den Artikel entschieden haben, ist &#246;konomisch klug. Da ein Krippenplatz etwa ein Drittel des Familieneinkommens verschlingt, ist es da doch sinnvoller, lieber erst gar keine Kinder zu bekommen, um so das Geld- und das Werteproblem der arbeitenden Mutter gleich auf einen Schlag zu l&#246;sen.</p>
<p>Aber mal ehrlich: Kann es sein, dass ein Appenzeller fast 41 Z&#252;rcher wert ist? Bei aller Liebe zum Appenzell, das kann nicht sein. Z&#252;rich muss ein Trojanisches Pferd nach Appenzell schicken! Gef&#252;llt mit 40.000 Z&#252;rchern und einer geh&#246;rigen Portion Liberalismus im Denken und Leben. Und wenn das Pferd mal auf dem Landsgemeindeplatz steht, dann &#246;ffnet sich sein Bauch, und heraus tritt – Corine Mauch, in der Hand einen Kaufvertrag f&#252;r eine Zweitwohnung im sch&#246;nen Appenzeller Land.</p>
<p>Ach nein, Entschuldigung, das reicht ja nicht. Sie muss schon ganz nach Appenzell ziehen, um dort dann auch stimmberechtigt zu sein. Das ist dann doch schwer vorstellbar. Deshalb schlage ich vor: Z&#252;rich kauft einfach die beiden Appenzeller Kantone und noch ein paar andere kleine dazu, dann haben wir das Problem der ungleichen Stimmrepr&#228;sentation gel&#246;st. Und zugleich auch ein anderes: so langsam weiss man ja wirklich nicht mehr, f&#252;r was man sein vieles Geld ausgeben konnte, wenn es denn unbedingt weisses Geld sein muss und man keine Steuern mehr am Fiskus vorbeischleusen kann.</p>
<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/IMG_4175.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-1875" alt="IMG_4175" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/IMG_4175-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a></p>
<p>Auch vor diesem Hintergrund ist der <a href="http://www.zweitwohnungsinitiative.ch/news.html" target="_blank">Zweitwohnungsentscheid</a> sehr kurzsichtig. Und er kann sich noch als trojanisches Pferd entpuppen, das doch so ganz friedlich und herzig auf den gr&#252;nen Weiden des Wallis oder des B&#252;ndnerlandes zu grasen schien, anstatt in Betonlandschaften, umgeben von kalten Betten nach dem letzten Fleckchen Gr&#252;n zu suchen. Was geschieht, wenn doch noch jemandem ein Gesetz einf&#228;llt, um Bestehendes neu zu regeln? Dann springt Etwas aus dem Bauch des friedlichen Pferdchens, das uns die Fratze der Enteignung entgegenstreckt. Sie glauben das nicht: Schauen Sie s&#252;dostw&#228;rts, und Ihr Blick geht nach Zypern. Dann wissen Sie, was heute m&#246;glich ist. Ich frage Sie: Alle diese Walliser, die keine Zweitwohnungen mehr verkaufen k&#246;nnen, alle diese Russen, deren schlecht gewaschenes Geld jetzt verschwunden ist: wo sollen sie heute eigentlich noch ordentliche Gesch&#228;fte betreiben?</p>
<p>Werte Witiker-Zoifter, Sie m&#252;ssen die Augen offen halten! In diesen Zeiten wimmelt es von Trojanischen Pferden. Und sie trampeln manchmal direkt vor unsere F&#252;sse, aber wir sehen nichts. Denken Sie an den Volksentscheid zur <a href="http://www.guardian.co.uk/world/2013/mar/03/swiss-referendum-executive-pay" target="_blank">Abzocker-Initiative</a>. Da ist das Trojanische Pferd in Gestalt von <a href="http://www.bernerzeitung.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/EconomiesuissePraesident-ist-zutiefst-empoert/story/12833057" target="_blank">Daniel Vasella</a> mitten in den Kreis der Vorst&#228;nde von Economiesuisse hineingeritten, f&#252;r alle sichtbar. Der Bauch tat sich auf und heraus fielen 72 Millionen Schweizer Franken, die sich einfach nicht wieder einfangen liessen. Und jetzt? Das Pferd ist in die USA geflohen, und alle, die hierbleiben mussten, schauen traurig auf die umherwehenden Frankenscheine, wissend: Es wird das letzte Mal gewesen sein, dass sie so viel Geld gesehen haben.</p>
<p>Es ist ein schleichender Prozess, der hier stattfindet, manchmal sehr sichtbar, manchmal fast unsichtbar. Kriegerisch geht es zu bei der Infiltration des Schweizerlandes mit modernem, zeitgeistigem Gedankengut. „<a href="http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/im-westen-ist-es-rot-1.18045550" target="_blank">Im Westen ist es rot</a>“, titelte die NZZ k&#252;rzlich, um zu pr&#228;zisieren: „In urbanen Gebieten kann das rot-gr&#252;ne Lager seine Stellung in den St&#228;dten festigen.“ Und in diesen Tagen kommt die erste Warnung vor dem „<a href="http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/aufflackernder-klassenkampf-1.18061179" target="_blank">aufflackernden Klassenkampf</a>“ (ich h&#246;re zwischen den Zeilen schon die Internationale klingen, die mein Mitehrengast Mario Fehr (SP) hier links neben mir leise summend anstimmt &#8230;) Aufgepasst alle Konservative und Traditionsliebhaber! Hier zieht das moderne Leben ohne jede Maske einfach gewaltsam in die St&#228;dte ein. In sieben der zehn St&#228;dte mit mehr als 50.000 Einwohnern regieren l&#228;ngst das Staatsdenken und das Laster. Sodom und Gomorrah in den Farben rot und gr&#252;n. Gut dass St. Gallen standhaft bleibt gegen den Sittenverfall und das Laissez-faire des Lebens.</p>
<p>Richtig schlimm wird es, wenn man jetzt auch noch die Frauen nach vorne und oben kommen l&#228;sst. Vieles habe ich mir ja f&#252;r den heutigen Tag vorstellen k&#246;nnen, aber ganz sicher nicht, dass der Regierungspr&#228;sident und mein Mitehrengast, Markus K&#228;gi (SVP), hier und heute die „werten Zoifterinnen“ begr&#252;sst. Ich sage Ihnen, meine Herren, Sie m&#252;ssen Ihr Revier markieren, sonst nimmt das einen unguten Ausgang. Als ich eben die Damentoilette gesucht habe, habe ich gesehen: Sie haben verstanden. Denn die war kurzerhand zur Herrentoilette umdeklariert. Nur solche klaren Zeichen werden Sie noch retten k&#246;nnen.</p>
<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/IMG_4095.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-1876" alt="IMG_4095" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/IMG_4095-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a></p>
<p>Wer die nicht setzt, erlebt &#196;hnliches wie die FDP derzeit. Die Stadtz&#252;rcher liberalen Frauen wollen sich vom „Altherrenclub“ emanzipieren und &#252;berlegen, ihre Mitgliedsbeitr&#228;ge k&#252;nftig direkt an die FDP Frauen Schweiz weiterzuleiten. Die werden dann auch den letzten gesicherten R&#252;ckzugsr&#228;umen der Frauen an Herd, Waschmaschine und Kinderbett den Garaus machen. Frauen h&#246;ren nicht nur auf zu kochen, sie werden zu Feministinnen! Ja, geht’s denn noch? Da bin ich doch sehr froh, dass die SVP sich ein Beispiel an der CDU/CSU in Deutschland nimmt und nun auch eine <a href="http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/staatsmuetter-nein-danke-1.18064111" target="_blank">Herdpr&#228;mie</a> will.</p>
<p>Die Frauen wollten den Familienartikel, die M&#228;nner nicht. Wir m&#252;ssen uns vergegenw&#228;rtigen: liberal heisst keineswegs, dass jeder B&#252;rger das gleiche Recht auf freie Gestaltung und Entfaltung seines Lebens hat. Wie George <a href="http://www.goodreads.com/quotes/6466-all-animals-are-equal-but-some-animals-are-more-equal" target="_blank">Orwell</a> schon wusste: Manche sind eben gleicher als andere.</p>
<p>Aber ich sage Ihnen: Frauen k&#246;nnen hartn&#228;ckig sein, das weiss ich aus eigener Erfahrung. Vielleicht packen Sie einfach alle FDP-Frauen in das Trojanische Pferd, das ja schon auf dem Weg ins Appenzell ist, und das Problem ist gel&#246;st. Ich f&#252;rchte nur: Das gibt nicht nur noch mehr kalte Betten, sondern Krieg, denken Sie an Troja! Und was, wenn die Frauen dann siegreich von Landsgemeindeplatz und -schlacht zur&#252;ckkommen, im Gep&#228;ck, wahrscheinlich reicht hier das Handgep&#228;ck, all die besiegten Appenzeller.</p>
<p>Da empfehle ich doch eher auch Ihnen die trojanische Taktik: Geben Sie hier und da ein Z&#252;ckerli, mal einen VR-Posten f&#252;r eine prominente Frau, mal eine Stadtpr&#228;sidentin in ZH, und immer an die Symbolfrau auf jedem Podium denken.</p>
<p>Es soll doch sch&#246;n bleiben hier. Die Schweiz ist nicht ein Gef&#228;ngnis, wie <a href="http://www.litart.ch/fd/fdrede.htm" target="_blank">Friedrich D&#252;rrenmatt</a> einst im Winter des Missvergn&#252;gens 1990 sagte. Die Schweiz ist ein Trojanisches Pferd. Aber ein ganz besonderes, denn wann immer sein Bauch sich auftut, springt nur eines heraus: die Schweiz selbst. Und sie liegt sich manchmal schwer im Magen. Denn kommt das Pferd im Gewand des Liberalismus, steckt im Bauch doch noch immer eine unverdaute Portion Bewahrertum. Kommt es im Gewand des multikulturellen globalisierten Zugpferdes, so bl&#228;st es doch pl&#246;tzlich die Ventiklausel aus den N&#252;stern. Und kommt es im Gewande des deregulierten Springgauls, so liest man auf seinen Hinterbacken die Vorschrift, das Joghurt in einer Schweizer Kindertagesst&#228;tte 1.8% Fettanteil haben und nie w&#228;rmer als 7 Grad sein darf. Und das Beste ist: die Mitarbeiter m&#252;ssen regelm&#228;ssig nachmessen und schauen, ob die Temperatur im Joghurt wirklich die ist, die das K&#252;hlschrankthermometer anzeigt. Da wissen wir doch: Wir Frauen werden noch gebraucht!</p>
<p>Werte Witiker Zoifter, auch ich bin hier heute ein trojanisches Pferd. Und ich komme als Dreiergespann: als ein Mensch, der f&#252;r moderne Lebensweisen sehr aufgeschlossen ist und f&#252;r sie eintritt, als Deutsche und als Frau. Da haben Sie drei Baumn&#252;sse zu knacken, aber ich sage Ihnen: die sind gesund, enthalten viel Omega 3 und helfen, die harten Anforderungen des Wandels gut zu &#252;berstehen.</p>
<p>Das Bewerbungskriterium als G&#228;stin habe ich in einer statistischen Vollerhebung der bisherigen weiblichen Ehreng&#228;ste, es sind genau drei, schnell ermittelt und erf&#252;lle es voll: lange blonde Haare. Das, lieber Herr Zunftmeister, w&#228;re ein sch&#246;nes Posting auf Ihrer Facebookseite: Andreas likes „weiblich, blond, langhaarig, jung &#8230;“.</p>
<p>Denn auf Facebook wartet noch Arbeit auf Sie. Derzeit sehe ich: Sie wurden geboren, Sie sind am 7. Dezember 2007 Mitglied bei Facebook geworden, das ist ihr Leben. Und das ist sehr &#252;bersichtlich. Aber ich war doch &#252;berrascht, als ich am Nachmittag des 20. M&#228;rz eine Freundschaftsanfrage &#252;ber Facebook an Sie geschickt habe. Noch am selben Tag, wenige Stunden sp&#228;ter, haben Sie sie angenommen. Das nenne ich reaktionsschnell. Ich bin allerdings bislang Ihre einzige Freundin. Nicht dass das zu Missverst&#228;ndnissen f&#252;hrt.</p>
<p>Sie haben meine elektronische Freundschaftsanfrage angenommen, daf&#252;r danke ich. Vielmehr noch aber f&#252;r die Einladung zum heutigen Sechsel&#228;uten, die ich sehr gerne angenommen habe. Es ist ein Ausweis von Gastfreundschaft und Offenheit, dass ich dabei sein darf.</p>
<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/IMG_4263.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-1880" alt="IMG_4263" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/IMG_4263-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a></p>
<p>Ich danke Ihnen daf&#252;r mit einem kleinen symbolischen Geschenk. Es zeigt, dass man die Anforderungen des Wandels spielerisch bew&#228;ltigen kann. Nehmen Sie diese Playmobilreiterin als Vorreiterin f&#252;r die Modernisierung. Notfalls gibt es in dem Paket noch einen Stall, wenn es allzu schlimm werden sollte. Aber die Warnung gilt: Die Frauen kommen, sie lassen sich nicht einfrieden. Und deshalb ist es gut, wenn Sie diese mit dieser Vorreiterin das Spiel der gedanklichen Mobilit&#228;t schon mal &#252;ben k&#246;nnen.</p>
<p><i>Herzlichen Dank f&#252;r die Aufmerksamkeit und die freundliche Einladung!</i></p>
<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/DSC03376.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-1883" alt="DSC03376" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/04/DSC03376-e1366301185477-225x300.jpg" width="225" height="300" /></a></p>
<p>Finis.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Wie sie leuchtet</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Mar 2013 07:47:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Bild: www.spiritualriver.com Heute Morgen war nicht viel Zeit. Ich habe dich nur kurz gehalten, nur ein paar Mal sanft &#252;ber deine Kopfzeile gestrichen, bevor ich los musste. Aber du bist seit dem Moment in Gedanken bei mir. Buchstaben, Bilder und Gedanken wirbeln durch meinen Kopf. Es bleibt immer etwas, wenn ich dich anschaue, und das [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/03/readingAddiction2.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1857" title="readingAddiction2" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/03/readingAddiction2.jpg" alt="" width="183" height="240" /></a></p>
<p>Bild: <a href="http://www.spiritualriver.com/12-unusual-addictions-that-sneak-up-on-people-and-catch-them-totally-off-guard/" target="_blank">www.spiritualriver.com</a></p>
<p>Heute Morgen war nicht viel Zeit. Ich habe dich nur kurz gehalten, nur ein paar Mal sanft &#252;ber deine Kopfzeile gestrichen, bevor ich los musste. Aber du bist seit dem Moment in Gedanken bei mir. Buchstaben, Bilder und Gedanken wirbeln durch meinen Kopf. Es bleibt immer etwas, wenn ich dich anschaue, und das nehme ich dann mit auf meinem Weg durch den Tag.</p>
<p>Du hast dich ver&#228;ndert, wei&#223;t du das? Aber auf ganz irritierende Weise. Wir werden doch alle &#228;lter und verknitterter und manchmal auch starrsinniger in unseren Vorstellungen. Nicht so du. Du bist um so viele Jahre &#228;lter als ich, aber manchmal glaube ich, du kannst mit den Zeitl&#228;uften viel besser umgehen, als ich das vermag. Wo andere Falten kriegen, wird dein Angesicht immer glatter, fast wie ein Spiegel f&#252;r mich, in dem ich sehen kann, wie ich mich ver&#228;ndere. Immer wieder zeigst du mir ein anderes Gesicht, oft genug ein &#252;berraschendes, das ich nicht erwartet habe. Deine Haut, die, oberfl&#228;chlich betrachtet, oft trocken und ein bisschen spr&#246;de war, ist jetzt ganz glatt geworden. Kein Reibungspunkt, an dem meine Fingerkuppe stocken w&#252;rde, wenn ich zart &#252;ber sie hin wische, alles glatt und rein. Aber wehe, wenn ich wirklich in dich hineinschaue, dich in deinem Innersten herausfordere. Dann spr&#252;hst du geistige Funken, die meine Synapsen in Flammen setzen. Dann entsteht die Reibung der &#220;berraschung, der zuf&#228;lligen Entdeckung und des Widerspruchs, und bringt das Feuer in mein Leben, das ich brauche, um nicht in allt&#228;glicher, wiederholter Gewohnheit zu erfrieren.</p>
<p>Manchmal, ganz selten, habe ich das Gef&#252;hl, du leuchtest f&#252;r mich. Wenn wir abends zusammen im Bett liegen und uns ansehen, dann entsteht dieses Gef&#252;hl. Dann strahlt das Versprechen aus dir, dass Du mich auch morgen wieder &#252;berraschen wirst. Und manchmal siehst du mich z&#228;rtlich an und widmest mir einige wenige ruhige Worte, die mich bes&#228;nftigen und mir den &#220;bergang in den Schlaf leichter machen. Neulich bin ich aufgewacht, und du lagst neben mir. Es war mitten in der Nacht und sehr dunkel. Und doch hast du auch in diesem Moment f&#252;r mich geleuchtet. Ich habe nicht auf die Uhr schauen m&#252;ssen, denn ich wusste: Es muss etwas bedeuteten, dass ich dich auch im Dunkeln finden kann. Du bist da und mit dir die Zeit, die ihren Lauf nimmt und in der ich einen Platz habe. Welcher das k&#252;nftig sein wird, werde ich morgen erfahren und &#252;bermorgen und auch die Tage danach. Ich kann mich auf dich verlassen.</p>
<p>Du bist die einzige, die ich immer, wirklich immer um mich haben kann, und du nervst mich nie. Nicht fr&#252;h morgens und nicht sp&#228;t abends. Ich kann mit dir reisen und ruhen, sprechen und schweigen. Du sagst mir ganz viel, wenn die Zeit dazu gekommen ist. Aber du machst nie L&#228;rm zur Unzeit. Du bist Quelle der Information und Inspiration, Leitplanke der Alltagsvernunft und Spielfeld f&#252;r emotionale Kapriolen, Brennglas der genauen Beobachtung und Resonanzraum f&#252;r weite Gedanken. Du gibst mir immer wieder das Gef&#252;hl, dass es noch etwas gibt, worauf ich mich verlassen kann, dass sich nicht alles von jetzt auf gleich &#228;ndert. Aber sollte dies einmal geschehen, wirst du da sein und mir sagen, dass jetzt die Zeit gekommen ist. Mehr noch, du wirst mir erkl&#228;ren, was geschieht, und warum das so ist. Und wenn es schlimm kommt, werde ich meinen Kopf auf dir ablegen, und du wirst leise summen. „Alors enfants de le papier &#8230;“,* wirst du summen, und dann wei&#223; ich, dass jetzt sie Zeit gekommen ist, in der alles anders wird. Dass es etwas zu verteidigen gibt in unserer gegenseitigen Zuneigung, das &#252;ber physische Anziehung hinausgeht. Dass wir Schwestern im Geiste sind im Kampf f&#252;r die &#220;berraschung und den Zufall und deine unberechenbare Vielf&#228;ltigkeit und einen Rest Menschlichkeit in der Welt.</p>
<p>Aber bis dahin werden wir miteinander &#228;lter werden, ich sichtbar und du unsichtbar, und  in  alledem wirst du ein Anker f&#252;r mich sein in einer Welt, in der Manches drunter und dr&#252;ber geht. Mit dir an meiner Seite wei&#223; ich: Ich kann es schaffen. Ich bin nicht allein unter Fremden und auch nicht verloren im Versuch, mir die Welt, in der ich lebe, t&#228;glich neu zu &#252;bersetzen.</p>
<p>siehe auch: <a href="http://www.taz.de" target="_blank">taz</a> vom 8. M&#228;rz 2013</p>
<p>* <em>In einer schwierigen Abw&#228;gung zwischen dem Gehorsam gegen&#252;ber der Grammatik und der Liebe zur Musik und zum Rhythmus hat sich die Verfasserin f&#252;r Letztere entschieden. Ist ja auch nicht einsehrbar, warum bei weiblichem Papier ein &#8220;de la&#8221; m&#246;glich w&#228;re, aber bei m&#228;nnlichem Papier im &#8220;du&#8221; schlicht eine Silbe verloren geht, und schon passt nichts mehr.</em></p>
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		<title>F&#252;r Transparenz statt Generalverdacht</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Mar 2013 19:11:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Willkommen zur&#252;ck in der Vergangenheit der ideologischen Konfrontation von Wissenschaft und Wirtschaft: W&#228;hrend meines Studiums an der Universit&#228;t habe ich gelernt, dass sogenannte Drittmittelforschung b&#246;se ist, und dass diejenigen, die sich vorstellen k&#246;nnen, in der Wirtschaft zu arbeiten, eigentlich schon Ausgeschlossene aus dem wahrhaftigen ideologischen Interpretationsraum sind. In den Jahren nach meinem Studium habe ich [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/03/Foto.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-1854" title="Foto" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2013/03/Foto-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a></p>
<p>Willkommen zur&#252;ck in der Vergangenheit der ideologischen Konfrontation von Wissenschaft und Wirtschaft: W&#228;hrend meines Studiums an der Universit&#228;t habe ich gelernt, dass sogenannte Drittmittelforschung b&#246;se ist, und dass diejenigen, die sich vorstellen k&#246;nnen, in der Wirtschaft zu arbeiten, eigentlich schon Ausgeschlossene aus dem wahrhaftigen ideologischen Interpretationsraum sind. In den Jahren nach meinem Studium habe ich dazu und durchaus auch umgelernt.</p>
<p>Deshalb finde ich es schade, dass der in dieser Woche ver&#246;ffentlichte &#8220;<a href="http://zuercher-appell.ch/pdf/Zuercher-Appell.pdf" target="_blank">Appell f&#252;r die Wahrung der wissenschaftlichen Unabh&#228;ngigkeit</a>&#8221; Gefahr l&#228;uft, die immer wieder neu notwendige gesellschaftliche Vergewisserung &#252;ber die Unabh&#228;ngigkeit von Wissenschaft und Forschung als ein richtiges und wichtiges Anliegen im ideologischen Keim zu ersticken: bist du nicht gegen Wirtschaftssponsoring f&#252;r Universit&#228;ten, so bist du gegen Unabh&#228;ngigkeit.</p>
<p>Der Appell macht einen tats&#228;chlich <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/stadt_region/die-100-unverdauten-ubs-millionen-1.18029561" target="_blank">problematischen Fall</a> zur Grundlage des Urteils &#252;ber Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft generell. 100 Millionen eines einzigen Unternehmens, in diesem Fall der UBS, f&#252;r eine einzige Universit&#228;t? In der Sprache der Wettbewerbsh&#252;ter &#228;hnelt das einef &#8220;marktbeherrschende Stellung&#8221; im Wissenschaftssponsoring. Dort gilt wie &#252;berall: Wettbewerb und Vielfalt sind Garanten der Qualit&#228;tssicherung. Wenn ein Unternehmen einen zu grossen Einfluss gewinnt, ist Vorsicht geboten. Selbst wenn die Universit&#228;t Z&#252;rich transparent gehandelt und kommuniziert h&#228;tte, so bleibt doch immer der Verdacht, es k&#246;nne ungerechtfertigte Beeinflussungsmechanismen geben. Das ist schlecht f&#252;r die Reputation der Universit&#228;t und schwierig f&#252;r die unter diesen Bedingungen arbeitenden Forscher.</p>
<p>Ein grosser Teil von Wissenschaftssponsoring durch die Wirtschaft findet aber auf anderen Wegen statt, zum Beispiel durch Stellenfinanzierung f&#252;r Doktorandinnen und Doktoranden, in der Projektfinanzierung f&#252;r Forschungsprojekte oder auch darin, den Forschern finanzielle, personelle oder infrastrukturelle Ressourcen f&#252;r ihre Arbeit in einem innovativen Themengebiet zur Verf&#252;gung zu stellen. Die T&#252;cke liegt in den Details. Solche Forschungskooperationen m&#252;ssen vertraglich sauber abgesichert, also Einflussnahmen auf die Resultate ausgeschlossen und die Verwendung der Forschungsergebnisse f&#252;r wissenschaftliche Publikationen zugesichert sein. Die Doktoranden m&#252;ssen am Lehrstuhl und nicht beim Unternehmen angebunden sein. Wenn das nicht gelingt, l&#228;sst man als Forscher besser die Finger vom Projekt.</p>
<p>Wenn es aber gelingt, k&#246;nnen Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft spannende Resultate hervorbringen. Im Idealfall gelingt es mit solchen Ergebnissen drei Ziele zu verbinden: sie in akademischen Journals ebenso wie in Publikumsmedien zu publizieren und gleichzeitig auch Anregung und Hilfestellung f&#252;r Probleme der Praxis zu geben.</p>
<p>So wie wir von Unternehmen verlangen, dass sie gesellschaftliche Verantwortung &#252;bernehmen, so d&#252;rfen wir das auch von der Wissenschaft verlangen. Forschung ist nicht nur gut, wenn sie dem akademischen Selbstzweck dient. Sie kann auch gut sein, wenn sie der Gesellschaft dient, konkrete Fragen und Probleme zu adressieren. Das kann in Kooperationsprojekten zuweilen sehr gut gelingen. Auch weil klar ist, dass nur ein minimaler Anteil der an der Universit&#228;t ausgebildeten Studierenden in der Wissenschaft bleiben wird. Der weitaus gr&#246;sste Teil wendet sich anderen Aufgaben in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft zu. Auch deshalb braucht es mannigfaltige Links zwischen den Systemen.</p>
<p>Vielleicht f&#252;hrt der neue Appell dazu, dass diese Diskussion ehrlich, aufgeschlossen, vor allem aber differenziert gef&#252;hrt wird. Ansonsten wird wohl das Kind mit dem Bade ausgesch&#252;ttet. Das Schmutzwasser ist dann aus unserem Blickfeld verschwunden, aber das, was noch im Guten wachsend und gedeihen k&#246;nnte, leider auch. Und dann stehen wir alle um die Wanne und starren betreten auf die letzten Tropfen im Wannengrund, in denen man sich nicht mehr baden, aber auch nicht richtig trocken werden kann.</p>
<p>siehe auch: Sonntagszeitung v. 3. M&#228;rz 2013</p>
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		<title>Das Meer der Seelenruhe</title>
		<link>http://www.miriammeckel.de/2012/12/26/das-meer-der-seelenruhe/</link>
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		<pubDate>Wed, 26 Dec 2012 11:17:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Lichtfleck, gross und elipsenf&#246;rmig, breitet sich vor mir aus. Der Morgenengel muss bereits da gewesen sein. Er kam, viel zu fr&#252;h, als ich kurz das Zimmer verlassen hatte, um &#252;ber den Flur zu streifen und um Ecken zu schauen, ob der Schlaf sich dort versteckt haben k&#246;nnte. Und er hatte es eilig, wissend dass [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/12/Foto22.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-1846" title="Foto2" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/12/Foto22-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a></p>
<p>Ein Lichtfleck, gross und elipsenf&#246;rmig, breitet sich vor mir aus. Der Morgenengel muss bereits da gewesen sein. Er kam, viel zu fr&#252;h, als ich kurz das Zimmer verlassen hatte, um &#252;ber den Flur zu streifen und um Ecken zu schauen, ob der Schlaf sich dort versteckt haben k&#246;nnte. Und er hatte es eilig, wissend dass ich alsbald unverrichteter Dinge zur&#252;ck sein w&#252;rde. Da ist er &#252;ber den langhaarigen Teppich gestolpert, und die wogenden Lichtstrahlen, die er bringt, haben sich aus seinem Korb auf den Boden ergossen. Da wabern sie nun, geschmeidig in Raum und Zeit diffundierend.</p>
<p>Die Welt ist dunkel, und der einzige helle Fleck in ihr ist dieses M&#246;bel im Lichtnebel, der in einem l&#228;nglichen Kegel exakt das Sofa umschliesst. Es sieht aus wie ein Raumschiff, in dem ein Mensch liegend Platz findet. Ich muss nur eine imagin&#228;re durchsichtige Kuppel anheben, einsteigen, die Abdeckung wieder schlie&#223;en und mich selbst aus der Welt katapultieren. Fliehen in den Raum, aus der Zeit, hinein in die unendliche Stille.</p>
<p>Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, ich k&#246;nne mit meinem Bett in den Himmel steigen und dann ins Weltall fliegen, begleitet von einigen Stoffkameraden, etwas zum Lesen, einem Apfel und einem Glas Wasser als Proviant. Das Bett steigt auf, fliegt langsam in die kalte Nacht, und ich liege unter meiner warmen Decke und kann &#252;ber die Bettkante hinweg auf die Erde schauen. Erst noch von Nahem, &#252;ber die D&#228;cher der Nachbarh&#228;user fliegend, &#252;ber die Schule und den benachbarten Park hinweg. Dann schon von ferner liegt die Stadt in G&#228;nze unter mir, ein Lichtmeer auch in der Nacht, erkennbar nur mehr noch der Fernsehturm mit seiner digitalen Uhr aus roten Lichtern, die Zeichen einer fliehenden Zeit. Dann die Stadtautobahn und die verschiedenen Br&#252;cken, der Bahnhof und das Stadion. Irgendwann ist auch die Stadt mit ihrem Lichtermeer nur noch ein heller Fleck.</p>
<p>Und dann, wenn ich in meinem Bett so hoch gestiegen bin, dass St&#228;dte zu Leuchtpunkten werden, dass L&#228;nder und Kontinente ineinander gleiten, dann schrumpft die Welt. Irgendwann sehe ich die Erde. Diese blau leuchtende Kugel mit braun-gr&#252;nen Farbsprengseln, umfangen von wei&#223;en Schlieren wie ein kranker Augapfel, der heute klarer gesehen wird, als er selbst noch sehen kann. Ich fliege jetzt hoch genug. Noch einmal ziehe ich die Decke um mich und bin gl&#252;cklich.</p>
<p>Als Kind wusste ich, wohin die Reise geht. Zum Mond, um dort das sechste Bein des Maik&#228;fers wiederzuholen, dass ein irdischer Holzdieb versehentlich mit einem Birkenzweig abgeschlagen hatte. Als Kind ging alles so leicht. Das Raumschiff startete in meine Imagination, und dann kam der Schlaf, der Ruhe und Tr&#228;ume brachte. Heute weiss ich nicht, wohin die Fahrt gehen soll. Ich w&#252;rde auch gerne etwas finden, etwas Ruhe, die Stille der Galaxien, den Schlaf, den versehentlich all die Ortsbesetzer und Zeitdiebe des Alltags aus meinem Leben vertrieben haben. Aber wohin ist er geflohen?</p>
<p>Inzwischen habe ich mich wieder hingelegt, das imagin&#228;re Raumschiffdach ge&#246;ffnet und wieder geschlossen. Ich liege einfach da unter meiner Decke auf diesem Sofa und betrachte den l&#228;nglichen Lichtkegel nun aus seinem Inneren heraus, eingesponnen in den Kokon dieses matten, d&#252;rren Scheins, der sich wie eine Zwangsjacke um mich legt.</p>
<p>Jetzt f&#252;hlt es sich nicht mehr so gut an, in diesem erdachten Raumschiff festzustecken, das sich so gar nicht fortzubewegen scheint. Die Phantasie will sich nicht auf den Weg machen, nicht aufbrechen zum Mond. Sie ist gefangen in diesem Lichtkegel, ausgeleuchtet jeder Gedanke, jedes Geheimnis, bevor es entstehen k&#246;nnte. Der Schlaf, er zerrt aus der Distanz am letzten Nerv, der blank im grellen Lichtschein liegt. Das Licht brennt auf jede meiner Nervenzellen hernieder, sengt die Synapsen an. Wenn der Schlaf geflohen ist, warum soll ich bleiben. Weg muss ich. Wohin nur?</p>
<p>Im Dunkeln, in den ferneren, uneinsehbaren Gefilden des Teppichs ertaste ich das Laptop und ziehe es ins Innere meines virtuellen Raumschiffs. Ich starte Google Earth. Wenn die Phantasie nicht reist, dann reist eben die Anschauung. Wohin nur? Ich starte in die zoomende Drehung der Erdkugel, fliege wirr um die Welt, gerate irgendwann nach Marathon, Texas, drehe die Welt immer wieder wie ein Karussell um meine eigene Blickachse und rase die US 385 Richtung S&#252;den. Und dann, nach all den tausenden von Kilometern, die ich in Sekunden zur&#252;ckgelegt habe, lande ich schliesslich wieder. Bei mir selbst. Ich bin auf das Haus zugeflogen, in dem ich liege. Ich sehe den grossen alten Baum, der im Garten steht, und dann sehe ich mich durch das Fenster in diesem Raumschiff aus Glas. Ich scheine mir zuzuwinken, nein, ich scheine um Hilfe zu winken. Als k&#246;nnte ich selbst Botin des Schlafes sein, die mich holen kommt, um uns wieder zusammenzubringen.</p>
<p>Doch Hilfe ist von mir nicht zu erwarten, also drehe ich ab. Weg hier, alles hinter mir lassen. Nicht der irdische Flug kann Entlastung bringen, ich muss in die stille Galaxix, um zu finden was ich suche. Mit zitterndem Finger zeige ich dem virtuellen Piloten &#252;ber ein kurzes Antippen des Planeten-Icons, wo ich hin will – zum Mond. An den Ort, an dem alles begann. Dort, wo Apollo 11 vor 43 Jahren zum ersten Mal aufgesetzt ist. Ein unpoetischer Platz in der Sprache der Ortung: 00.67408° n&#246;rdlicher Breitengrad, 23.47297° &#246;stlicher L&#228;ngengrad. Ein tiefpoetischer Ort, wenn er aus dem im Anflug mit Google Earth entsteht, das nun eigentlich Google Moon heissen m&#252;sste. Ganz langsam fliege auch aus dem Nichts darauf zu, ein Punkt nur, eine Ortsmarke in grauer Dunkelheit, auf die mein ganzes Sehnen gerichtet ist. „Rudernd in Eden, Ozean in mir, d&#252;rft ich nur ankern, heut’ Nacht in Dir.“ „Mare Tranquillitatis“ – das Meer der Seelenruhe.</p>
<p>Ich gleite langsam auf dieses virtuelle Meer zu und halte mich leicht westw&#228;rts. Dort tut sich ein Krater auf, breit und tief genug, um darin zu verschwinden. Aus der Dunkelheit meiner Raumschiffwelt trete ich &#252;ber, irgendwie, irgendwann, in die Dunkelheit dieses Kraters, der mich einfach verschluckt.</p>
<p>Als ich die Augen wieder &#246;ffne, ist es hell. Das Laptop liegt ge&#246;ffnet am Boden, der Bildschirm dunkel. M&#252;hsam richte ich mich von meinem Sofa auf und strecke mich. Der Blick f&#228;llt in den Spiegel gegen&#252;ber an der Wand. Der Morgenengel schaut mich an mit zerzaustem Haar und dunklen Ringen unter den Augen. ‚Du Armer’, denke ich, ‚die ganze Nacht hast du warten m&#252;ssen, um die verlorenen Lichtstrahlen wieder einzusammeln. Immerfort habe ich dich davon abgehalten. Und jetzt ist es zu sp&#228;t.’</p>
<p><a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/das-meer-der-seelenruhe-1.17842433">Neue Z&#252;rcher Zeitung</a> vom 24. November 2012</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Der digitale Achill</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Dec 2012 12:03:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[„Artistoteles wurde geboren, arbeitete und starb.“ Diesen Satz soll Martin Heidegger in einer seiner Vorlesungen gesagt haben. Damit beklagte Heidegger nicht die fr&#252;hen Auspr&#228;gungen menschheitsgeschichtlicher &#220;berlastungskonstanz, sondern wollte auf das f&#252;r ihn Wichtige hinaus. „Wenden wir uns also seinem Denken zu“, so lautet die folgende Aufforderung. Nicht der CV des Aristoteles z&#228;hlt, nicht die feinziselierten [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/12/161120091690.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-1839" title="161120091690" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/12/161120091690-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a></p>
<p>„Artistoteles wurde geboren, arbeitete und starb.“ Diesen Satz soll <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/alfred-denker/unterwegs-in-sein-und-zeit.html" target="_blank">Martin Heidegger</a> in einer seiner Vorlesungen gesagt haben. Damit beklagte Heidegger nicht die fr&#252;hen Auspr&#228;gungen menschheitsgeschichtlicher &#220;berlastungskonstanz, sondern wollte auf das f&#252;r ihn Wichtige hinaus. „Wenden wir uns also seinem Denken zu“, so lautet die folgende Aufforderung. Nicht der CV des Aristoteles z&#228;hlt, nicht die feinziselierten Erfolge und Lebensstationen machen ihn heute noch zum Orientierungspunkt f&#252;r viele Menschen. Sein Denken ist es. Daf&#252;r nahm er sich Zeit. Und so entstand Bleibendes.</p>
<p>Die Menschen in fr&#252;heren Zeiten haben es vielleicht besser verstanden als wir heute, zwischen dem Zustand der Besch&#228;ftigung und der Mu&#223;e zu unterscheiden, zwischen Un-Ruhe und Ruhe, zu wechseln. Arbeit war immer ein Zustand der Un-Ruhe.  Sie hatte sich der Ruhe unterzuordnen, denn nur in Ruhe konnte der Mensch zur Mu&#223;e gelangen. Und dort begann das Denken.</p>
<p>Was zu Zeiten des Aristoteles in selbstverst&#228;ndlichem Gleichgewicht war, ist heute aus dem Lot geraten. Warum wissen wir alle: Die Welt ist gr&#246;&#223;er und kleiner, n&#228;her und ferner, komplizierter und einfacher zug&#228;nglich zugleich geworden. Damit m&#252;ssen wir in unserem Leben umgehen. Und das macht immer mehr Menschen immer mehr Schwierigkeiten. Wir versuchen nicht, andere, neue, auch konsequente Priorit&#228;ten zu setzen, auszuw&#228;hlen, das Wichtige zu tun und das weniger Wichtige sein zu lassen. Wir versuchen, immer mehr in immer weniger Zeit gleichzeitig und gleich gut zu erledigen. Wir beschleunigen im Hamsterrad und merken dabei oftmals nicht, dass wir gar nicht mehr vorw&#228;rts kommen, sondern unser Leben in einer implodierenden Rotation gefangen ist, die der franz&#246;sische Philosoph <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=pb&amp;dig=2012%2F09%2F08%2Fa0047&amp;cHash=7e8c5fea6a85dd6269f58026238f78f4" target="_blank">Paul Virilio</a> als „rasenden Stillstand“ bezeichnet hat.</p>
<p>Das ist nichts Neues, lediglich die Wiedererfindung eines historisch bekannten menschlichen Problems unter anderen Vorzeichen. <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13518477.html" target="_blank">Hans Blumenberg</a> hat diesen Konflikt schon beschrieben in seinem Werk „Lebenszeit und Weltzeit“ (1986) – zwei Dimensionen von Zeit, die im Zuge der Moderne zunehmend auseinanderfallen. Wir beschleunigen unser Leben exzessiv, um dadurch alles auszunutzen, was es auszunutzen gibt, denn nach dem Tod kommt ja nichts mehr. Die Idee, es k&#246;nne eine weitere Zeit geben, die nach dem Tod beginnt und die den Zeitmangels im irdischen Leben heilt, haben wir im Zuge der S&#228;kularisierung entsorgt. Also muss alles hier und jetzt sein. Das Leben ist in jedem Atemzug letzte Gelegenheit. Nutzen wir sie, und atmen wir schneller!</p>
<p>So kommt es zustande, dass wir um die Welt rasen in Flugzeugen, die immer schneller werden, bis sie explodieren, wie im Jahr 2000 die Concord. Und mit ihnen implodiert die Idee der grenzenlosen Beschleunigung. So checken wir atemlos unsere Emails, unsere Facebook-Status-Updates und unser Aussehen im virtuellen Spiegel des iPad um festzustellen, wer was wann von uns wollte oder auch nicht, und darauf jeweils unmittelbar, sofort und ohne viel gedankliche Zeitverz&#246;gerung zu reagieren. Bis die Instantkommunikation sich aufl&#246;st in einem dumpfen, milchigen Nebel des allumfassenden On-Seins, zusammenger&#252;hrt aus zwei Millionen Suchanfragen, 100.000 Tweets, 48 Stunden Youtube-Videos, 205 Millionen Emails und 685.000 Facebook-Postings in <a href="http://www.domo.com/blog/2012/06/how-much-data-is-created-every-minute/" target="_blank">jeder Minute</a> unseres gemeinschaftlich beschleunigten virtuellen Lebens.</p>
<p>Irgendwann werden wir zum digitalen Achill. Zum digitalen Abbild des Menschen, der in dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Achilles_und_die_Schildkr&#246;te" target="_blank">Gleichnis des Aristoteles</a> einen Wettlauf mit einer Schildkr&#246;te macht. Achill gew&#228;hrt der Schildkr&#246;te einen Vorsprung, weil er wei&#223;, dass er sowieso schneller ist, um dann festzustellen, dass er den Vorsprung der Schildkr&#246;te nie wieder einholen kann. Warum das so ist? In der Zeit, die Achill daf&#252;r ben&#246;tigt, um die Schildkr&#246;te einzuholen, hat diese bereits einen neuen Vorsprung gewonnen. Den muss Achill dann wiederum einholen, und so geht das unendlich weiter. Die Vorspr&#252;nge der Schildkr&#246;te werden immer kleiner, aber sie bleiben Vorspr&#252;nge.</p>
<p>So ist es auch mit unserem Leben. Wir glauben, wir k&#246;nnten den Wettlauf mit allem und jedem unter dem Gesichtspunkt der &#252;ber die Beschleunigung zu bew&#228;ltigenden Strecke angehen. Doch wenn wir das tun, beh&#228;lt das Leben immer einen Vorsprung, es ist uns immer ein St&#252;ck voraus. Denn wenn wir glauben, das eingeholt zu haben, was als Differenz vor uns lag, ist schon wieder etwas Neues geschehen, und alles beginnt von vorn. Statt zu leben laufen wir dem Leben hinterher. Ein jeder versucht so, ganz wie Achill, die L&#252;cke zwischen dem Leben <em>an sich</em> und dem Leben <em>f&#252;r sich</em> zu verkleinern.</p>
<p>Das Besorgniserregendste aber ist:  Manchen Menschen reicht es nicht, in der Beschleunigung systematisch zu scheitern. Sie schaffen das auch noch in der Schubumkehr, der Entschleunigung. Anstatt sich dem Leben des eigenen Lebens zuzuwenden, werden wir zu Gegenbewegungsfanatikern. Wo es Fast Food gibt, muss es nun Slow Food geben, und zwar bitte konsequent. Wo wir bislang mit &#220;berschallgeschwindigkeit um die Welt geflogen sind, m&#252;ssen wir jetzt wochenlang auf Frachtschiffen fahren oder gleich Schritt f&#252;r Schritt auf jedem Differenzpunkt einer Ortsver&#228;nderung meditativ herumtrampeln. Wo wir ansonsten im digitalen Geflimmer von tausenden von Emails, Tweets und Postings gefangen sind, laden wir uns nun „<a href="http://macfreedom.com" target="_blank">MacFreedom</a>“ auf den Computer und sagen dem Programm, wie lange wir die virtuelle Entschleunigung genie&#223;en wollen: 60 oder 480 Minuten? Nichts geht mehr dann. Der Rechner schaltet ab, damit wir Ruhe haben, und nichts und niemand wird ihn vor Ablauf der Ruhezeit wieder zum Laufen bringen.</p>
<p>Nicht das Leben langsamer leben, sondern Langsamkeit zum Erlebnis machen, das ist die Maxime des Entschleunigungsparadigmas unserer noch immer knappen Zeit. Langsamkeit und Ruhe auf Knopfdruck, und sei es, dass man sich mit einem Hubschrauber auf eine einsame Insel fliegen l&#228;sst, um dort exakt 24 Stunden lang zu entschleunigen und der Vita Contemplativa zu fr&#246;nen. In unserem inneren Ohr h&#246;ren wir schon die Rotoren, die uns bald wieder holen kommen. Auch in der Entschleunigung praktizieren wir das Muster der Effizienz durch Perfektion und Disziplinierung. „Keine Atempause, denn Pause wird gemacht, es geht voran!“</p>
<p>Bei manch einem Menschen kommt irgendwann der Punkt in diesem Leben, wo er feststellen muss: So geht es nicht weiter. Es gibt eine Grenze der Steigerungsm&#246;glichkeiten in der Lebensbe- oder entschleunigung. Die Grenze l&#228;uft mitten durch unseren Kopf hindurch und auch mitten durch unsere Seele. Und wenn wir sie nicht sehen und nicht beachten und einfach immer wieder &#252;ber sie dr&#252;ber trampeln, dann wird sie zur Wunde, zum wuchernden Spalt, der uns irgendwann in zwei Teile rei&#223;en kann. In den Menschen, der wir sind, und in den Menschen, der wir zu sein versuchen. In der allgegenw&#228;rtigen Beachtung der Anforderungen einer beschleunigenden Welt und in der ebenso allgegenw&#228;rtig konstanten Ignoranz gegen&#252;ber der eigen Lebenszeit vergessen wir: <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/hartmut-rosa/beschleunigung.html" target="_blank">Beschleunigung</a> ist die &#220;bersetzung der allumfassenden Wachstumslogik in die Zeitdimension. Und Entschleunigung ist schlicht dasselbe unter negativen Vorzeichen. Aber beides f&#252;hrt nicht dazu, dass wir unser Leben auch nur einmal wirklich einholen k&#246;nnten. Es bleibt uns fern durch den immerw&#228;hrenden logischen Vorsprung. Und wir bleiben gefangen im Hamsterrad. Die Zeitspie&#223;er der Moderne als einer unguten Kombination aus Zeitkapitalismus und Zeitpuritanismus.</p>
<p>Die einzige M&#246;glichkeit, diesem Fanatismus der Zeitperfektionierung unter positiven und negativen Vorzeichen zu entkommen, liegt in der Wiederentdeckung der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zeitdilatation" target="_blank">Eigenzeit</a>. In der Eigenzeit empfinden wir Zeit immer in Relation zu uns selbst. Wenn wir innerhalb unseres individuellen Gravitationsfeldes bleiben, laufen unsere Uhren langsamer, die Zeit darf sich dehnen, ja sie muss es gar. Wir sind dann vielleicht nicht in Lichtgeschwindigkeit unterwegs, aber in der Zeitform, die erhellend sein kann, ja aufkl&#228;rerisch im besten Sinne des Wortes. Die Einsicht in die Gesetzm&#228;&#223;igkeiten der Eigenzeit h&#228;lt die Chance f&#252;r uns bereit, aus der selbstverschuldete Zeitunm&#252;ndigkeit auszubrechen. Und nur dann entstehen die Momente, die sich dehnen d&#252;rfen und in denen wir pl&#246;tzlich ganz da sind f&#252;r echtes Denken und f&#252;r ein Empfinden des Lebens als gl&#252;ckliche F&#252;gung.</p>
<p>Wer das nicht an und f&#252;r sich versteht, der hat vielleicht eine letzte Chance. Dann n&#228;mlich, wenn ihm irgendwann im Wettlauf um Lebenszeit eine besonders kluge Schildkr&#246;te begegnet, wie sie Douglas R. Hofstadter einst beschrieben hat: Die Schildkr&#246;te sitzt mit Achill in einem chinesischen Restaurant, beide sind fertig mit Essen, und schon wendet sich Achill hastig seinem chinesischen Gl&#252;ckskeks zu. Und da sagt die Schildkr&#246;te zu Achill: „Leider haben Sie scheint’s einen Teil Ihres Gl&#252;cks verschluckt. Was steht auf dem Rest?“</p>
<p><em>siehe auch: Handelsblatt vom 30. November 2012</em></p>
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		<title>M&#228;nnlich, ledig, Geek &#8211; wo ist die Vielfalt der Netzmacher?</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Nov 2012 00:10:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Eins ist mal klar: in der IT-Branche gibt es vorm Damenklo keine Schlange. Das mag f&#252;r die wenigen Vorzeigefrauen der Branche praktisch sein. Aber der Weg zum Klo bleibt auch der einzige Durchmarsch, der Frauen in der Netzwelt geg&#246;nnt ist. Es gibt sie, die wenigen, die es an die Spitze geschafft haben. Sheryl Sandberg geh&#246;rt [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/11/IMG_0401.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-1835" title="IMG_0401" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/11/IMG_0401-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a></p>
<p>Eins ist mal klar: in der IT-Branche gibt es vorm Damenklo keine Schlange. Das mag f&#252;r die wenigen Vorzeigefrauen der Branche praktisch sein. Aber der Weg zum Klo bleibt auch der einzige Durchmarsch, der Frauen in der Netzwelt geg&#246;nnt ist. Es gibt sie, die wenigen, die es <a href="http://www.msmagazine.com/winter2012/womenofthevalley.asp" target="_blank">an die Spitze geschafft</a> haben. Sheryl Sandberg geh&#246;rt dazu, die Facebook seit 2008 geh&#246;rig umgekrempelt und den B&#246;rsengang m&#246;glich gemacht hat. Marissa Mayer hat es als Mitarbeiter Nummer 20 bei Google in eine F&#252;hrungsposition geschafft und steuert seit diesem Sommer als CEO die Geschicke von Yahoo!  Auch Meg Whitman geh&#246;rt dazu, einst CEO von eBay und nach einem verlorenen Gouverneurswahlkampf in Kalifornien auf den Chefsessel von Hewlett-Packard gewechselt. Drei Vorzeigebeispiele, die durch die Medien gereicht werden: Seht her, es gibt sie, die erfolgreichen Frauen der Netzwelt.</p>
<p>Schauen wir uns genauer in den Tiefenstrukturen des Internet um, dort wo Startups gegr&#252;ndet, neue Anwendungen getestet oder durch Crowdsourcing Inhalte geschaffen werden, sieht es anders aus. Dort endet „Diversity“ in einer toten Leitung. Der L&#246;wenanteil derer, die im Netz etwas starten und machen, sind junge, wei&#223;e M&#228;nner. Und der Gro&#223;teil von denen wiederum stammt aus den USA, aus der Region um New York, vor allem aber dem Silicon Valley in Kalifornien. Die Website „<a href="http://www.buzzfeed.com/benjaminj4/how-white-is-the-new-internet" target="_blank">BuzzFeed</a>“ hat sich vor zwei Monaten die demographische Verteilung bei den Erstnutzern, den „Beta Testern“, dreier k&#252;rzlich gestarteter Plattformen – „Svbtle“, „App.net“ und „Medium“ – angeschaut. Ergebnis: von knapp 2.300 Akteuren waren, je nach Plattform, zwischen 61 und 88 Prozent wei&#223;e M&#228;nner. Vielleicht gen&#252;gt schon ein lebensweltlicher Blick auf diese Daten um festzustellen: Hier gibt’s ein Problem.</p>
<p>Die Erstnutzer solcher neuen Angebote bauen ihr Netzwerk, geben Feedback und machen Verbesserungsvorschl&#228;ge. Sie pr&#228;gen so die Weiterentwicklung der Plattformen und Dienstleistungen und bauen an deren sozialer Struktur mit. Im ersten Schwung der Internetentwicklung haben die Launen und Pr&#228;ferenzen der „Alpha Geeks“ das Netz gepr&#228;gt. Bill Gates und Paul Allen (Microsoft) oder Steve Jobs (Apple) sind bekannte Beispiele der 1.0-Welt. In der 2.0-Welt geht es genauso weiter: Larry Page und Serge Brin von Google und Mark Zuckerberg, Facebook, f&#252;hren den Reigen an. Aber die 2.0-Welt verspricht uns Anderes. Vom offenen, freien, demokratisierten und diversen Netz ist da immer wieder die Rede. Es ist ein Treppenwitz der Netzgeschichte, dass ausgerechnet diese Kriterien dazu gef&#252;hrt haben, das Internet zu einer Infrastruktur der vornehmlich wei&#223;en, m&#228;nnlichen Geeks aus den USA zu machen.</p>
<p>Schon vor Jahren haben Beobachter im Netz zu <a href="http://www.cs.swarthmore.edu/~eroberts/cs91/projects/women-in-cs/geekculture.html" target="_blank">diskutieren</a> begonnen, warum dessen Macher zwar extrem gut ausgebildet, engagiert und kreativ sind, dabei aber abweichende Meinungen kaum tolerieren und sogar ein feindliches Umfeld f&#252;r die schaffen, die als Newcomer noch lernen m&#252;ssen. Verhaltensregeln, soziale Kommunikation, mehr Frauen? Fehlanzeige! Die Geeks m&#246;gen es nicht, wenn man ihnen dazwischenfunkt. Frauen haben auf solche Spielchen zumeist schlicht keinen Bock  und ziehen sich zur&#252;ck. Die wenigen Frauen in der Piratenpartei k&#246;nnen davon ein Lied singen.</p>
<p>F&#252;r die Online-Enzyklop&#228;die <a href="http://www.nytimes.com/2011/01/31/business/media/31link.html?_r=0" target="_blank">Wikipedia</a> bedeutet das zum Beispiel: Weniger als 15 Prozent derjenigen, die Beitr&#228;ge schreiben oder bearbeiten sind Frauen – mit sichtbaren Folgen: So finden sich &#252;ber den spanischen Schuhdesigner Manolo Blahnik gerade mal drei sp&#228;rliche Abs&#228;tze bei Wikipedia, obwohl die Schuhe durch die TV-Serie „Sex and the City“ zum Kultprodukt wurden. &#220;ber die Krawatte an und f&#252;r sich kann man dagegen seitenlange Ausf&#252;hrungen lesen – von der geschichtlichen Abhandlungen &#252;ber Knotenvarianten bis zu Tragehinweisen.</p>
<p><a href="http://www.nytimes.com/2011/01/31/business/media/31link.html?_r=0" target="_blank">Sue Gardner</a>, Executive Director der Wikimedia Stiftung, hat das Ziel ausgegeben, bis 2015 den Anteil der weiblichen Beitragenden bei Wikipedia auf 25 Prozent zu erh&#246;hen. Als Begr&#252;ndung sagt sie: „Jeder bringt bei uns sein Br&#246;ckchen Information auf den Tisch. Wer nicht mit am Tisch sitzt, dessen Br&#246;ckchen geht uns verloren.“</p>
<p>Vielleicht ist „Br&#246;ckchen“ ein irref&#252;hrendes Diminutiv. Es geht nicht nur um Informationen, die fehlen, wenn Frauen im Internet weiterhin schweigende Minderheit bleiben. Das Internet wird zur digitalen Infrastruktur unserer vernetzten Zivilisation. Wenn Frauen daran nicht st&#228;rker mitbauen, reproduziert, ja, verst&#228;rkt sich das Ungleichgewicht der realen Welt im Virtuellen.</p>
<p>Frauen k&#246;nnten mehr betragen. Dazu braucht es auch Netzwerke, mehr Informatikerinnen und intensiveren Austausch &#252;ber die eigenen M&#246;glichkeiten, zum Beispiel in der Schlange vorm Damenklo.</p>
<p><a href="http://www.taz.de/Aus-der-Quoten-taz/!105709/" target="_blank">Quelle</a>: taz vom 17. November 2012</p>
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		<title>No default &#8211; die Grenzen der Freiheit im Internet</title>
		<link>http://www.miriammeckel.de/2012/11/12/no-default-die-grenzen-der-freiheit-im-internet/</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Nov 2012 21:58:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[„There is someone in my head but not me“ (Pink Floyd) Sie steht immer offen, die Pforte der Suchmaschine Google. Sie f&#252;hrt uns vermeintlich direkt ins Reich der grenzenlosen Information. Vermeintlich. Tats&#228;chlich gibt es viele Grenzen und Schranken und auch viel Unauffindbares, wenn wir der Google-Pforte ins Netz gehen. Von alledem sehen und wissen wir [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/11/Think_it_is_not_illegal.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-1831" title="Think_it_is_not_illegal" src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/11/Think_it_is_not_illegal-300x264.jpg" alt="" width="300" height="264" /></a></p>
<p><em>„There is someone in my head but not me“</em> (Pink Floyd)</p>
<p>Sie steht immer offen, die Pforte der Suchmaschine Google. Sie f&#252;hrt uns vermeintlich direkt ins Reich der grenzenlosen Information. Vermeintlich. Tats&#228;chlich gibt es viele Grenzen und Schranken und auch viel Unauffindbares, wenn wir der Google-Pforte ins Netz gehen. Von alledem sehen und wissen wir fast nichts.</p>
<p>Der Google Weg ins Netz ist ein Gang durch unsichtbare Schlagb&#228;ume, die man nur sehr kenntnis- und trickreich &#252;berwinden kann, so wie es der Autor Roberto Bolaño in einer Geschichte aus dem „Geheimnis des B&#246;sen“ erz&#228;hlt. Da hat der Junge Laurato eine Methode entwickelt, mit der er sich automatischen T&#252;ren n&#228;hert, ohne dass sie sich &#246;ffnen. „If God was omnipresent, automatic doors should always be open“. Laurato will den Beweis liefern, dass er die Automatik und so auch den allgegenw&#228;rtigen, allwissenden Gott &#252;berlisten kann. Und das gelingt. Er n&#228;hert sich in Zeitlupenbewegungen einer automatischen T&#252;r, und irgendwann steht er vor dem Glas, au&#223;erhalb der Reichweite der Sensoren, die ihn doch l&#228;ngst h&#228;tten erfassen sollen, und legt seine H&#228;nde an die Scheiben, um zu sp&#252;ren, dass da etwas ist. Ein Widerstand. Der Beweis, dass offene T&#252;ren nicht gottgegeben sind.</p>
<p>Tats&#228;chlich sind auch an der Google-Pforte eine Menge Sensoren angebracht, die im Moment des &#220;bertritts unsere Profile pr&#252;fen, sie anhand des erneuten Eintritts erweitern und anpassen, die uns im Netz verfolgen, um uns schlie&#223;lich die Informationen zu liefern, die zu uns passen. Wir werden also f&#252;r uns selbst unsichtbar, ungefragt und ohne unser Entscheiden zu einem Informationsreservoir gef&#252;hrt, das die Google Algorithmen f&#252;r uns ausgew&#228;hlt haben. Vielleicht w&#252;rden wir anders entscheiden, wenn wir k&#246;nnten. Wir k&#246;nnen aber nicht.</p>
<p>Die neue Freiheitsgrenze im Netz hei&#223;t „Default“. Sie bezeichnet die Standardeinstellung unseres Eintritts ins Internet. Da gibt es den Suchstandard, der sich in einem Marktanteil von knapp 96 Prozent f&#252;r Google in Deutschland zeigt. Da gibt es Vernetzungsstandards, die im weltweiten Siegeszug von Facebook und dem Verschwinden alternativer Plattformen, wie Myspace oder StudiVZ, liegen. Wir lassen uns faszinieren von einem propriet&#228;ren Standard, den Apple uns aufgibt, und der es beispielsweise nicht einmal erlaubt, ein iPad und ein anderes Smartphone per Bluetooth zu koppeln. Was nicht dem Standard entspricht, wird schlicht „nicht unterst&#252;tzt“. Es gibt einen Zustimmungsstandard, der sich im Symbol eines hochgereckten Daumens manifestiert: „like“. Und es gibt den Personalisierungsstandard: ich bin meine eigene Grenze bei der Entdeckung von Neuem.</p>
<p>Manche Erfahrung kommt da der virtuellen Freiheitsberaubung gleich, und sei es nur beim Einkaufen im Netz. Das merkt nur der K&#228;ufer, der beispielsweise Musik oder TV-Serien bei iTunes kaufen m&#246;chte, die es im deutschen System nicht gibt. Hat der K&#228;ufer einmal den Store gewechselt, behandelt iTunes ihn so, als w&#252;rde er in einem Laden eingeschlossen, so lange, bis er alles Geld in seinem Portemonnaie dort ausgegeben hat. Und, wehe, zwischen den Euros steckt noch eine Dollarnote! iTunes l&#228;sst uns so lange nicht raus, bis wir ein Produkt gefunden haben, das diesen Dollar wert ist, mit dem wir uns freikaufen k&#246;nnen.</p>
<p>Zwei N&#228;chte hat es gedauert, bis ich mich w&#228;hrend einer Konferenz in San Diego erfolgreich beim US-iTunes-Store angemeldet hatte, um eine Staffel der Serie „Covert Affairs“ herunterzuladen, die es auf Deutsch noch nicht gab. Sie haben keinen permanenten Wohnsitz in den USA? Ihre amerikanische Kreditkarte hat eine Schweizer Basisadresse? Dann fliegen sie schneller zum Mond, als in den US-Store zu kommen. Es geht schlie&#223;lich, wenn man einen iTunes-Gutschein einl&#246;st und einfach eine xbeliebige Hoteladresse angibt. Aber dann versuchen sie mal, wieder zur&#252;ck nach Deutschland zu wechseln, wenn der Gutschein nicht ganz ausgegeben ist. Ein Produkt f&#252;r 53 Cent m&#252;sste her, das gibt es aber im ganzen Store nicht. Ist das lebenswichtig? Sicher nicht. Aber es zeigt: In einer globalisierten, vernetzten Welt versprechen uns die Internetkonzerne, wir seien freie B&#252;rger, die &#252;berall Zugriff haben. Und faktisch scheitern wir schon an einem simplen Kaufakt.</p>
<p>Durchaus wesentlichere Eingriffe in die Freiheit des Einzelnen sind &#196;nderungen f&#252;r den Schutz unserer Privatsph&#228;re, wie Facebook sie verschiedentlich vorgenommen hat, ohne uns vorher zu fragen. Die Nutzerinnen und Nutzer m&#252;ssen dann erst m&#252;hsam die Einstellungen wieder r&#252;ckg&#228;ngig machen, nachdem sie von anderen dar&#252;ber informiert wurden. Ein Beispiel: Wer sich irgendwo im &#246;ffentlichen Leben einmal identifiziert hat, muss nicht davon ausgehen, dass diese Information dann national fl&#228;chendeckend &#252;bertragen wird. Wir haben die Chance, an einer Stelle anonym zu bleiben, w&#228;hrend wir an anderer Stelle identifiziert sind. Auf Facebook war dies im Sommer 2010 pl&#246;tzlich anders. Mit der „Gesichtserkennung“ („Facial recognition“) hat das Soziale Netzwerk eingef&#252;hrt, dass nach eimaliger Identifizierung eines Netzwerkteilnehmers ein „identifizierungsvorschlag“ auf alle anderen Fotoinformationen im gesamten Netzwerk angewandt wurde. Zur Erinnerung: Wir reden hier inzwischen von einer Milliarde Mitgliedern. Einmal erkannt, immer erkannt. Das Ganze geschah ohne Vorwarnung und als neue „Standardeinstellung“. Nutzer, die das nicht wollten, mussten sich in einem m&#252;hsamen Prozess aus dem „Service“ abmelden. Inzwischen hat Facebook die „Gesichtserkennung“ auf Druck des irischen Datensch&#252;tzers ausgesetzt. Der Kampf um das Recht auf Privatheit ist z&#228;h im Netz. Er handelt nicht nur von m&#252;hsamen Klicks, sondern von Privatsph&#228;re als Voraussetzung von Freiheit in unserem Leben.</p>
<p>In diesem Sommer &#228;nderte Facebook pl&#246;tzlich, wieder ohne vorherige Anfrage, die Emailadressen von etwa 900 Millionen Nutzerinnen und Nutzern in eine Facebook-Mailadresse. Wer von da an weiter mit seiner urspr&#252;nglichen Emailadresse und nicht als „@facebook.com“ im globalen Netzwerkverteiler auftauchen wollte, war gezwungen, die Einstellung per Hand wieder zur&#252;ckzusetzen. Was w&#252;rden wir tun, wenn die Post unsere Briefe pl&#246;tzlich an eine Sammelstelle schickte, ohne uns zu fragen. Der Aufschrei w&#228;re vermutlich gewaltig. Im Netz nehmen wir das alles hin. Vielleicht weil es noch immer weniger wichtig erscheint als das, was im realen Leben geschieht. Vielleicht auch, weil es einfach zu viel M&#252;he macht, alles st&#228;ndig zu kontrollieren und auf dem Laufenden zu bleiben.</p>
<p>Das geh&#246;rt auch zur Freiheit dazu: Sie ist eine fortw&#228;hrende Zumutung. Sie verlangt aktives Mitdenken und Verhalten, und sie macht M&#252;he. Freiheit kommt nicht von nichts. Sie kommt davon, dass Menschen f&#252;r sie streiten und k&#228;mpfen, auch im Netz. Dort klicken wir bei jeder Ver&#228;nderung der allgemeinen Gesch&#228;ftsbedingungen von Apple mal eben auf „akzeptiert“, denn niemand hat Lust, zig Seiten zu lesen, um einen Song runterzuladen. Und die Privacy Regeln von Facebook liest auch fast niemand im Detail, obwohl sie deutlich l&#228;nger sind als die US-Verfassung und uns folglich wohl einiges zu sagen h&#228;tten.</p>
<p>Viele Netznutzer machen sich nicht die M&#252;he, tief in die „Settings“ ihres digitalen Seins hinein zu tauchen, um ihre eigenen Standards neu zu setzen. Zum Beispiel &#252;ber die Privacy-Einstellungen bei Facebook oder &#252;ber das Google Dashboard. Dann wissen wir nicht, wie wenig Freiheit uns das Netz manchmal l&#228;sst. Denn wesentliche Mechanismen und Einflussgr&#246;&#223;en unserer digitalen Existenz bleiben uns verborgen.</p>
<p>Verborgen ist das Gegenteil von transparent. Transparenz ist meist etwas Gutes, denn sie macht Dinge beobachtbar und uns sehend. Und das sind Voraussetzungen f&#252;r freies Entscheiden und Handeln. Der Google-Suchalgorithmus ist besser gesch&#252;tzt als das Rezept f&#252;r Coca Cola, beeinflusst aber viel substanzieller unsere Entscheidungs- und Handlungsfreiheit. Und Google denkt nicht daran, die Entscheidung &#252;ber die Art des Suchens im Netz f&#252;r uns transparent zu machen. Das ginge leicht, indem wir auf der Startseite zwischen zwei Eingangspforten w&#228;hlen k&#246;nnten: hier die personalisierte, dort die generelle Suche. Die Freiheit der Wahl l&#228;ge dann beim Nutzer. Den muss man nicht vor sich selbst sch&#252;tzen. Aber man muss ihm die Informationen geben und die M&#246;glichkeit, eine Entscheidung zu treffen. Tut man das nicht, wird das Netz zu einem unfreien Raum, und Transparenz wird zum Vehikel der Unfreiheit. „Die totale Transparenz macht uns selbst zur Maschine“, sagt der Philosoph Byung-Chul Han. Zu einer Konsummaschine, lie&#223;e sich pr&#228;zisieren. Wir m&#246;gen als Menschen in die Welt geworfen sein, aber wir sollten nicht nackt ins Netz geworfen sein. Das Internet ist eine wichtige Lebensform. Wir sollten sie zugunsten unserer Freiheit gestalten.</p>
<p>Wenn die Alternativen des Lebens im Netz f&#252;r uns unsichtbar sind, wenn wir nicht wissen, welches die Funktionsweisen und Mechanismen sind, die uns im Internet steuern oder zumindest beeinflussen, dann k&#246;nnen wir keine Entscheidung dar&#252;ber treffen, wo und wie wir dabei sein wollen. Dann entf&#228;llt eine wichtige Information als ein „Unterschied, der einen Unterschied macht“, wie es der Soziologe Gregory Bateson einst formulierte. Dieser Unterschied ist aber im Sinne der Aufkl&#228;rung eine Grundvoraussetzung menschlicher Freiheit. Wir m&#252;ssen von unserer Vernunft Gebrauch machen k&#246;nnen. Dazu sollten wir uns auf einen weiteren Unterschied besinnen – den zwischen negativer und positiver Freiheit, der die Freiheitsgedanken der Philosophiegeschichte durchzieht, von Immanuel Kant bis zu Isaiah Berlin.</p>
<p>Bislang sprechen wir beim Internet meist &#252;ber die negative Freiheit als Abwehrrecht gegen&#252;ber Eingriffen des Staates in unsere Netzautonomie. Zensurla l&#228;sst gr&#252;&#223;en. Das grundgesetzlich gesicherte Recht auf freien Zugang zu Informationen und freie Meinungs&#228;u&#223;erung kann aber auch als positive Freiheit verstanden werden. Dann bedeutet es, dass wir das Recht haben, uns aktiv offen und frei zu informieren. Dass wir nicht dar&#252;ber im Unklaren gelassen werden, welche Mechanismen dem entgegenstehen. Dass wir wissen k&#246;nnen, wo es Grenzen gibt, damit wir uns zu ihnen verhalten k&#246;nnen. Ein erster Ansatz ist die nun von der EU-Kommission eingef&#252;hrte &#220;berlegung zu einer „opt in/opt out“ M&#246;glichkeit, bei der Nutzer entscheiden, was sie zulassen wollen. Sie auf die Freiheit des Verzichts auf unerw&#252;nschte Werbung zu beschr&#228;nken, steht f&#252;r eine sehr kleine Freiheit, die uns im gro&#223;en Netz gew&#228;hrt werden soll.</p>
<p>Der Soziologe Niklas Luhmann hat schon mit Blick auf die Mechanismen einer marktwirtschaftlichen Mediendemokratie darauf verwiesen, dass wir Freiheit auch „als Unerkennbarkeit der Ursache von Freiheitsbeschr&#228;nkungen“ verstehen k&#246;nnten. So k&#246;nnen wir auch die Freiheit im Internet interpretieren: Was ich nicht seh, tut mir vermeintlich nicht weh.</p>
<p>Vielleicht wollen wir es ja nicht anders. Vielleicht wollen wir alle sein wie Miranda, die Protagonistin aus Ingeborg Bachmanns Erz&#228;hlung „Ihr gl&#252;cklichen Augen“. Miranda ist sehr kurzsichtig und sehr astigmatisch, im direkten und im indirekten Sinne. Sie tr&#228;gt keine Brille, um die Welt nicht in allen ihren Schattierungen sehen zu m&#252;ssen. Am Ende prallt sie auf eiligem Wege zusammen mit einer Glast&#252;r, denn offene T&#252;ren sind nie Gott gegeben. Sie schleudert hin in einem Hagel aus Glasscherben, „immer das Gute im Auge behalten“, w&#228;hrend ihr das Blut aus Mund und Nase schie&#223;t. So l&#228;sst sie sich gestalten, die Konfrontation mit der unsichtbaren Welt. Wenn wir das nicht wollen, sollten wir beginnen, es Laurato gleich zu tun. Wir sollten uns anschleichen, um irgendwann die Hand auf das Glas legen zu k&#246;nnen, das uns trennt. Von was auch immer.</p>
<p><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/macht-der-netzkonzerne-wo-im-internet-die-freiheit-endet-1.1512591" target="_blank">S&#252;ddeutsche Zeitung vom 4. November 2012</a></p>
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		<title>Gl&#252;cksbilanzdefizit</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Sep 2012 11:44:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir m&#252;ssen diese Geschichte zwei Mal beginnen lassen. Einmal liegt in ihr der Zauber eines warmen Tages, lichtdurchflutet in der fr&#252;hen Morgenstunde, in der das Auto auf der I-10 Richtung Osten f&#228;hrt. Die rauen Berge erheben sich in der Ferne und doch im Zentrum des Blickfelds &#252;ber dem schnurgeraden Asphalt in einem Rotbraun vor hellblauem [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/09/DSC01784.jpg"><img src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/09/DSC01784-e1348486708774-225x300.jpg" alt="" title="DSC01784" width="225" height="300" class="alignnone size-medium wp-image-1825" /></a><br />
Wir m&#252;ssen diese Geschichte zwei Mal beginnen lassen. Einmal liegt in ihr der Zauber eines warmen Tages, lichtdurchflutet in der fr&#252;hen Morgenstunde, in der das Auto auf der I-10 Richtung Osten f&#228;hrt. Die rauen Berge erheben sich in der Ferne und doch im Zentrum des Blickfelds &#252;ber dem schnurgeraden Asphalt in einem Rotbraun vor hellblauem Himmel. Und eine Armee an Kakteen bildet menschliche Silhouetten, die Ableger auf beiden Seiten wie Arme ausgestreckt und ein Bl&#252;tenh&#228;ubchen oben auf dem Haupttrieb wie den Hut, der zum Gru&#223;e gezogen werden soll. Sie winken steif und stumm entlang des Highways, der schlie&#223;lich &#252;ber den Superstition Freeway Richtung Apache Junction f&#252;hrt. Dort beginnt der Apache Trail, die fr&#252;here Handelsstra&#223;e des gleichnamigen Indianerstammes, auf der sie durch die Berge, die Superstition Mountains gezogen sind. Von der flachen Stra&#223;e des Aberglaubens in die Berge des Aberglaubens, so geht die Reise. Nicht nur geografisch.</p>
<p>Im zweiten Anfang dieser Geschichte ger&#228;t ein Kratzer ins Bild, der nicht mehr verschwinden wird. Vielleicht ist die Hitze doch schon morgens gro&#223; und der Weg trotz schnurgeraden Highways unklar. Wo ist die &#8220;Apache Junction&#8221;? An einer Tankstelle halte ich an und steige aus. Auf dem Fenstervorsprung zum Tankstellenladen sitzt ein Mann, vielleicht um die f&#252;nfzig, das ist schwer zu sagen. Er sieht aus, als h&#228;tte er einiges erlebt. &#8220;Kannst du mir helfen?&#8221;, frage ich auf der Suche nach Wegbeschreibungen. Pause. &#8220;Kannst du mir helfen?&#8221;, fragt er zur&#252;ck. &#8220;Wenn ich dir eine Pistole gebe, kannst du mich erschie&#223;en?&#8221;</p>
<p>Es ist das Echo dieses Schusses, das mir nun folgt. Ein Schuss, der nicht gefallen ist, und doch in meinem Kopf hallt. &#8220;Can you shoot me&#8221;. Sein Echo durchzieht diese Reise durch die Narben des fast gewaltsamen Strebens nach dem Gl&#252;ck. So auch den Beginn eines gl&#252;cklichen Tages am Rande von Phoenix, Arizona, im &#8220;Valley of the Sun&#8221;, auf der Sonnenseite des Lebens. In einer Region der USA, die jahrelang h&#246;chste Zuzugsraten aufgewiesen hat. Die Menschen kamen, um zu bleiben, ihren Lebensabend im warmen, sonnigen Klima des W&#252;stenstaats zu verbringen. Nicht mehr Kalifornien mit seinen Str&#228;nden. Arizona, New Mexiko, Nevada wurden popul&#228;r. Viele St&#228;dte in Arizona sind in den vergangenen zehn Jahren aus allen N&#228;hten geplatzt. Fast 30 Prozent hat der Staat insgesamt an Bev&#246;lkerung zugelegt. Die Zahlen f&#252;r die einzelnen St&#228;dte reichen von knappen 18 Prozent f&#252;r das beschauliche Scottsdale und bis zu knapp 600 Prozent f&#252;r Queen Creek, beides Vororte, die inzwischen zum Gro&#223;raum Phoenix geh&#246;ren. Doch die Niederlassungswelle ist l&#228;ngst abgeebbt. Heute kommt kaum jemand mehr.</p>
<p>Was haben sie gesucht, diejenigen, die nach Arizona kamen, um zu bleiben. Sie kamen f&#252;r das gute und richtige Leben. Ein Leben in Ruhe und Stabilit&#228;t, und doch auch bezahlbar. Das Regeln hat und verl&#228;ssliche Bedingungen kennt. Sie kamen, um ihr Gl&#252;ck zu machen mit allen Mitteln. Sie haben daf&#252;r gearbeitet. Sie sind umgezogen und haben neu angefangen. Sie haben alles organisiert, was n&#246;tig war, um das Gl&#252;ck herzustellen. Aber das Gl&#252;ck l&#228;sst sich nicht organisieren, auch wenn die amerikanische Verfassung das nahelegt.</p>
<p>Kaum etwas steht eindr&#252;cklicher f&#252;r den „American Way of Life“ als das Gl&#252;ck mit Verfassungsrang. Die Pr&#228;ambel der amerikanischen Unabh&#228;ngigkeitserkl&#228;rung stellt auch  „Happiness“ als unver&#228;u&#223;erliches Menschenrecht neben das Leben und die Freiheit. Tats&#228;chlich haben die V&#228;ter der Unabh&#228;ngigkeitserkl&#228;rung sich etwas dabei gedacht, als sie festschrieben, dass Gl&#252;ck nicht nur erhofft, sondern tats&#228;chlich gelebt werden soll. Ganz so, wie es der irische Philosoph Edmund Burke 1774 in einem Brief an den Herzog von Richmond schrieb: „Euer geistiger Zustand ist derart beschaffen, dass Ihr Euch einem Streben hingeben m&#252;sst.“ Aus dem historischen Kontext der vielen Dokumente und Interpretationen zum „pursuit of happiness“ in der amerikanischen Unabh&#228;ngigkeitserkl&#228;rung wird deutlich, was damit gemeint ist. Vielleicht w&#252;rden wir heute vom Einklang mit dem eigenen Leben sprechen, vielleicht auch von der Selbstverortung des Menschen, der das Recht hat, sein Gl&#252;ck im selbstbestimmten Gleichgewicht zu definieren. Der amerikanische Historiker und Sozialkritiker Arthur M. Schlesinger forderte vehement, es gelte, die „emphatische Bedeutung“ dieser drei Worte ernst zu nehmen: „pursuit of happiness“. Heute scheint eben das zum Problem geworden zu sein in dem Land, in dem Gl&#252;ck allumfassend verdeutlicht werden, ja zur Schau gestellt werden muss. Wo Gl&#252;ck machbar ist, ger&#228;t es zu einer Zwangsvorstellung. „The pursuit of happiness“ – nicht das Gl&#252;ck, das gefunden werden darf. Das Gl&#252;ck, das hergestellt, dem nachgejagt werden muss.</p>
<p>Vielleicht ist der Apache Trail ein guter Ausgangspunkt f&#252;r diese Erkundungstour auf den Pfaden des Gl&#252;cks. Denn auch die Indianer haben hier einst das Ihre gesucht. Ein anderes als es heute Orientierungs- und Zielpunkt f&#252;r viele Amerikaner ist, und doch immerw&#228;hrende Triebkraft im Kampf gegen alle Widrigkeiten entlang des Lebenspfades. Im ersten Eindruck scheint es mir leichter, in den klimatisierten Glast&#252;rmen von Phoenix das Gl&#252;ck zu suchen als auf dem verstaubten Trail. Es ist hei&#223; hier. So hei&#223; dass der Kreislauf versagt, und das ist erst einmal kein gl&#252;ckliches Zeichen. Nicht einmal ein Viertel der Strecke ist gefahren, und nichts geht mehr. Ich liege auf einer Holzbank in der Eingangshalle des Apache Lake Resort, ein Zweckbau, durch den ab und an ein Mensch hindurchgeht. Die Beine hoch an die Wand gest&#252;tzt, um das Blut in den Kopf und den Schwei&#223; zu Boden laufen zu lassen, und ich schlie&#223;e die Augen. Manchmal sind es die bescheidenen Dinge, die Gl&#252;cksgef&#252;hle hervorrufen. Ein kurzer Moment der Erleichterung, die Welt dreht sich nicht mehr, der Magen scheint sich zu beruhigen. „Brauchst du etwas“, fragt die Wirtin. Eine Antwort brauche ich. Was ist Gl&#252;ck f&#252;r dich? Sie &#252;berlegt und wei&#223; keine Antwort. Dann holt sie ihren Sohn. Der Junge ist etwa 16 Jahre alt und hat wei&#223;lich blonde Haare und helle, aufgeweckte Augen. Was Gl&#252;ck ist? Er schmunzelt, vielleicht ob der Frage, vielleicht weil sie aus so ungew&#246;hnlicher Position heraus gestellt wird, in der Horizontalen, mit bleichem, feuchtem Gesicht. „Gl&#252;ck hei&#223;t, so leben zu k&#246;nnen, wie ich will. In einem Tipi in Alaska oder in einem Baumhaus in Hawai, einfach so, wie ich willst.“ </p>
<p>Der Junge gef&#228;llt mir. Er hat intuitiv verstanden, worum es geht bei der Suche nach Gl&#252;ck. Um das Finden, auch das zuf&#228;llige Entdecken. Und um das Empfinden des Eigenen, aus dem Gl&#252;ck entstehen kann. Darum dass das Leben, das ein Mensch f&#252;hrt, zu ihm passt. Die Kongruenz von Wunsch und Wirklichkeit, nicht in jeder Kleinigkeit, nicht im Detail. In der gro&#223;en Linie. „Leben k&#246;nnen, wie ich will.“ F&#252;r viele Amerikaner ist das eine anstrengende Aufgabe geworden. Gl&#252;ck entsteht nicht mehr dadurch, dass der Mensch den Einklang findet zwischen dem, was in der Welt, und dem, was in ihm selbst ist. Gl&#252;ck entsteht dadurch, wie er die Welt organisiert. Beim Gl&#252;ck darf nichts mehr dem Zufall &#252;berlassen werden. Der Weg ins Gl&#252;ck ist steinig, staubig und trocken und f&#252;hrt &#252;ber die allt&#228;glichen Kleinigkeiten. Keine Atempause, das Gl&#252;ck wird jetzt gemacht, es geht voran!</p>
<p>Auf dem Flug von San Francisco nach Phoenix bl&#228;ttere ich im Bordmagazin „SkyMall. Es ist ein sehr spezielles Gl&#252;ck, das auf diesen Seiten gegenw&#228;rtig wird. Eines, das nur die richtigen Baus&#228;tze und Strategien braucht, bei Mensch und Tier. Zum Gl&#252;ck geh&#246;rt der richtige Partner? Dann organisieren wir das doch. „Selective Search“ geht mit Methoden des HeadHunting an die ewig gl&#252;cksrelevante Frage der gro&#223;en Liebe heran: „Executive Search meets Matchmaking“. Das mag nicht sehr romantisch klingen, aber es klingt verdammt effizient. Wer nicht gleich mit dem Partner beginnen will, f&#228;ngt beim Haustier an. Auch das muss zum Gl&#252;ck gezwungen werden, nicht zu seinem eigenen, zum Gl&#252;ck des Halters. Das liegt, ganz simple, im unbefleckten Teppich. Und f&#252;r den sorgt „Litter Kwitter“, das Klodeckelset, mit dem man eine Katze sukzessive daran gew&#246;hnen oder auch zwingen kann, die menschliche Toilette zu benutzen. Eine DVD, die jeden Schritt anleitet und dokumentiert, wird mitgeliefert. Wem jetzt „Katzenklo“ von Helge Schneider in den Sinn kommt, sei gesagt: Es geht um Ernsthafteres.</p>
<p>Das wird schon beim ersten Whisky im Mammoth Saloon klar, als Barkeeper Daniel das Telefon jedes Mal mit „God bless America“ abnimmt. In dem gro&#223;en Saloon sitzen nur wenige Menschen an Theke und Tischen. Einer davon ist ein etwas verwahrloster Mann Mitte 50, der vor einem Schachbrett hockt. Zwischen zwei servierten Drinks sprintet Daniel jeweils ans Brett, macht seinen Zug unterst&#252;tzt mit Anfeuerungsrufen an den stillen Gegner – „make my day!“. Er ist immer in Bewegung, obwohl im selben Alter wie sein Spielpartner, und kommentiert den eigenen Einsatz in einem Fort. „Wer zur Arbeit laufen kann, soll laufen“, ruft er den G&#228;sten zu. „Die Sozialhilfe ruiniert Amerika!“ An der Wand seitlich der Theke sieht man ihn im Anzug auf einem Foto von 1998. Er steht zwischen Georg Bush jr. und John McCain. Daneben h&#228;ngt ein Riesengem&#228;lde von Dallas-Superstars Larry Hagman. Daniel ist besorgt um sein Land, das nicht immer seines war. Seine griechische Abstammung h&#228;lt ihn nicht davon ab, Griechenland und den ganzen Rest des „verkommenen Europa“ laut zu beschimpfen. Er ist 1975 aus der T&#252;rkei endg&#252;ltig in die USA eingewandert und hat an diesem Punkt alle Zweifel abgelegt. „Ich liebe dieses Land und ich w&#252;rde daf&#252;r sterben“, sagt er, w&#228;hrend er den n&#228;chsten Drink mixt.</p>
<p>F&#252;r Daniel ist die gro&#223;e amerikanischer Erz&#228;hlung vom Gl&#252;ck, das jedem offensteht, wenn er nur sein Bestes gibt, wahr geworden. Er lebt mit Frau und Kindern in Scottsdale, einem beschaulichen, wohlhabenderen Vorort von Phoenix, der wegen seiner „Altstadt“ bekannt ist. Die ist gerade mal 50 Jahre alt und umfasst kaum mehr als zwei Stra&#223;en mit Holzh&#228;usern, in denen L&#228;den Schmuck und Modeaccessoires mit indianischem Flair feilbieten. Aber Scottsdale gilt als Luxuswohngegend. Und wann Daniel hier angekommen ist, dann hat er es geschafft. Dann hat er sein Gl&#252;ck gemacht. </p>
<p>Es gibt sie immer seltener, diese Aufstiege aus dem Nichts in den siebten Himmel des Wohlstands. Seltener sogar als in Europa. Das ist ein zweifacher Schlag f&#252;r viele Amerikaner. Schlimm genug, dass es so ist. Noch schlimmer, dass Amerika ausgerechnet hinter Europa zur&#252;ckgefallen ist. Europa. Das ganz und gar ungl&#252;ckliche Vergleichsobjekt. „Mit Obama wird Amerika wie eine dieser europ&#228;ischen sozialistischen Gesellschaften werden“, hat Newt Gingrich im Juni in einem Interview mit Bloomberg TV gesagt. Ein Kompliment war das nicht. Mitt Romney greift diesen Satz gerne auf. Ohne ihn w&#252;rden die USA zu einem Europa mit h&#246;herem Staatsdefizit. Wenn Amerika wie Europa wird, dann geht es bergab mit dem Land. So sehen das viele Amerikaner. Schuld daran ist meistens die Obama-Regierung. </p>
<p>Es ist wahr, dass Obamas Wahlspruch aus 2008, „yes we can“ f&#252;r viele inzwischen zu einer Worth&#252;lse geworden ist. Es ist auch wahr, dass vieles, was Obama versprochen hat, nicht umgesetzt worden ist. Aber daran hat nicht Europa Schuld, sondern eine wachsende konfrontative Polarisierung der politischen Landschaft in den USA, die auch auf die Menschen &#252;berspringt. Die daf&#252;r sorgt, dass es kaum ein gro&#223;es politisches Vorhaben aus dem rhetorischen Schlachtraum in die Umsetzungsphase schafft, dass die Fakten hinter den Vorurteilen verschwinden. So hat die zu Dow Jones geh&#246;rige Website Marketwatch k&#252;rzlich Wachstumsraten in der Ausgabenpolitik unter den vergangenen Pr&#228;sidenten ver&#246;ffentlicht. Mit 1.4 Prozent verzeichnete die Obama-Regierung den geringsten Zuwachs seit Ende des Koreakrieges unter Eisenhower. Irgendwie will das niemand wissen. Darauf angesprochen verzieht Daniel hinter der Theke das Gesicht. „Ich bin wirklich gl&#252;cklich hier“, sagt er. „Aber ich w&#228;re noch gl&#252;cklicher, wenn Pr&#228;sident Obama sich nicht &#252;berall f&#252;r Amerika entschuldigen w&#252;rde. Wenn du dich f&#252;r dieses Land entschuldigen musst, dann geh doch einfach.“</p>
<p>Die V&#228;ter der amerikanischen Unabh&#228;ngigkeitserkl&#228;rung waren davon &#252;berzeugt, „the happiness of society is the end of government“, wie es der amerikanische Pr&#228;sident John Adams im 18. Jahrhundert in seinen „Thoughts on Goverment“ schrieb. Gl&#252;ck als Regierungsziel. Vielleicht war das immer ein Missverst&#228;ndnis, dass Gl&#252;ck politisches Programm sein kann. F&#252;r viele Amerikaner ist dieser Anspruch jedenfalls zu einem leeren Versprechen geworden. Vielleicht h&#228;ngt es auch damit zusammen, dass in Arizona viele Menschen glauben, ihr Gl&#252;ck mit Waffengewalt gegen die Bedrohung durch andere verteidigen zu m&#252;ssen. Auch Dan tr&#228;gt eine Waffe am G&#252;rtel, einen Colt. Auf die Frage, ob er davon Gebrauch machen w&#252;rde, l&#228;chelt er nur milde. Arizona gilt als das Waffenmekka der USA. Hier wurde 2011 die Abgeordnete Gabrielle Giffords von einem psychisch labilen Attent&#228;ter in den Kopf geschossen. F&#252;nf Menschen starben, sie selbst ist seither in der Rehabilitation und musste ihr politisches Amt aufgegeben. Die Pl&#228;doyers nach dem Attentat lauteten mehrheitlich auf eine weitere Lockerung der Waffengesetze. Als „vergiftet“ hat der Polizeichef von Tuscon, der Stadt des Attentats, das politische Klima im Land beschrieben. Da ist es wieder, das Echo. „Wenn ich dir eine Pistole gebe, kannst du mich erschie&#223;en?“ Warum hat der Mann keine eigene Waffe, wo doch alle eine haben? </p>
<p>Wo ist er hin, dieser Mythos des „alles geht, wenn du nur willst“, der Amerika so lange ausgezeichnet hat? Er hat sich als Aberglaube entlarvt, der Glaube an die unbegrenzte Machbarkeit des Gl&#252;cks. Er ist zerrieben worden zwischen den Fronten der konservativen Hardliner und ver&#228;nderungswilligen Liberalen. Er ist untergesp&#252;lt worden von den schnell aufeinander folgenden Wellen der Krise auf den Finanzm&#228;rkten. Er hat sich aufgel&#246;st wie die klare Abgrenzung zwischen dem ‚wir’ und dem ‚ihr’. Die USA waren in so vielem Weltmacht, Anf&#252;hrernation, Wettbewerber Nummer eins. Aber das ist l&#228;ngst nicht mehr so. Die Insel der Gl&#252;ckseligen ist zu einem Landst&#252;ck in einem Archipel geworden, innerhalb dessen die Abh&#228;ngigkeiten untereinander wachsen. Auf der Suche nach dem Gl&#252;ck hat es immer weniger Sinn, abgeschottet auf der eigenen Insel hocken zu bleiben. Schauen, was auf den anderen passiert, sich f&#252;r den Wechsel parat machen, das ist die Losung der Zeit.</p>
<p>Die Juni-Ausgabe des „Oprah Magazine mit der Schlagzeile „You, Happier Than Ever!“ legt dar, wie einfach das sein kann. Es bedarf lediglich einiger strategischer &#220;bungen in Selbstanalyse und Repositionierung, um sein Gl&#252;ck zu machen. Dazu ist es n&#246;tig, eine „Insel der Erleuchtung“ zu erschaffen, auf der man seine Unzul&#228;nglichkeiten abl&#228;dt, und eine „Insel der Anreicherung“, auf der die Dinge stattfinden, die man bislang nicht aus den eigenen Tr&#228;umen heraus in Wirklichkeit hat verwandeln k&#246;nnen. Tr&#228;umst du von Peru? Dann klebe Bilder des Machu Pichu auf deine Insel der Anreicherung, esse Mango und Guave, trainiere auf dem Stepper f&#252;r das Bergsteigen und trage Papageienfedern in deinem Haar. Und wenn du das tust, dann kannst du von der Insel der Ungl&#252;cksselige auf die der Gl&#252;cksseeligen &#252;bersetzen. So einfach und praktisch geht das bei Oprah. Wer &#252;ber die Papageienfedern im Haar hinauskommen will, hat mehr M&#252;he. Im Jahr 2010 gingen 93 Prozent aller Einkommenszuw&#228;chse auf das Konto von einem Prozent an H&#246;chstverdienern im Land. Das waren knapp 300 Milliarden Dollar. F&#252;r die „restlichen“ 99 Prozent gab es durchschnittlich 88 Dollar mehr auf dem Konto.</p>
<p>Nein, Geld allein macht nicht gl&#252;cklich. Der Satz muss kommen, denn er steht irgendwann irgendwo auch in allen Studien der Gl&#252;cksforschung. Aber Geld geh&#246;rt zur Prosperit&#228;t eines Landes, von der auch die Bewohner profitieren. Wohlstand, Gesundheit und ein gutes soziales Umfeld sind drei wichtige Bestandteile, die &#252;ber Gl&#252;ck wesentlich mitentscheiden. Das sagt, unter anderen, der „Life Satisfaction Index“ der OECD. Wenn Gl&#252;ck ein Ergebnis der richtigen Kalibrierung dieser Faktoren ist, wenn Gl&#252;ck also organisierbar ist, dann m&#252;ssten die USA die gl&#252;cksseligste Insel im Archipel der umfassenden Gl&#252;ckskonkurrenz sein. Sind sie aber nicht. „Wieder einmal haben die USA den Einzug in die Top-Ten der gl&#252;cklichsten Nationen der Welt verfehlt“, klagt der Informationsdienst „24/7 Wall St.“ an. W&#228;hrend &#252;berall das Gl&#252;ck gemessen und erforscht wird, leiden die USA unter einem Gl&#252;cksbilanzdefizit.</p>
<p>Neben mir an der Bar sitzt Monika, die noch mehr Whisky getrunken hat als ich. Monika ist K&#252;nstlerin und lebt mit ihrem schizophrenen 40j&#228;hrigen Sohn in Goldfield Ghost Town. Sie sitzt oft an der Theke von Mammoth Saloon. Viel mehr M&#246;glichkeiten hat sie nicht, wenn sie mal raus will unter Menschen. Monika hat eine kleine Galerie in Goldfield Ghost Town, in der sie selbst gemalte Bilder verkauft. &#214;lgem&#228;lde und Aquarelle der Landschaft, in der sie nun seit 1987 lebt. Sie sagt S&#228;tze wie „Wenn jeder beim Staat am Tropf h&#228;ngt, ist das nicht finanzierbar“. Oder: „Du bist f&#252;r dich selbst verantwortlich, nicht der Schei&#223;staat.“ W&#228;hrenddessen traktiert sie fast pausenlos ihr Smartphone und checkt, wer etwas auf Facebook gepostet haben k&#246;nnte. </p>
<p>Facebook, das ist die neue Insel des Gl&#252;cks, die f&#252;r viele auf Platz Null landet, vor allen OECD-Statistiken. Dort findet sich immer ein Ankerpunkt im Archipel der Gl&#252;cksseligen, eine soziale Andockstelle. Nach einer Untersuchung der AARP, der Organisation amerikanische Rentner, sind  35 Prozent aller Erwachsenen &#252;ber 45 in den USA chronisch einsam. Vor zehn Jahren waren das noch 20 Prozent. Monika sagt auch S&#228;tze wie „Du suchst dir eine Blase und steckst deinen Kopf rein. Die Wahrheit, wie du hier lebst, kennt niemand in Europa.“ Vielleicht ist Facebook die Blase, in die Monika ihren Kopf gesteckt hat, weil es dort angenehmer, freundlicher und zugewandter zugeht, als in dieser Kurve des Apache Trail. Weil sie dann nicht &#252;ber ihren kranken Sohn nachdenken muss, mit dem sie in die Notaufnahme gehen muss, wenn sie etwas braucht, weil keine Versicherung zahlt. Vielleicht ist das ein viel gr&#246;&#223;eres Problem als alle &#246;konometrischen Ma&#223;e angeben k&#246;nnen: der dramatische Sinkflug sozialer Bindungen in den USA, den der Politologe Robert D. Putnam schon 2000 diagnostiziert hat. Wer nicht mehr durch starke Verbindungen sozialer Netzwerke gehalten ist, flieht in die virtuellen Netzwerke der Communities, in denen der Nachbar zehntausende Kilometer weit weg wohnen und niemals das Salz r&#252;berreichen kann. Wer alleine bowlen muss, verliert die Freude an der Sache, die Leben ist, und doch eigentlich die wichtigste Hauptsache der Welt sein sollte. „Wenn ich dir eine Pistole gebe, kannst du mich erschie&#223;en?“</p>
<p>An der Bar in Mammoth Saloon hat eine kleine Gruppe Platz genommen, Touristen aus anderen Teilen der USA. „Wem geh&#246;rt der Laden hier?“, fragt ein dicker Mann in gebl&#252;mtem Hemd. Daniel schaut ihn an. „Jesus owns this place“, antwortet er. Die Reisenden starren in die Luft, niemand reagiert. Daniel wendet sich mir zu. „Mein Leben geh&#246;rt mir nicht“, sagt er. „Ich habe es von Gott geliehen. Wir leben alle von geborgter Zeit.“ Das k&#246;nnte ein sch&#246;ner Satz sein, w&#228;re er nicht so tief eingefr&#228;st in das Zusammenspiel von Gl&#252;cksentt&#228;uschung des Diesseits und Gl&#252;cksversprechen des Jenseits. Der religi&#246;se Wahn nimmt seinen ungehinderten Lauf dort, wo ein verbindendes Werteger&#252;st im sozialen Alltagsleben immer instabiler wird. Auf dem Apache Trail h&#246;re ich „familiyliferadio“, die Radiostation, die sich in Wort und Musik ganz der christlich-religi&#246;sen Vergewisserung verschrieben hat. Das Bedr&#252;ckende an dieser H&#246;rerfahrung ist, dass der christliche Glaube hier weniger Ermutigung ist, das eigene Gl&#252;ck gelassen zu finden, als die Mahnung daran, dass es dieses Gl&#252;ck nicht gibt. „Wenn du glaubst, dein Durst sei gestillt, dann lautet die schlechte Nachricht: So wird es nie sein. Aber es gibt Wege, damit umzugehen.“</p>
<p>Es ist vielleicht die gr&#246;&#223;te Herausforderung, &#252;ber gro&#223;e Ver&#228;nderungen und  Verluste im Leben hinweg zu kommen, das Scheitern zu akzeptieren, ohne zynisch zu werden. Das gilt f&#252;r einzelne Dinge und Menschen in einem einzelnen Leben ebenso wie f&#252;r ganze Lebenstr&#228;ume und -konzepte einer Zeit. Wie das m&#246;glich oder unm&#246;glich sein kann, beschreibt Richard Ford in seinem neuen Roman „Canada“. Darin muss das amerikanische Zwillingspaar Berner und Dell nicht nur schon im Kindesalter lernen, mit existenziellen Verlusten von Respekt, Familienbindung und Freiheit umzugehen. Es muss auch lernen, dass Gl&#252;ck nichts Gegebenes ist. „Life’s passed along to us empty. We have to make up the happiness part.“ Am Ende liegt das gr&#246;&#223;te Gl&#252;ck des Lebens vielleicht darin, dass es tats&#228;chlich gelingen kann, &#252;ber Verluste hinweg zu kommen und doch weiter zu leben. „We try. All of us. We try.“</p>
<p>Was das hei&#223;t, wenn es um den Verlust des Versprechens auf machbares Gl&#252;ck geht, l&#228;sst sich schwer ahnen. Vielleicht bleibt dann doch nur Zynismus als &#220;berlebensstrategie. Oder eine Waffe, die es erlaubt, dem zynischen Spiel ein Ende zu machen.</p>
<p><a href="http://shop.cicero.de/einzelhefte/cicero-oktober-2012.html#details" target="_blank">Cicero 10/2012</a></p>
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		<title>5 Thesen zur Zukunft des Journalismus</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jul 2012 06:01:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie wird der Journalismus der Zukunft aussehen? &#196;hnlich und anders zugleich! W&#228;hrend die journalistischen Kernkompetenzen, Recherche und gutes Erz&#228;hlen, nicht an Bedeutung verlieren, bringt das Internet doch einige journalistische &#8220;Wahrheiten&#8221; zum Einsturz: der Anspruch, Welterkl&#228;rer f&#252;r die Gesellschaft zu sein erodiert im Zusammenspiel mit zahlreichen anderen Informations- und Meinungsquellen im Netz, alle journalistische Arbeit ist [...]]]></description>
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<p><br /><img src="http://www.miriammeckel.de/wp-content/uploads/2012/07/video-mm.jpg" width="" height="" alt="media" /><br />
</p>
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